02.11.2016, 08:00 Uhr

Äußere Liechtensteinstraße: Geht dem Grätzel bald die Luft aus?

In letzter Zeit ist viel Kaufkraft durch Absiedelungen verloren gegangen, erklärt Benno David, stv. Einkaufsstraßenobmann

In der ehemaligen Prachtstraße gibt es immer mehr leere Auslagen und fehlende Kaufkraft.

ALSERGRUND. Die Ursachenforschung wird von den Kaufleuten in der äußeren Liechtensteinstraße sehr ernst genommen. "Alleine durch die Schließung des Finanzamtes und der Versicherung sowie die Absiedlung der Wirtschaftsuni sind den Geschäften in der äußeren Liechtensteinstraße zahlreiche Kunden verloren gegangen. Und 2017 wird auch noch das Kolpinghaus abgerissen", so Benno David, stellvertretender Einkaufsstraßenobmann.

Er hält sich mit seinem "Aquarium Wien" seit 41 Jahren im Grätzel, anfangs mit sieben, heute mit einer Angestellten. "Das spricht schon Bände und betrifft alle, die hier ein Geschäft haben." Weitere Gründe für die ständigen Geschäftsschließungen seien die mangelhafte Infrastruktur und das wenig ansprechende Straßenbild. "Das war einmal eine feine Gegend. Leere Auslagen und verschmutzte Geschäftsportale sind für neue Geschäftsansiedlungen wenig einladend." Außerdem seien die Mietpreise überteuert. "Dabei muss jedem Hausbesitzer klar sein, dass sich eine hässliche, ungenutzte Geschäftsfassade auch abschreckend auf neue Wohnungsmieter im Haus auswirkt."

Nur eine Lösung

"Der Bezirk ist gegen die Leerstände leider machtlos. Die einzige Lösung ist eine politische: Man müsste endlich eine Leerstandsabgabe beschließen", so SP-Bezirkschefin Martina Malyar. Trotzdem: Jede Hausrenovierung – davon gibt es derzeit einige – und jedes neue Geschäft mit einer charmanten oder besonderen Geschäftsidee sei ein Schritt zu einer höheren Attraktivität der äußeren Liechtensteinstraße und Anreiz für andere Unternehmer, sich hier anzusiedeln. Beispiele dafür sind das neue Windeltorten- und Schnullerketten-Geschäft, der "Backhund" mit seinen ausgefallenen Hundeleckerlis, der Hemdenpflegespezialist Hatvany oder der "Hofladen" als letzter Nahversorger, der allerdings nur Mittwoch bis Samstag geöffnet hat, um nur einige zu nennen.

Ein großes Glück für die Straße sei auch die neue Städtische Bücherei am Eck zur Alserbachstraße. Trotzdem: Die alteingesessenen Geschäfte werden immer weniger. Noch halten sich das Eisenwarengeschäft Schnabel und gleich daneben seit 35 Jahren Friedrich Koci mit seiner "Antik-Galerie" und den schönsten Seidenblumen von Wien. "Wir brauchen hier wirklich jeden Kunden. Es wird immer schwieriger", so Koci, der sich seit Jahren einen Weihnachtsbaum auf dem kleinen Platz nebenan wünscht, weil das schön aussehe, Tradition habe und gut für das Geschäft sei. "Ja, heuer stellen wir hier am Vorplatz einen Weihnachtsbaum auf", sagt Malyar.

Verein boomt

"Wir sind ja kein normaler Einkaufsstraßenverein, sondern die Spezialisten am Alsergrund. Bei unseren rund 50 Mitgliedern sind natürlich die meisten abseits der äußeren Liechtensteinstraße zu finden, ergänzen sich aber und tauschen sich intern aus. Wir werden ständig mehr", so David.

Einkaufsstraßenfeste oder eine Weihnachtsbeleuchtung würden keinen Sinn machen, aber man werbe gemeinsam auf den Verkehrsmitteln, verteile Folder und veranstalte kleinere Feste. "Eine Belebung der äußeren Liechtensteinstraße ist in absehbarer Zeit nicht zu erreichen. Das braucht noch Jahre", ist er überzeugt.
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