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Peter Turrini erhielt Vinzenz Rizzi-Preis

25.11. 2014, Velden, Verleihung Vinzenz Rizzi Preis an Peter Turrini. Im Bild: LH Dr. Peter Kaiser, Ana Blatnik, Peter Turrini und Mag.a Christine Muttonen
  • 25.11. 2014, Velden, Verleihung Vinzenz Rizzi Preis an Peter Turrini. Im Bild: LH Dr. Peter Kaiser, Ana Blatnik, Peter Turrini und Mag.a Christine Muttonen
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LH Kaiser: Preis ist eine Bestätigung für das, was der große österreichische Literat getan, was er geschrieben hat und wofür er eingetreten ist

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Der Zentralverband slowenischer Organisationen in Kärnten und der Slowenische Kulturverband in Klagenfurt verliehen gestern, Montag, im Casineum Velden den Vinzenz Rizzi-Preis an Peter Turrini. Der Preis wird für zukunftsweisende Initiativen auf dem Gebiet der interkulturellen Verständigung vergeben. Peter Turrini erhielt den Preis für seinen unermüdlichen Einsatz für die Akzeptanz der slowenischen Sprache und Kultur. Überreicht wurde der Preis von Marjan Sturm, Obmann des Zentralverbandes slowenischer Organisationen und August Brumnik, Vorsitzender des Slowenischen Kulturverbandes sowie von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates und stellvertretende Obfrau des Zentralverbandes slowenischer Organisationen in Kärnten.

„Peter Turrini hat mich und meinen Heimatbegriff entscheidend geprägt“, sagte Landeshauptmann Peter Kaiser und zitierte aus einem Interview in der Arbeiterzeitung vom 25. Oktober 1985, das Peter Pelinka mit Peter Turrini geführt hat: „Die Heimat, die mich in Wirklichkeit umgab, war so ganz anders als die in meinem Lesebuch. Der reale Verlust von Heimat führt zur Ideologie von der Heimat. Es geschah, was heute noch immer, schon wieder, in größerem Rahmen geschieht. Am Sonntag stehen die Blas- und Trachtenkapellen auf der Wiese neben dem überfüllten Parkplatz und beschwören singend und blasend eine Heimat, die es nicht mehr gibt.“ Peter Turrini habe den Heimatbegriff auf den Kopf gestellt und habe Gefühle entgegengesetzt, die von der breiten Masse so nicht geteilt worden seien. Er habe eine Auseinandersetzung mit Heimat bewirkt. „Peter Turrini hat diesen Preis und viele andere Preise verdient, er ist eine Bestätigung für das, was er getan, was er geschrieben hat und wofür er eingetreten ist“, so der Landeshauptmann, der außerdem von einem Telefonat zum 70. Geburtstag von Peter Turrini berichtete, in dem er einen „Korb bezüglich Kärntner Ehrenzeichenverleihung“ bekommen habe. „Diesen Korb möchte ich heute Peter Turrini zurückgeben, er bekommt als Geschenk eine wohlschmeckende Jauntaler Salami und eine slowenische Salamischneidemaschine.“

Blatnik bezeichnete Peter Turrini als hervorragende Persönlichkeit der österreichischen Literatur und als außergewöhnlich sensiblen Menschen. „Peter Turrini ist in einem Kärntner Dorf als Außenseiter aufgewachsen und hat daraus in einem anderen Teil Österreichs seinen Beruf gemacht.“ Turrini sei immer für die Rechte der Kärntner Slowenen eingetreten. „Er ist ein Verbündeter, Wegbegleiter und solidarischer Mitstreiter“, so Blatnik. Der große Literat habe viel dazu beigetragen, dass die Menschen offener geworden sind und habe wichtige Zeichen gegen Intoleranz und Dummheit gesetzt. „Der Vinzenz Rizzi-Preis ist eine logische Konsequenz und ich gratuliere sehr herzlich dazu“, sagte die Bundesratspräsidentin.

Als Kärntner Slowenin, Schriftstellerkollegin und persönliche Freundin hielt die Vinzenz Rizzi-Preisträgerin des Vorjahres, Maja Haderlap, die Laudatio. „Peter Turrini ist eine der wirkungsmächtigsten Persönlichkeiten der österreichischen Literatur, er hat sich in politische und kulturpolitische Diskussion eingemischt, ja sogar vielfach hervorgerufen.“ Turrini habe seine Arbeit in den Dienst der Menschen gestellt und sich vehement für die Belange der Kärntner Slowenen eingesetzt. „Er handelte und handelte sich mit seinem Handeln Schwierigkeiten ein“, so Haderlap.

„Ich danke von ganzem Herzen und gestehe, dass mich so viel Zuwendung ein wenig verlegen macht“, sagte Turrini in seiner Dankesrede. Er habe schon als Kind nicht verstanden, dass er wegen seines italienischen Vaters, welcher der deutschen Sprache nicht so mächtig gewesen sei, vom Spielplatz ausgeschlossen worden sei. Die Entdeckung der slowenischen Sprache im Alter von 14 Jahren sei eine beglückende Tatsache gewesen, für andere aber mehr Bedrohung und Gegnerschaft. „Dieser Reichtum ist ein großes Geschenk, aber es ist die österreichische Tragödie, dass der Pinscher sein Glück nicht wahrhaben will, sondern sich zwischendurch immer wieder als deutscher Schäferhund ausgeben muss“, sagte Turrini. Die slowenische Literatur habe zu Beginn der 50er Jahre niemand wollen, sie habe aber mittlerweile einen Siegeszug angetreten. „Das neue Buch von Maja Haderlap ist Weltliteratur, seien Sie stolz darauf.“ Peter Turrini betonte, dass er sich in diesem Land viele Freunde unter den Kärntner Slowenen erworben habe und sich immer auf ein Wiedersehen in Kärnten freue. „Danke für die Freundschaft und den Preis.“

Unter den zahlreichen Gästen waren unter anderem Landesrat Rolf Holub, Nationalratsabgeordnete Christine Muttonen, Spitzendiplomat Valentin Inzko, der für die Slowenen im Ausland zuständige, Minister Gorazd Žmavc und die Generalkonsulin der Republik Slowenien in Klagenfurt, Dragica Urtelj. Für die musikalische Umrahmung sorgten Wolfgang Puschnig und die Musikgruppe „Praprotnice“.

Vinzenz Rizzi (* 22. Januar 1816 in Spittal an der Drau; † 25. Februar 1856 in Klagenfurt) war ein katholischer Priester und als deutschnationaler Publizist ein literarischer Verfechter des Gedankengutes des Vormärzes und ein Wegbereiter liberaler Ideen, der sich für die Gleichberechtigung der Völker und ganz besonders für die Gleichberechtigung von Slowenen und Deutschen einsetzte.

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