22.06.2016, 16:00 Uhr

Wenn die Nachbarin stört

In der sonst ruhigen Straße in St. Pölten ist die Idylle getrübt. Selbst- und Fremdgefährdung liegt laut Sachwalterschaft aber keine vor.

Katzenkot, Ratten und die persönliche Freiheit: St. Pöltner fordern für besachwaltete Frau intensivere Betreuung.

ST. PÖLTEN (jg). Katzenkot mit Würmern im eigenen Gemüsebeet – damit fand Anneliese Cappels Geduld schließlich ein Ende. "Irgendetwas muss geschehen", fordert sie und erzählt von Müll auf der Straße, Ratten im Keller und den vier oder fünf Katzen der Nachbarin, die im Garten der Cappels ihre Notdurft verrichten. Die Situation in einer sonst ruhigen Straße in St. Pölten klingt nach einem Nachbarschaftsstreit, der durch klärende Gespräche beigelegt werden könnte.

Mehr Betreuung für Besachwaltete

Im Fall der Cappels ist das aber nicht so leicht. Die Nachbarin ist geistig verwirrt, schon seit Jahren besachwaltet. Gespräche würden zu nichts führen. Man habe in der Vergangenheit gerne und immer wieder geholfen. Etwa als es darum ging, den Holzofen zu reparieren, mit dem die besachwaltete Dame leicht ihr Haus abfackeln hätte können. "Wie kann man sich um fünf Katzen kümmern, wenn man sich nicht einmal um sich selbst kümmern kann?", fragt Cappel nun und fordert, dass die Sachwalterschaft ihrer Nachbarin mehr Betreuung zukommen lässt, um die Situation in der Straße, in der die Cappels seit 50 Jahren wohnen, erträglich zu gestalten.
Bei der Sachwalterschaft heißt es hinsichtlich dieses Appells, dass mehrmals überprüft worden sei, ob eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt. "Das ist nicht der Fall", sagt Anton Steurer vom Landesverein für Sachwalterschaft. Eine Heimhilfe werde der besachwalteten Frau regelmäßig zur Seite gestellt, auch eine Generalreinigung werde immer wieder veranlasst.

Freiheit und Differenzen

"Natürlich ist es nicht immer leicht", sagt Steurer. "Sie hat sicher einen Lebensstil, der nicht der Norm entspricht und sie ist auch keine ganz einfache Persönlichkeit". Die Verhaltensmuster und Wesenszüge als Aspekt der persönlichen Freiheit müssten aber geschützt und dürften nicht dafür herangezogen werden, jemanden im Zuge von Differenzen in der Nachbarschaft in ein Heim abzuschieben.
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