27.06.2016, 16:55 Uhr

Ein bewegendes Fest einer großen Familie

Karim Mohammad
Linz: Pfarre Linz - St. Peter | Ganz im Zeichen der Asylwerber stand diesmal das Pfarrfest der Pfarre Linz – St. Peter am Sonntag, den 26. Juni 2016.
Drei Pfarren feierten gemeinsam: Linz - St. Peter, Linz – St. Michael und Linz – Heiligste Dreifaltigkeit.
Zu Beginn der Fest Messe überbrachte Stadträtin Karin Hörzing die Grüße der Landeshauptstadt Linz und würdigte dabei das Engagement für Asylwerber in den drei Linzer Stadtteilen Spallerhof, Bindermichl und Oed.
Bei der Messe gab es keine Festpredigt im herkömmlichen Sinn. Die Gemeinde erlebte stattdessen ein eindrucksvolles Zeugnis. Vor einem Jahr war Karim Mohammad nach Österreich gekommen. Damals konnte er kein Wort Deutsch. Nun erzählte er in perfektem Deutsch und in freier Rede von seinen Kriegserlebnissen, davon dass ihm der Krieg seinen Vater genommen hat, dass er schließlich seine Mutter und Geschwister zurücklassen musste und sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft machte. Unterwegs geriet er mehrmals in tödliche Gefahr – besonders, als Wasser in das Boot drang und es zu sinken drohte.
Schließlich in Österreich angekommen, kam er dann nach Linz, wo er bis heute in der Pfarre Linz – St. Peter lebt. Die Trauer um den Vater, die Sehnsucht nach der Mutter, den Geschwistern, nach seiner Heimatstadt Damaskus, aber auch die Dankbarkeit für die liebevolle Aufnahme hier in der Pfarre war für alle greifbar.
Im Anschluss daran sang Fadi Alrahil ein arabisches Lied über die verlorene Heimat Damaskus, bei dem viele Tränen flossen.
In diesem Zusammenhang präsentierte Pfarrer Franz Zeiger die neue Benefiz-CD für und mit Menschen, die ihre Heimat verloren haben. „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“, so lautete der Titel des Konzertes von Fisherman's Friends. Die CD ist ein Live-Mitschnitt dieses Konzertes, bei dem die „Syrolinzer“ aktiv mitwirkten, und kann zum Preis von 13,90 Euro in allen drei Pfarren erworben werden. Der Reinerlös dieser CD kommt ausschließlich Menschen zugute, die vor Krieg und Terror aus ihrer Heimat fliehen mussten und bei uns Schutz und Geborgenheit suchen.
Auch der auf der Flucht im Mittelmeer ertrunkenen Menschen wurde in der Messfeier auf besondere Weise gedacht. Zum Abschluss verlas die Linzer Gemeinderätin Regina Traunmüller einen bewegenden Brief, den man bei einem ertrunkenen Flüchtling gefunden hat:

"Liebe Mutter,
es tut mir Leid, dass das Schiff gesunken ist. Ich konnte mein Ziel nicht erreichen, damit ich dir das Geld schicken kann, das du mir für meine Reise geliehen hast. Wenn mein Leichnam nicht gefunden wird, sei nicht traurig. Es ist gut so. Das würde dir nur noch zusätzliche Kosten für Transport und Beerdigung verursachen.
Liebe Mutter, bitte entschuldige mich, dass ich diesen Schritt tun musste, da ich wegen des Krieges keine andere Wahl hatte.
Es tut mir sehr Leid, dass ich dir das Holzhaus, das ich in meiner Fantasie hatte, nicht bauen konnte. Das Haus sollte weit weg sein, wo keine Bomben oder Raketen auf uns geworfen werden. Es sollte dort sein, wo keine religiösen oder rassistischen Vorurteile existieren. Das Haus sollte so schön sein wie die Häuser, die wir im Kino sahen.
Bitte entschuldige mich bei meinem Bruder, dem ich jeden Monat fünfzig Euro schicken wollte, damit er sein Studium fortsetzen kann.
Ich möchte mich bei allen Tauchern und allen Menschen, die nach mir suchen werden, entschuldigen, weil ich nicht weiß, wie das Meer heißt, in dem ich ertrinken werde.
Die Menschen in Europa möchte ich beruhigen. Ich werde euch nicht zur Last fallen.
Ich danke dir, liebes Meer, dass du mich ohne Pass und ohne Visum angenommen hast.
Liebe Mutter, liebe Familie, es tut mir sehr Leid, dass ihr wegen meines Todes traurig sein werdet.
Es tut mir Leid, dass ich ertrunken bin."

Nach der Messe eröffnete das Blasmusikorchester Jung – St. Marien das Fest der Begegnung mit einem Platzkonzert und die Volkstanzgruppen Eidenberg und Gramastetten begeisterten alle mit dem traditionellen Bandltanz.
OA Dr. Thomas Schwierz, der mit den Volkstanzgruppen eigens zu diesem Fest gekommen war, brachte es auf den Punkt: „Es war großartig und bewegend! Man spürt, dass die ganze Pfarrgemeinde zusammen mit den Syrern eine große Familie ist.“

Fotos: (c) MM
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