Pensionisten und Flüchtlinge: Fremde werden in der Brigittenau Freunde

Laura Plochberger von der Uni Wien und der Verein Ceurabics suchen Senioren als Freunde für zugezogene Menschen.
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BRIGITTENAU. „Setz di her, dann samma mehr“ steht auf den Plakaten der Initiative „Auf dem Diwan“. Damit will man Pensionistinnen und Pensionisten ansprechen. Denn sie, die Seniorinnen und Senioren Wiens, sind zur Zeit in der Brigittenau besonders gefragt: als Buddies, also Freunde, von Menschen aus dem arabischen Raum.

Der Verein Ceurabics hat sich in Kooperation mit der Universität Wien etwas ganz Besonderes für pensionierte Wiener und „Neuankömmlinge“ überlegt. Ein Projekt, von dem beide Gruppen profitieren können. „Wir suchen zur Zeit Pensionistinnen und Pensionisten, die offen für Neues sind und sich jemanden wünschen, um sich gegenseitig im Alltag zu unterstützen. Einen Ansprechpartner oder vielleicht jemanden, der beim Einkaufen hilft und dem man im Gegenzug Deutsch beibringen kann“, so Laura Plochberger von der Uni Wien.

Wer also Abwechslung für die Freizeit sucht und neugierig ist, kann sich als Buddy beim Verein Ceurabics anmelden. Ob dann Wien gemeinsam mit Menschen aus dem Nahen Osten erkundet wird, die Kaffeehauskultur, die Wien und auch den arabischen Raum verbindet, gelebt wird oder sogar gemeinsam Karten gespielt und Tatort geschaut wird, bleibt den Freunden überlassen.

Doch bevor es soweit ist, bietet der Verein Ceurabics Informationsabende und Begleitung für alle Interessierten, damit auch alle Bedenken und potenzielle Ängste ausgeräumt werden können.

Buddy – was ist das?

Ab Anfang Dezember soll es voraussichtlich in den Räumen des Pensionistenclub 20 in der Karl-Meißel Straße 11 los gehen. Da steht Weihnachten vor der Tür. Eine erste gelegenheit um mit zehn ausgewählten „Fremden“ und zehn Seniorinnen aus der Brigittenau Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Integration und Kennenlernen auf Österreichisch sozusagen. Dann sollen Pensionistinnen und Pensionisten zu Integrationsbotschaftern werden und jenen Menschen aus dem nahen Osten, die mittlerweile in Österreich leben, Einblick in christliche Traditionen geben. Die erste gemeinsame Phase, geplant ist ein halbes Jahr, in dem der Verein Ceurabics die Pensionisten und Neuankömmlinge begleitet, wird bis zum Ramadan dauern. Bevor dann also gemeinsam das muslimische Fastenbrechen mit einem großen Fest begangen wird, haben sich vielleicht schon echte Freunde gefunden. Und möglicherweise, so Laura Plochberger, hört man dann auch da und dort ein „Ich kenne da jemanden aus dem Irak. Das ist gar nicht so wie alle sagen mit den Ausländern.“

Gemeinsamkeit Familie

Ein besonderes Potenzial könnte beim Thema Familie entstehen. Denn für die meisten Menschen aus dem arabischen Raum ist die Familie wichtig und alte Menschen spielen in der Gesellschaft eine größere Rolle als das oft bei uns der fall ist. Da und dort merke man auch, so Plochberger, dass es von den Menschen anders erlebt wird, wenn sie in Österreich feststellen, dass Senioren in Pensionistenheimen wohnen. Viele verstehen das nicht. Aber auch das Thema Flucht ist eines, das möglicherweise Gemeinsamkeiten bietet.
„Jedenfalls aber ist es ein Projekt, das auf Augenhöhe stattfinden soll. Und es unterscheidet sich maßgeblich von anderen Initiativen, denn es wird ganz offensiv Kontaktmöglichkeiten für Senioren geschaffen“, freut sich Plochberger.

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