25.07.2016, 10:46 Uhr

Gemeindebund-Präsident Hingsamer: "Gemeinden halten am Hort fest, weil er flexibler ist"

Hort oder Ganztagsschule? Für viele Gemeinden geht es sich finanziell nicht aus, beides einzurichten und zu betreiben. Der Bedarf an Nachmittagsbetreuung für Schulkinder steigt aber. (Foto: panthermedia/Sepy)

Ganztags-Volksschule bis 16 Uhr oder die Kinder um halb zwölf abholen – so könnte die von der Politik angepriesene "Wahlfreiheit" in der Praxis aussehen. Denn wegen knapper Finanzen holen sich die Gemeinden die Ganztagsschul-Förderungen ab und investieren nicht mehr in Hortbetreuung.

Grund: Das SP-geführte Bildungsministerium steckt zusätzlich 750 Millionen Euro in den bundesweiten Ausbau der Ganztagsschulen. Schon bisher bietet eine bis 2019 laufende Bundesförderung den Gemeinden pro neu eingerichteter Ganztagsschul-Gruppe 55.000 Euro. Macht im Endausbau für eine durchschnittliche Volksschule mit zwei Klassen pro Jahrgang, sprich acht Gruppen, 440.000 Euro. Ein Angebot, das Gemeinden gerne annehmen und gleichzeitig den Ausbau der Hortbetreuung hintanstellen. Denn: Für den Aus-, Um- oder Neubau eines Hortes bekommen die Gemeinden, je nach Finanzkraft, nur rund 20 Prozent vom Land OÖ.

Aufschrei der Eltern gegen Schulpflicht bis 16 Uhr

Der Trend zur Ganztagsschule wegen der großzügigen Förderungen sorgt jedoch für einen Aufschrei vieler Eltern. Weil für ihre Kinder künftig keine Hortplätze zur Verfügung stehen dürften, stehen sie vor der Wahl. Entweder keine Nachmittagsbetreuung oder den Sechsjährigen erst um 16 Uhr aus der Ganztagsschule holen. Weil in der Ganztagsschule Schulpflicht herrscht, ist ein früheres oder flexibles Abholen wie im Hort rechtlich derzeit nicht möglich – selbst wenn es sich um die so genannte "unverschränkte" Ganztagsschule handelt. Bei diesem Modell findet am Vormittag der Unterricht geblockt statt, nachmittags werden die Kinder betreut und machen ihre Hausaufgaben. In der verschränkten Ganztagsschule wechseln sich dagegen Unterrichts-, Freizeit- und Betreuungseinheiten über den ganzen Tag bis 16 Uhr ab.

Hingsamer: Bei Nachfrage nach Hort gibt es Angebote

Dass die Gemeinden sich von der Hortbetreuung verabschieden würden, weist Gemeindebundpräsident Johann Hingsamer (VP) aufs Schärfste zurück: "Dort, wo es Nachfrage gibt, gibt es auch Angebote." Grundsätzlich müssen die Eltern ihre Zustimmung geben, wenn eine Schule zum Ganztagsschul-Standort werden soll. "Vieles geht tendenziell in Richtung Ganztagsschule. Sie ist günstiger, das ist richtig. Aber die Gemeinden halten deswegen am Hort fest, weil er flexibler ist." Zum Förderpaket des Bundes sagt er: "Es muss Geld für alle Formen der Nachmittagsbetreuung da sein. Und es muss eine gewisse Wahlfreiheit für Eltern geben."

Stelzer: Förderpaket des Bildungsministeriums stellt Ideologie vor Eltern und Kinder

Bildungslandesrat Thomas Stelzer (VP) sieht beim Förderpaket des Bildungsministeriums nicht die Bedürfnisse der Eltern und Kinder im Vordergrund sondern "irgendwelche Ideologien. Daher ist für mich im Sinne der Wahlfreiheit klar, dass ein Teil dieses Investitionspakets auch für Hortausbau und Kindergärten verwendet werden soll." Die neue SP-Landesrätin Birgit Gerstorfer hält dagegen: "Die Ganztagsschule ist eine wichtige Säule in einem Mix an Betreuungsangeboten und keine Zwangsbeglückung." Laut Gerstorfer haben derzeit rund 14 Prozent der Schüler in Oberösterreich die Möglichkeit, eine ganztägige Schulform zu besuchen. "Der Ausbauplan der Ganztagsschulen sieht vor, dass es bis 2025 im Umfeld von 20 Kilometern eine ganztägige Schulform geben soll."

0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.