Hypo: „Wir sind noch nicht über den Berg!“

Der Vorstandsvorsitzende der Hypo Alpe Adria, Gottwald Kranebitter (links), im Interview mit Uwe Sommersguter
  • Der Vorstandsvorsitzende der Hypo Alpe Adria, Gottwald Kranebitter (links), im Interview mit Uwe Sommersguter
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WOCHE: Diese Woche begann der nächste Hypo-Prozess – welche Erwartungen haben Sie an das Gericht?
KRANEBITTER: Die Bank hat sich verpflichtet, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Das tun wir mit einem großen Einsatz an Zeit und Geld seit der Notverstaatlichung. Wer A wie Aufklärung sagt, muss auch B wie Budget sagen. Wofür wir nicht sorgen können, ist U wie Urteil.

Es dreht sich doch letztlich um die Frage, wo riskante Geschäfte aufhören und wo Kriminalität beginnt?
Wir haben klar festgelegt, was wir uns anschauen, tausend Geschäftsfälle werden untersucht. Es gilt: Nicht hinter jedem Verlustfall steht ein krimineller Akt. Aber dort, wo es Indizien gibt, müssen wir aufklären. Nichts darf unter den Tisch gekehrt werden.

Was wurde aus dem Kriminalfall, der vor zwei Jahren einem Pulverfass glich?
Die Hypo ist sicher eine der komplexesten Wirtschaftscausen, ob sie auch einer der größten Kriminalfälle ist, werden die Gerichte entscheiden. Fest steht, dass die Aufarbeitung von auffälligen Vorgängen in der Vergangenheit sehr lange verschleppt wurde. Wären die Alteigentümer, dem was sie gesehen haben, engagierter nachgegangen, wären wir heute alle schon einen großen Schritt weiter. Das hätte der Bank, den Mitarbeitern, den Kunden und nicht zuletzt dem Steuerzahler gut getan.

Was wird nun aus der CSI Hypo, die jeden Beleg umdrehen und zumindest ein Jahrzehnt arbeiten sollte?
Wir haben etwa 50 Prozent der Fälle untersucht und abgeschlossen, an weiteren 40 Prozent arbeiten wir intensiv. Das Jahrzehnt hat sich nie auf die Arbeit der Bank im Rahmen der CSI bezogen, die Ressourcen der Bank werden ja auch dringend für die Sanierung und Reprivatisierung benötigt. Was jedoch stimmt, die Arbeit der Gerichte wird sicher viele Jahre in Anspruch nehmen.

Das Ende für die CSI als Sondereinheit steht bevor?
Es besteht Einverständnis, dass wir in einer nächsten Phase der Arbeit sind, wir haben viel Know-how gesammelt, die großen Fälle liegen am Tisch, Klagen sind eingebracht, jetzt wollen wir das in einen angemessenen Normalzustand überführen und weitgehend selbst in der Bank abarbeiten.

Ist die Bank saniert?
Das positive Jahresergebnis ist ein Zwischenschritt. Wir sind aus dem Nebel, aber noch nicht über den Berg. Die Strukturen sind aufgebaut, die Richtung vorgegeben. Wir werden uns 2012 sehr, sehr anstrengen, um die nachhaltige Lebensfähigkeit der Bank zu beweisen.

Sie sagen, die Bank ist noch nicht übern Berg – was könnte denn im schlimmsten Fall noch drohen?
Die große Herausforderung ist, die Banken in Südosteuropa 2012 ausnahmslos in die Gewinnzone zu führen – 2012 ist das Jahr der Beweisführung. Und wir müssen den Altlastenteil unserer Problemkredite weiter abbauen. In dem konjunkturell schwierigen Umfeld gibt es natürlich Gegenwind.

Gibt es noch Leichen im Hypo-Keller?
Wir funktionieren heute wie eine normale Bank. Wir kennen unser Keller-Fundament genau, die Altlasten sind identifiziert.

Wird sich noch heuer ein Käufer für die Hypo-Österreich finden?
Wichtig ist, dass die Hausaufgaben gemacht wurden und man mit einem positiven Ergebnis aufzeigen konnte. Klar ist aber, keinen Verkauf zu jedem Preis zu wollen, keinen Abverkauf.

Als Sie vor genau zwei Jahren am 1. April 2010 angetreten sind, meinten Sie, es sei einer der schwierigsten Jobs Österreichs – Masochist müsse man aber keiner sein.
An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Ich meinte damals, wir brauchen harte Arbeit, Glück und Rückenwind – auf den Rückenwind warten wir noch.

Autor: Uwe Sommersguter

Autor:

Vanessa Pichler aus Klagenfurt

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