26.03.2016, 02:36 Uhr

Seht da, der Mensch!

- Ostern und die Flüchtlinge -

Angesichts der völlig veränderten Situation auf dem europäischen Kontinent befinden wir uns ganz offensichtlich hier in Österreich noch immer auf einer „Insel der Seligen“.
Auch wenn eine eigenwillige Nationalpolitik, in neuem Mut - oder Übermut (?) - versucht, diesen "seligen" Zustand mit Zäunen, Grenzkontrollen und Abweisungen von Flüchtlingen zu erhalten, werden wir uns künftig ganz neu – ob gewollt oder ungewollt - dem Mensch-Sein auf diesem Planeten widmen müssen.
„Ecce homo“ – Seht da, der Mensch!, ruft der Statthalter Pontius Pilatus in die verhetzte und herzlose Menge, als der gegeißelte und verhöhnte Christus in der Hand der Massen zur Freilassung oder zum Tod steht.
„Ecce homo“ - Seht da, der Mensch!
In dieser Zeit in der man mit den Menschen mehr denn je Schindluder treibt,
sie politisch verschachert und skrupellos benutzt, missbraucht und in den Tod gibt, müssen Christen unaufhörlich den Kampf um das Ansehen und die Würde des Menschen führen.
Das geschändete Antlitz Christi, das uns in den verzweifelten Flüchtlingen, den Märtyrern der verfolgten, gequälten und grausam ermordeten Minderheiten, den Terroropfern und ihren Angehörigen entgegen schaut,
fordert unsere Aufmerksamkeit und Sorge.
Der letztes Jahr heiliggesprochene Papst Johannes Paul II.
hat es 1983 in Wien wie in einem Brennspiegel zusammengefasst:
„Im Namen Unzähliger,...bitte ich Sie:
Bauen Sie beharrlich Brücken zwischen getrenntesten Ufern
und über Grenzen hinweg.
Ihr Land bietet dafür besondere Möglichkeiten.
Betrachten Sie den Menschen und die Gesellschaft nicht nur mit einem unerbittlich diagnostizierenden Blick, sondern mit einem Blick der Hoffnung,
mit dem Spürsinn für mögliche Veränderungen zum Besseren.
Ermöglichen Sie es dem Guten,
als wenigstens ebenso spannend erlebt zu werden wie das Unerfreuliche.
Und zeigen Sie auch im Bedauerlichen das damit verbundene Gute.
»Seht da, der Mensch!«.
Mit diesem Wort möchte ich meine Überlegungen zusammenfassen:
Übersehen und überhören Sie ihn nie:
den hoffenden, liebenden, angsterfüllten,
leidenden und blutenden Menschen.
Seien Sie sein Anwalt, hüten Sie seine Welt:
diese schöne, gefährdete Erde.
Sie treffen sich dabei mit den Anliegen der Kirche,
die unverwandt auf jenen schaut, über den Pilatus sagte
»Ecce homo«, »Seht da, der Mensch!«.
Jesus Christus — Gottes und der Menschen Sohn —
ist der Weg zur vollen Menschlichkeit.
Er ist auch das Ziel.
Möge es vielen geschenkt werden, ihn neu zu erkennen — „
(Johannes Paul II. am 12. September 1983 in Wien)
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein ermutigendes Osterfest
und den „Trotzdem-Glauben“, der die Würde des Menschen - über den zeitgeistigen und tagespolitischen Parolendonner hinweg - verteidigt und immer neu ins Bewusstsein ruft.
Frohe, gesegnete Ostern!
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