02.05.2016, 18:02 Uhr

Selbstständig: Wenn eine OP (fast) zur Pleite führt

Wilhelm Hartmann vor seiner Konditorei in Ottkring. Das Geschäft läuft – auch dank Betriebshilfe. (Foto: privat)

35 Mal konnte die Wirtschaftskammer Wien Unternehmern mit ihrer Betriebshilfe schon unter die Arme greifen.

OTTAKRING. Der Wiener Wilhelm Hartmann wagte einen mutigen Schritt. Als Quereinsteiger übernahm er im Vorjahr ein Kaffeehaus in der Thaliastraße. Investieren musste er viel, finanziell und an persönlichem Einsatz.

Alles lief gut – bis ihm eine Verletzung fast zum Verhängnis wurde. Es war nicht mehr als ein Leistenbruch, und dennoch war eine Operation unumgänglich. Aber: Das Lokal schließen, so kurz nach der Übernahme? Für Hartmann keine Option. Zumindest nicht, ohne sein Geschäft in Gefahr zu bringen.

Hartmann ist dabei nur einer von vielen Wiener Unternehmern, denen eine Erkrankung, eine Operation oder eine Schwangerschaft fast zum beruflichen Verhängnis wird.

35 Fälle im neuen Jahr

Wer betroffen ist, der kann sich an die Wirtschaftskammer Wien wenden. Bereits 35 Mal musste sie im ersten Quartal 2016 einspringen – und zwar mit ihrer sogenannten "Betriebshilfe". Wie das System funktioniert? Die Wirtschaftskammer stellt Unternehmern kostenlos einen Mitarbeiter zur Verfügung, wenn der Inhaber aus medizinischen Gründen länger als 14 Tage arbeitsunfähig ist. „Für den Großteil der Unternehmer ist ein vorübergehender Ausfall der eigenen Arbeitskraft eine existenzbedrohende Situation", sagt Wirtschaftskammer-Chef Walter Ruck.

Die größten Probleme der Wiener Unternehmen: In 14 der 35 Fälle mussten die Betriebshelfer wegen Erkrankungen einspringen; in zehn Fällen wegen Operationen und in fünf Fällen wegen dringender Reha-Maßnahmen. Auch erfreulichere Gründe gibt es: Sechs Mal wurde wegen eines Mutterschutzes die Betriebshilfe angefragt. Der größte Anteil der Unterstützungen betraf mit 47 Prozent die Sparte Handel.

Das Kaffeehaus von Wilhelm Hartmann konnte übrigens gerettet werden. Mittlerweile liegt seine Operation einige Wochen zurück. "Viele Tätigkeiten", sagt er, "sind mir noch nicht möglich." Die Betriebshilfe wurde verlängert. "Zum Glück. Sonst hätte ich schließen müssen."
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