15.03.2016, 17:56 Uhr

"Mittlerweile ist alles sehr künstlich"

Sonja Hohengasser steht auf Holz (Foto: FH Kärnten)

Architektin und Lehrende an der FH Sonja Hohengasser zeigt die Vorteile von Holz auf.

SPITTAL (ven). Die Birke ist ihr Lieblingsbaum - "die Blätter machen ein so schönes Geräusch" und nun arbeitet sie auch mit Holz: Architektin Sonja Hohengasser sprach mit der WOCHE, warum Holz so großartig ist.

Seit der Kindheit

Aufgewachsen ist Hohengasser, die seit 2005 an der Fachhochschule Spittal Architektur unterrichtet, in einem alten Bauernhaus mit Blick über den Millstättersee in Millstatt. "Ich wollte schon immer Architektin werden. Das Haus mit seinen Materialien Holz und Stein und der traditionellen Bauweise ist nach wie vor sehr inspirierend." Sie und ihr Kollege Jürgen Wirnsberger greifen das Thema der alten "Lab´n", die ihre Lieblingsspielecke war, wieder in der Käserei in Radenthein auf - der Baustart war vergangene Woche, so die Baumeisterin über die Anknüpfungspunkte zu ihrer Kindheit.

Viele Vorteile

Was an Holz so großartig ist? "Der Geruch und die Haptik, einfach ein Wahnsinn. Es ist auch ein natürlicher Baustoff." Die Bedeutung von Holz wird in der Baubranche immer größer. "Man kann die Bauzeit damit sehr verringern, alles vorfertigen und in kürzester Zeit aufstellen. Zeit ist heutzutage Geld, Geschwindigkeit wird immer wichtiger", erklärt sie. Außerdem denkt sie, dass die Wichtigkeit von Holz weiter steigen wird. "Ich denke, die Verwendung von Holz ist auch gut für Kärntner Wirtschaft.“

Positive Eigenschaften

Bei einem privaten Umbau habe sie auch nur unbehandeltes Holz verwendet. "Ohne Lack. Wenn man mit den bloßen Füßen über das gebürstete Holz geht, fühlt man sich wohl. Es wirkt sich positiv auf die Herzschläge aus, es ist antiseptisch. Es wäre schade, wenn man diese positiven Eigenschaften nicht nützen würde", sagt sie. Neben Holz mag sich auch Sichtbeton und Stahl, aber vor allem in Kombination mit Holz. Der Vorteil: Im Holz habe man keine Baufeuchtigkeit. "Die Genauigkeit spielt auch eine Rolle. Mit Holz zu bauen ist wie ein Möbelstück zu bauen, es wird so exakt gearbeitet, was ich sehr faszinierend finde."

Holz im Aufschwung

Derzeit kann man ein Revival von Holz im modernen Bau erleben. "Vielleicht sehnt man sich wieder mehr nach Natürlichkeit, man will sich mehr erden, wieder zurück zur Tradition. Es ist mittlerweile alles so künstlich." Holz habe nun das Vorurteil des Baracken-Baustoffes verloren, es ist als hochwertiger Baustoff anerkannt. "Es fühlt sich in einem Bauernhaus oder in einer Almhütte jeder wohl. Die Umgebung, in der man sich aufhält, ist sehr wichtig."

Ist Holz sexy? "Für mich sehr", lacht sie. Holz ist gut fürs Raumklime und altert so natürlich wie der Mensch. Baustoffe werden oft auch schöner, wenn sie älter werden.“

Preise schärfen Bewusstsein

2011 winkte für Hohengasser und ihre Kollegen eine Auszeichnung im Rahmen des Holzbaupreises für ein Bootshaus am Millstättersee. Auch weitere Projekte von Hohengasser wurden bereits ausgezeichnet, wie die Sanierung der Volksschule in Gnesau. "Es gibt vier unterschiedliche Klassen mit vier Holzarten, Studien haben belegt, dass die Aggressivität der Kinder zurückgeht, vor allem durch die Wirkung von Zirbenholz." Grundsätzlich finde sie gut, dass die Leute durch solche Prämierungen darauf aufmerksam werden. "Wir wollen jedes Projekt gut machen, dazu brauchen wir keine Auszeichnungen." Grundsätzlich finde sie aber gut, damit die Leute aufmerksam gemacht werden, was man aus Holz alles machen kann.

In Landschaft passen

Der Motor, der einen aber antreibe, sei ein anderer: "Gute Dinge zu machen und zufriedene Kunden zu haben. Man versucht, was zu bauen, was in die Landschaft passt und nicht negativ auffällt. Die Bauten sollen sich gut in die Umgebung einfügen, das mache gute Architektur aus. "Wir versuchen, das auch unseren Studierenden mitzugeben."

Leichter Baustoff

Ein gelungener Entwurf sei für Hohengasser, wenn man die Wünsche des Bauherren umsetzen könne, verstehe, was er will und sich das Gebäude gut in die Landschaft einfügt. Wenn man in die Großstädte schaue, sei der Trend eher nach oben gerichtet. "Mehrgeschoßiger Holzbau und Nachverdichtung in der Stadt ist derzeit großes Thema." Gerade dort, wo wenig Flächen zur Verfügung stehen, muss man Stockwerke aufbauen und Holz sei durch sein geringes Gewicht ein idealer Baustoff.

Mehr Frauen

Die Holzbranche ist nach wie vor sehr männlich dominiert, die Planung nicht mehr. "In der Architektur sind es fast schon mehr Frauen als Männer. Den Beruf muss man ganz oder gar nicht machen. Aber er ist wunderschön und wer sich dafür interessiert, soll zu uns ins Haus kommen."

Bewerb für HTL-Schüler

Der heurige Wettbewerb an der FH-Kärnten zum Thema "Radrast 16" richtet sich an HTL-Schüler aus ganz Österreich. Sie sind eingeladen, am Ideenwettbewerb teilzunehmen. 179 Teams haben sich bereits angemeldet. "20 ausgewählte Teams werden nach Spittal eingeladen, um ihre Entwürfe zu präsentieren. Dabei winkt ein Geldpreis, die zwei besten Projekte werden auch umgesetzt, wie auch beim "Kulturraum14" im Spittaler Stadtpark. In der Jury wird unter anderem auch Paco Wrolich sitzen", sagt sie. Die Präsentation der Modelle und Entwürfe findet am 31. März um 14 Uhr in der Aula der FH Spittal statt, die Preisverleihung am 1. April um 10 Uhr.

Steckbrief:

Name: Sonja Hohengasser
Geburtstag: 14. September 1973
Beruf: Architektin
Heimatort: Millstatt
Wohnort: Spittal
An der FH seit: 2005
Lieblingsmaterial: Holz
Hobbys: Sport, in der Natur sein, Lesen
Lieblingsbaum: Birke, die Blätter machen ein schönes Geräusch
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