27.07.2016, 00:00 Uhr

Polizisten landen Coup

Die Tullner Polizisten haben sieben Cannabispflanzen sichergestellt. (Foto: LPD NÖ)

Längst sind Drogen nicht nur ein Problem der Städte. Die Konsumenten werden immer jünger. Eine Spurensuche.

BEZIRK TULLN. In St. Pölten flog in der Vorwoche ein Dealer auf, der 12-Jährige mit Drogen versorgt hatte. Längst haben Cannabiskraut, MDMA, Ecstasy und Co. auch die entlegensten Gebiete des Landes erreicht. Die Konsumenten sind teils Jugendliche.
Die Bezirksblätter haben bei Fahndern, Sozialarbeitern und Ärzten nachgefragt, wie groß das Problem im Bezirk Tulln ist.
"Es keimt im kleinen dahin – die schweren Fälle wandern in die Ano-#+nymität nach Wien ab", so Chefinspektor Leopold Heindl vom Bezirkspolizeikommando, der die aktive Kriminaldienstgruppe lobt. "Die Tullner Polizisten sind auf einen Verdächtigen gestoßen, der mit Suchtmittel gehandelt hat", so Raimund Schwaigerlehner von der Landespolizeidirektion NÖ. In Stockerau wurde die Wohnung eines 30-Jährigen durchsucht, Suchtmittelutensilien in größeren Mengen sowie sieben Cannabispflanzen sichergestellt. Der Mann hat die Suchtmittel (darunter auch eine geringe Menge Kokain) an zumindest zehn Abnehmer verkauft und zeigt sich teils geständig.

Veränderung durch Züchtung

„Die häufigste Droge im Krankenhaus ist Alkohol“, weiß Martin Aigner, Leiter der Erwachsenenpsychiatrie am Universitätsklinikum Tulln. Cannabis spielt auch eine wichtige Rolle, häufig in Zusammenhang mit psychotischen Symptomen: Die Hanfpflanzen wurden gegenüber den 60er Jahren durch Züchtung stark verändert: „Jetzt enthält die Pflanze hauptsächlich Tetrahydrocannabinol (THC), das Cannabidiol (CBD), das antipsychotisch wirkt, ist fast verschwunden“.

Selbstwertgefühl steigern

Damit haben sich psychotischen Symptome in Zusammenhang mit Cannabis verstärkt. Aigner betont, dass es wichtig ist, sich „frühzeitig einer Therapie zu stellen“, im Universitätsklinikum Tulln werden sowohl bezüglich Alkohol als auch bei Opiaten körperliche Entzüge durchgeführt.
Eine Weiterbehandlung im Sinne einer Entwöhnungsbehandlung in einer entsprechenden Spezialeinrichtung und einer Rückfallsprophylaxe wird von Aigner unbedingt empfohlen. Bei der Suchtberatung in Tulln wird betont, dass es auch für die Angehörigen wichtig ist, eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Lebens- und Sozialberater Werner Krulla aus Erpersdorf pocht auf das Selbstwertgefühl: "Das ist ein wesentlicher Punkt, zweiter ist das Körperbewusstsein".
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