15.09.2016, 09:35 Uhr

"Dukovany ist näher als viele glauben" - Wie vorbereitet ist Niederösterreich auf eine Katastrophe?

Zentrale Vorsorge im Bezirk Wiener Neustadt: Bürgermeister Hans Rädler präsentiert den Schutzraum im Bad Erlacher Gemeindeamt.

Ein Einblick in die Keller, Bunker und Gedanken der niederösterreichischen Haushalte

Der geplante Ausbau des grenznahen AKW Dukovany sorgt in ganz Niederösterreich für Unruhe und den plötzlichen Gedanken an Vorrat, Vorsorge und Schutz im Falle einer Katastrophe.

Wir haben uns in den Kellern der niederösterreichischen Haushalte umgesehen und neben Rumpelkammern und Hobbyräumen, verschiedenste Ansätze von Sicherheitsbewusstsein und optimaler Bevorratung entdeckt.

Schutz vor Atomkatastrophen und Terrorangriffen

„Schutzräume waren zu Zeiten des kalten Krieges und der atomaren Bedrohung notwendig“ erklärt Bad Erlachs Bürgermeister Hans Rädler und präsentiert den Schutzraum im Gemeindeamt. Gleichzeitig warnt Rädler vor neuen, „modernen“ Bedrohungen wie Terroranschlägen oder Cyberangriffen. „Die Terrorgefahr hat sich verfünfzehnfacht. Dafür sollten wir gerüstet sein.“

In den Kellern von Tulln sind die Tiefkühltruhen prall gefüllt

Tagelang versorgt wären im Falle eines Unglücks, Katharina Kleiß und ihre Familie in Tulln. Obst, Gemüse, Nudeln, Reis sowie eine bis zum Rand vollgepackte Tiefkühltruhe zeugen von Bewusstsein für Bevorratung.

Im Purkersdorf sind die meisten Schutzräume zwar zu Rumpelkammern verkommen, auf Bevorratung wird allerdings auch hier großer Wert gelegt, betont der Zivilschutzbeauftragte Manfred Barta, der selbst stets ausreichend Wasser, haltbare Lebensmittel und einen Campingkocher „gebunkert“ hat.

Notstromaggregat und Billardtisch für den Katastrophenfall

Ernst Führer, Zivilschutzbeauftragter im Bezirk Horn, geht sogar noch eine Stufe weiter und kann im Ernstfall sein ganzes Haus mit Notstrom versorgen. Führer spricht auch ein grundsätzliches, gesellschaftliches Problem an: „ Der Zivilschutz berät im Voraus und das findet erst Gehör, wenn der Hut brennt.“



Im Bezirk Waidhofen wird Günther Zlabinger, stellvertretender Obmann des Zivilschutzverbandes in Windigsteig, auf Grund seiner Vorkehrungen und Bevorratung bereits liebevoll „Hamster“ genannt. Vom feuerfesten Safe für wichtige Dokumente, über kiloweise Reis bis zum Billardtisch („Damit es nicht fad wird.“) ist Zlabinger bestens für eventuelle Katastrophen gewappnet.

In Zwettl sensibilisiert Alfons Payr, Obmann des Zivilschutzverbandes, wo er kann: "Dukovany ist näher als viele glauben!". Eine Umfrage der Bezirksblätter ergab dass im Bezirk Zwettl die meisten einen ausgiebigen Lebensmittelvorrat zuhause haben, Notstromaggregate oder Schutzräume sind jedoch Mangelware.

Weinkeller als Lebensretter

Die Gemeinde Fallbach im Bezirk Mistelbach sorgte bereits in den 1990er-Jahren mit dem Projekt „Schutzraum im Weinkeller“ für mögliche Notfälle vor.
Bis zu 50 Personen finden im Keller, der mit Schutzwand, Filteranlage und Notstromaggregat ausgestattet ist, Platz und können sich hier bis zum Abbau der gröbsten Strahlung schützen.

Gerhard Haitzer aus Strasshof hat in seinem Keller für mindestens zwei Wochen vorgesorgt. Grundnahrungsmittel in Dosenform, Wasservorräte oder Medikamente - hier fehlt nichts. Einen Schutzraum hat auch Haitzer, seines Zeichens Regionsleiter des Zivilschutzverbandes, nicht im Haus. Für die Erlangung des Strahlenabzeichens musste er bereits einmal drei Tage in einem Bunker verbringen: "Das Gefühl eingesperrt zu sein war das Schlimmste!".

„Wir waren selbst erstaunt, welche Gefahren unsere Stadt betreffen könnten“

„Wir sind einige Gefahren durchgegangen. Wir waren selbst erstaunt, welche Gefahren unsere Stadt betreffen könnten“ sagt Gemeinderat Patrick Strobl aus Melk.
Die Stadtgemeinde ist gerade in der Endphase der Ausarbeitung eines Katastrophenschutzplanes. Dieser soll bei Hochwasser, Verkehrsunglücken mit gefährlichen Stoffen, Anschlägen auf öffentliche Gebäude oder atomaren Katastrophen in Kraft treten.

Katastrophen nahe der österreichischen Grenze sorgen für Umdenken




Einbunkern wollen sich die wenigsten in Niederösterreich, Bevorratung liegt allerdings im Trend.
Der Gedanke an Vorkehrungen für Katastrophen setzt sich, verstärkt durch grenznahe Katastrophen wie das Erdbeben in Mittelitalien, immer mehr in den Köpfen der Bevölkerung fest.

„Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten“ betont auch LAbg. Christoph Kainz, der sich im Interview mit den Bezirksblättern einmal mehr gegen den geplanten Ausbau des AKW Dukovany einsetzt.

Im Gespräch mit Bezirksblätter-Chefredakteur Oswald Hicker, erklärt auch Landesrat Stephan Pernkopf seine klare Ablehnung der Ausbau-Pläne von Dukovany.

Wer sich aktiv gegen den Ausbau des nur knapp 32 Kilometer entfernten Atomkraftwerks einsetzten möchte, kann sich hier informieren und einbringen.
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