Gedenkspaziergang Brigittenau
Jüdischem Leben auf der Spur

Gedenkspaziergang: Historikerin Shoshana Duizend-Jensen (3.v.l). begab sich mit Interessierten auf die Spuren der jüdischen Geschichte der Brigittenau.
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  • hochgeladen von Oscar Richter

Ein Rundgang stummer Zeugen: Auf die Spuren jüdischen Lebens begab sich ein Spaziergang der besonderen Art in der Brigittenau.

BRIGITTENAU. „Es gab eine blühende jüdische Kultur in der Brigittenau mit ganzen 540 jüdischen Vereinen, aber alle wurden von den Nationalsozialisten aufgelöst, verboten und ihr Vermögen konfisziert“, erzählt Historikerin Shoshana Duizend-Jensen. Gemeinsam mit Kulturwissenschaftlerin Birgit Johler organisierte sie einen Spaziergang der besonderen Art. Mit rund 50 Teilnehmern, darunter Autorin Anna Goldenberg und Historiker Wolfgang Schellenbacher, ging es durch historische Viertel in Gedenken an das vertriebene jüdische Leben.

Shoshana Duizend-Jensen musste lange nach den Spuren der jüdischen Geschichte in der Brigittenau suchen. „Diese finden wir heute nur mehr in Vereinsakten, historischen Bauplänen und auf alten Fotos“, erklärt Shoshana Duizend-Jensen. Über die Geschichte der jüdischen Brigittenau ist im Vergleich zu der der benachbarten Leopoldstadt verhältnismäßig wenig bekannt.

Große Armut der jüdischen Bevölkerung

„In der Brigittenau lebte vor allem die ärmere Schicht, viele jüdische Flüchtlinge aus Galizien, die aus dem historischen Gebiet in der Westukraine und in Südpolen vertrieben wurden und völlig mittellos waren.“ Am Gaußplatz 6 befand sich eine Ausspeisung der Israelitischen Kultusgemeinde, um die Not der Menschen zu lindern. „Zunächst wurden rund 6.500 Leute verköstigt, 1939 waren es schon 15.000. Das Elend war groß, man lebte in Sammelwohnungen sowie Kellerlokalen und die Ausspeisungen waren wichtig, denn es wurde koscher gekocht.“

Ein paar Schritte weiter, in der Wasnergasse 33, lag einst ein jüdisches Altersheim, in der Kaschlgasse 4 eine Synagoge, in der Othmargasse 46 war eine hebräische Schule untergebracht. Bekannter jedoch ist die Adresse Staudingergasse 6: Wo sich heute die „Mittelschule Staudingergasse“ befindet, gab es ab 1919 eine jüdische Privatschule. „Sie diente vor allem jenen Kindern, die galizischer Abstammung waren. Sie galten als Ausländer." Hier bekamen sie Bildung, und zwar schon sehr fortschrittlich: Buben und Mädchen wurden gemeinsam unter anderem in Hebräisch unterrichtet, getreu der Idee des Zionismus, einen eigenen jüdischen Staat zu gründen. "Doch 1939 wurde die Schule von den Nazis geschlossen.“

Nicht vergessen Heute zollen Gedenksteine der Massenvertreibung und -vernichtung jüdischer Bewohner an Türeingängen und Toren Respekt. Etwa in der Staudingergasse 14, wo sich einst eine jüdische Bibelschule und ein privates Bethaus befanden. Ein Schild macht auf das Schicksal der Menschen aufmerksam: In Gedenken an 49 Frauen und sechs Kinder, die von Nazis vertrieben und in Konzentrationslagern ums Leben kamen. „Das Unrecht einstiger Tage können wir nicht mehr rückgängig machen", sagt Duizend-Jensen, "aber wir können eines tun: nicht vergessen!“

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