17.05.2016, 11:55 Uhr

Josefstadt: Erni Mangold in Herold und Maude

Nach Billie Holiday nun Maria Callas. Sona MacDonald in Glanzrollen. Neues Projekt in der Josefstadt (Foto: Jan Frank)
Ich wollte immer schon auf einer Bühne stehen. Nicht auf einer Theaterbühne sondern auf einer Opernbühne. Die Veranlagung zum Sänger hätte ich gehabt. Aber Faulheit, Dummheit und allerlei Pubertätsprobleme haben das verhindert. Jetzt sitze ich auf der Bühne des Theaters in der Josefstadt bei einer Pressekonferenz und lausche den Ausführungen des zuständigen Direktors.

Leidenschaftlich präsentiert Herbert Föttinger seinen Spielplan 2016/17, seine Autoren und die Besonderheit, warum welche Stücke auf dem Programm stehen. Eine Sensation bahnt sich mit Ödön von Horvarths „Niemand“ ab. Das verschollen geglaubte Stück wurde gefunden, von der Wien Bibliothek ersteigert und wird vom Josefstadt-Theater gespielt. Der junge Horvath beschreibt dahin verschiedene Schicksale in der Wirtschaftskrise der 30er-Jahre. 24 Schauspieler verlangt das Werk - eine Herausforderung. Die bei der Pressekonferenz anwesenden Autoren Peter Turrini (Sieben Sekunden Ewigkeit) und Felix Mitterer (Galapagos) sowie der aus London zugeschaltete Daniel Kehlmann (Heilig Abend) bringen sich mit Uraufführungen im spannenden Spielplan ein. Ein besonderer Leckerbissen wird mit „Herold und Maude“ serviert. Die 90-jährige Erni Mangold spielt das Stück mit einem neuen Schauspieler – Meo Wolf – an der Josefstadt. Die Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann und einer alten Frau ist ein Highlight der Theaterkultur.

Manche Journalisten neigen dazu, sich nur am Rande für Kultur zu interessieren. Sie sehen sich lieber als Aufdecker. Doch sie haben nicht alle die Qualität dazu. Manche Intendanten ducken sich, geben oft Antworten, die sie später bereuen. Nicht so der Direktor Föttinger. „Warum lagern sie die Werkstätten nicht aus“ fragt ein Journalist den Josefstadt-Direktor. „Weil ich österreichische Arbeitsplätze sichere, weil wir ein harmonisches Team sind, und weil ich die Werkstätte nahe der Bühne haben möchte“ sagt er mit Empathie. Was bringen billige Kulissen aus Osteuropa, die dann sehr oft repariert werden müssen und Kosten verursachen? Ich verwahre mich dagegen, österreichisches Steuergeld in andere Länder zu verschippern. So lange ich hier Direktor bin, werde ich um die Werkstätten, die zeitnahe um 1.5 Mio. renoviert werden, kämpfen. Und damit alles klar ist: „Wir haben eine Auslastung im Haupthaus von ca. 80% und in den Kammerspielen knapp 100%. In Wahrheit interessiert sich kaum ein Leser für Zahlen, solange das Theater nicht übermäßig am Steuerkopf saugt.

Föttinger möchte die Erfolgsgeschichte fortsetzen. Mit diesem Spielplan ist das Ziel ziemlich sicher erreichbar. „Das war doch eine launige Pressekonferenz“ fand er am Schluss. Ja natürlich, Herr Direktor, bis zur nächsten Erfolgsgeschichte-Bilanz-Pressekonferenz.

Alle Stücke sind im Jahreskalendarium zu finden.

Infos und Tickets: www.josefstadt.org

RH
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