20.07.2016, 04:00 Uhr

"Man lernt immer dazu" – Nationalteam-Karateka Isabella Neuhofer im Interview

Die Henndorfer Kindergartenpädagogin will vor allem internationale Erfahrung sammeln.

Isabella Neuhofer fährt als frischgebackener "Dan" zur Karate-WM nach Jakarta.

Gratuliere zum ersten Dan, dem legendären Schwarzgurt. Wie war die Prüfung für dich?
ISABELLA NEUHOFER: Sehr aufregend und eine Ehre, dass ich das machen durfte. Im Grunde bin ich zufrieden, auch wenn es sehr anstrengend war. Aber das muss es auch sein.

Du stehst kurz vor der Reise zur Karate-WM in Jakarta. Nervös?
Ja, jetzt habe ich Zeit zum Nervös-sein für die WM. Vorher war die Prüfung im Fokus. In Jakarta trete ich im Kumite, also im Kämpfen, an. Vorrangig will ich dabei internationale Erfahrung sammeln. Bisher bin ich schon bei der EM und Turnieren in Deutschland und der Schweiz gestartet.

Wie bist du zum Karate gekommen? Und warum hast du dich für das traditionelle "Shotokan" entschieden?
Meine Schwester Carina hat mich zu diesem Sport gebracht. Auch unseren Dojo-Leiter, Wilfried Pollheimer, kenne ich bereits, seit ich ein kleines Kind bin. Ich stehe im Karate dazu, den traditionellen japanischen Weg zu gehen. Hier spielt Respekt eine große Rolle. Vor allem von den Erfahreneren kann man viel lernen.

Was fasziniert dich an diesem Sport am meisten?
Mich fesselt die Gemeinschaft und die ist in Österreich sehr groß. Hier halten alle gut zusammen – egal ob in Henndorf, im Salzburger Landesverband oder im Bundesverband. Die japanische Tradition wurde uns von unserem Sensei Norio Kawasoe weitergegeben – und sie wird auch jetzt, nach seinem Tod, weitergelebt. Ich bin froh, dass ich ihn noch kennenlernen durfte.

Wie schafft man es, sich die zahlreichen Katas, also Bewegungsabläufe, zu merken?
Als ich das erstes Mal im Training gesessen bin, habe ich mir genau diese Frage gestellt. Man muss einfach alles unglaublich oft machen, bis man es kann. Karate lebt von Wiederholungen. Ganz viel Training steht im Vordergrund. Dadurch kommt es irgendwann von selbst.

Was waren bisher deine größten Erfolge und wie viel Training steckt dahinter?
Ich bin drei bis vier Mal pro Woche im Training. Innerhalb Österreichs habe ich schon einige Medaillen ergattert. Mein größter persönlicher Erfolg war noch als Braungurt, als ich bei der EM eine Runde weitergekommen bin. Das hat mich sehr gefreut. Mit dem Training geht es sich trotz meines Berufs als Kindergartenpädagogin und meinem Studium in Wien gut aus. Die Wiener lassen mich auch immer mittrainieren.

Warum ist gerade Henndorf ein „Karate-Hot-Spot“?
Meiner Ansicht nach, weil vor allem die Vorbildwirkung ein großes Thema ist. Wir haben viele Schwarzgurte, von denen wir lernen können. Sie leben das mit Leidenschaft vor und reißen die andern mit. In Henndorf ist das Training schon immer im Vordergrund gestanden und das wird auch so bleiben. Die Erfolge stellen sich dann von selbst ein.

Was würdest du Neulingen raten, die mit dem Karate beginnen möchten?
Mein Tipp: Geduld haben. Gerade für Anfänger ist es schwierig, weil es manchmal so wirkt, als ob die Wiederholungen immer das gleiche wären. Zum Hineinfinden ist vor allem Ausdauer wichtig. Einfache Techniken, die man als Anfänger macht, braucht man selbst als Schwarzgurt noch. Man kann immer dazulernen. Unser Dojo-Leiter sagt immer, das Wort „perfekt“ gibt es nicht.

Wie schaut es mit dem Karate-Nachwuchs aus?
In Henndorf haben wir immer guten Nachwuchs. Empfehlen kann ich diesen Sport ab sieben Jahren, weil Konzentration eine große Rolle spielt. Auch Links und Rechts muss man auseinanderhalten können. Beide Gehirnhälften werden stark beansprucht.


Hier geht's zum Artikel "Kampfkunst für Körper und Geist"
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