18.04.2016, 12:59 Uhr

Drogenhandel bei der U6: Der Trend geht zu Marihuana

Eine Cannabisplantage pro Woche entdeckt die Polizei in Wien. (Foto: LPD NÖ)

Weg von Heroin und Kokain: 90 Prozent des Handels an der U-Bahn-Linie drehen sich um Cannabis.

WIEN. 11,5 Kilogramm Marihuana, 3,2 Kilogramm Heroin und 1,5 Kilogramm Kokain hat die Polizei in den vergangenen sechs Monaten bei der Linie U6 sichergestellt. Und obwohl es keine Vergleichszahlen gibt, steht für die Polizei eines fest: „Wir können einen eindeutigen Trend weg von Heroin und Kokain hin zum Handel mit Marihuana feststellen“, sagt Patrick Maierhofer von der Polizei. Insgesamt würde zu 90 Prozent mit Cannabis gedealt werden.

Die Frage nach dem Warum ist schnell beantwortet: Einerseits wurde Anfang des Jahres das Suchtmittelgesetz in Österreich gelockert. Eine Untersuchungshaft kann jetzt nur mehr dann verfügt werden, wenn einem Drogendealer drei Taten nachgewiesen werden können. Und andererseits ist die Herstellung von Marihuana wesentlich einfacher als von anderen Drogen. „Die Kombination aus diesen beiden Faktoren ist der Grund, warum vermehrt mit Marihuana gedealt wird“, so Patrick Maierhofer.


Neue Dealer unterwegs

Aber nicht nur die Drogen, auch die Dealer hätten sich geändert. Waren es laut Polizei vor ein paar Jahren noch hauptsächlich Nigerianer, sind es mittlerweile Marokkaner, Algerier und Afghanen. Der Grund dafür liege zum Teil auch an dem Zustrom von Flüchtlingen. Maierhofer: „Die Menschen kommen hierher und haben keinen Bezug zu irgendjemandem. Viele geraten dann an die falschen Leute, die ihnen sagen, dass man mit Drogenhandel leicht Geld verdienen kann.“

Warum sich gerade die U6 zu einem derartigen Hotspot entwickelt hat, erklärt die Polizei mit dem Argument der Mobilität. „Wenn die Polizei kommt, können die Dealer schnell in die U-Bahn einsteigen und drei Stationen weiter fahren.“ Außerdem sei auch den Dealern bekannt, dass sich um die Linie U6 viele Suchtkranke aufhalten. Doch genau da hält die Suchthilfe Wien, die mit ihren mobilen Sozialarbeitern (SAM) vor Ort ist, entgegen. Denn beim Tageszentrum JOSI bei der U6 Josefstädter Straße seien es vor allem alkoholkranke Menschen und bei der Drogeneinrichtung jedmayer am Gumpendorfer Gürtel Opiat­abhängige. „Das sind völlig verschiedene Zielgruppen“, so Mathias Tötzl von der Suchthilfe Wien. Sowohl er als auch die Polizei setzen nun große Hoffnungen in die geplante Novelle des Suchtmittelgesetzes. Denn dann können Dealer bereits nach der ersten Straftat in Untersuchungshaft kommen. Ende April soll das neue Gesetz im Nationalrat beschlossen werden.
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