12.04.2016, 10:21 Uhr

"Geld treibt mich nicht an"

Daniel Hoesl: "WINWIN - ein Film, der ein scharfes Minzzuckerl überbieten wird."

WINWIN, ein Film über den Preis des Geldes. Regisseur Daniel Hoesl aus dem Pielachtal im Interview.

ST. PÖLTEN / LOICH (bt). Du bist in Loich im Pielachtal aufgewachsen?
Daniel Hoesl: "Ja und ich bin in Kirchberg an der Pielach zur Schule gegangen. Dann habe ich in St. Pölten maturiert und war Zivildiener in Rabenstein."

Warum Zivildienst und nicht Bundesheer?
"In Zeiten des Friedens, wobei wir uns meiner Ansicht nach in einem Finanzkrieg befinden, ist die Hilfe dem Nächsten wohl eine Tugend. Außerdem bin ich für Waffengewalt nicht zu begeistern. "

Finanzkrieg?
"Wenn wir uns anschauen was die Panama Papers aufgedeckt haben, dann ist es wirklich kein Geheimnis mehr, dass wir uns in den Fängen der internationalen Finanzwirtschaft befinden, die unsere Demokratie untergraben. Ein Staat ist nur noch ein Kunde bei einem Konzern."

Ist Ihr film durch die Panama Papers noch aktueller?
"Der Film ist auch ohne die Panama Papers aktuell. Die kommen ja auch 20 Jahre zu spät, alle wissen was vor sich geht. Ich frage mich wie die Politik das akzeptieren kann. Das wäre vielleicht den Finanzkrieg wert von dem ich gesprochen habe."

Also Krieg führen, um Krieg zu beenden?

"Krieg wird zurzeit gegen uns geführt, weil die Macht der Mächtigen ausgebaut wird und unsere Ohnmacht in pure Hilflosigkeit ufert. Keine Versprechen werden eingehalten. Politiker sind nur noch eine Kraft, die versuchen den Kurs eines riesigen Schiffs zu beeinflussen. Aber das Schiff ist unaufhaltbar unterwegs, in Richtung einer Gesellschaft wo es nur noch Superreiche und Armut gibt, überspitzt formuliert.Glücklicherweise ist Österreich noch in ganz gutem Zustand. Griechenland ist innerhalb weniger Jahre in ein völliges Disaster abgestürzt."

Und dieses Disaster blüht auch Österreich?
"Wenn man die Hypo anschaut, das größte Finanzdebakel Europas, wäre es gut unsere Position zu überdnken, "WINWIN" anzuschauen und unsere Waffen in Stellung zu bringen."

Wir sind ganz schön abgeschweift. Was hat Ihre Kindheit geprägt und Ihren Werdegang beeinflusst?
"Ein enges Tal, das, wenn man die Straße immer weiter fährt, am Gipfel des Eisensteins endet, führt zwangsläufig dazu, das Tal zu verlassen. Vor allem, wenn man gesehen hat, was es hinter den Wäldern und Hügeln zu entdecken gibt."

Sie sind der Heimat sehr verbunden, mussten aber raus. Ist das kein Widerspruch?
"Ich muss nicht nur an einem Ort sein. Ich bin ununterbrochen in Niederösterreich am Drehen und Arbeiten oder eben Schwimmen oder beim Heurigen. Aber die Filmbranche in Loich beschränkt sich halt eher auf mich."

Welche Beziehung haben Sie zu Geld?
"Man muss sich nach der Decke strecken. Die Entscheidung, Regisseur zu sein, ist finanziell ein Schuss ins Knie. Meine Motivation, Filme zu machen, ist es, Dinge zu zeigen, die einem zu denken geben. Geld treibt mich nicht an."

Welche Macht hat Geld in St. Pölten, verglichen mit anderen Städten?
"Die Gefahr, dass das Geld der einzige Glaubensstifter und folglich Religion ist, ist hier genauso gegeben. Lustigerweise erinnert mich St. Pölten, wenn man die Porschestraße entlang fährt, sehr an Los Angeles. Nur mehr Agglomeration, in so einer Welt fühle ich mich nicht zu Hause."

"WINWIN" ist nicht die leichte Kino-Kost. Was ist zu erwarten?
"Der Film ist eine Abwechslung zum typischen Fernsehprogramm. Er wird mit Frische überraschen und ein Minzzuckerl überbieten. Man wird mit einer Realität konfrontiert, über die man nur mit einem weinenden Auge lachen, aber sich das Lachen nicht verhalten kann."

Karten zu gewinnen

NÖ-Premiere von WINWIN ist am 19. April im Cinema Paradiso St. Pölten, Start ist am 22. April. Unter allen Einsendungen mit dem Betreff WINWIN an st-poelten.red@bezirksblaetter.at verlosen wir zwei mal zwei Premieren-Karten.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.