03.11.2017, 10:20 Uhr

Wenn ein Geheimnis zu übermächtig wird

Corinna Fischer-Seebacher, Arnold Mettnitzer und Margarethe Zaucher (v.li.) (Foto: Friessnegg)

Der Kulturverein Feldkirchen lädt auch heuer zur traditioneller Herbst-Lesung ein. Zu Gast: Arnold Mettnitzer.

FELDKIRCHEN (fri). Traditionell wird jedes Jahr im Herbst ein Abend vom Kulturverein Feldkirchen mit einem besonderen Gast gestaltet. Heuer konnte die Obfrau Marietta Weißnar den österreichischer Theologen, Seelsorger und Psychotherapeuten Arnold Mettnitzer dafür gewinnen. "Ich freue mich, dass der gebürtige Kärntner zugesagt hat und die Feldkirchner damit in den Genuss eines interessanten und informativen Abends kommen", so Weißnar, die das Thema des Abends spannend findet. "Geheimnisse", so meint sie, "hat wahrscheindlich jeder. Aber kaum jemand ist sich ihrer Macht bewusst."

Gedanken sind Mächte

Für den Psychotherapeuten Arnold Mettnitzer geht es in all seinem Tun immer darum dem Menschen als Mensch zu begegnen und ihn als Individuum zu betrachten. "Ich habe Fallbeispiele, die einzelne Menschen betreffen und ziehe keine allgemeinen Schlüsse daraus", sagt Mettnitzer. "Für mich ist das das große Einmaleins des menschlichen Miteinanders."
Geheimnisse würden den Menschen sein Leben lang begleiten und Teil seiner Persönlichkeit sein. "Aber wie bei allem macht auch hier die Dosis das Gift", ist der Psychotherapeut überzeugt. "Wenn ein Geheimnis übermächtig wird und sich seinen Weg nach außen sucht, jeder davon weiß und es dennoch unausgesprochen bleibt, dann verändert sich unweigerlich das Verhalten der Betroffenen. "Schon als Kinder hören wir oft: „Dafür bist du noch zu klein“, „das erfährst du noch früh genug“."

"Beste Absichten"


Am Ursprung von Geheimnissen, die das Leben einer Familie oft über Generationen belasten, stehen meist die „besten Absichten“. Das Kind soll vor etwas geschützt werden, das seinen Eltern schmerzlich, beschämend, unsagbar zu sein scheint. Gerade dadurch aber wird das Kind von dem Geheimnis, das es unbewusst ahnt, tiefgreifend geprägt. Scham, Angst und Schuldgefühle, die hinter diesen Geheimnissen stehen, bewirken, dass die Geheimnisse „durchsickern“, obwohl niemand darüber spricht. Das aber belastet die „Opfer“ oft mehr als das Geheimnis selbst. Alles, was wir erleben, gräbt sich in die Seele ein. Auch was wir nicht wissen und nur erahnen, hat nachhaltige Auswirkungen und prägt unseren Alltag nachhaltig.

"Jeden Tag neu beginnen"

Der Vortrag versucht dieses innere Gesetz des Menschen zu beleuchten. Dabei sollen die Zuhörerinnen und Zuhörern ermutigt werden, den unverwechselbaren Wahrheiten des eigenen Lebens mit unerschrockener Klugheit des eigenen Herzens zu begegnen. "Natürlich stellt sich niemand gerne bloß, dabei bräuchte man sich bloß hinzustellen", lächelt Mettnitzer. Sein Rat: "Ähnliches gilt auch für Beziehungen. Sie sind jeden Tag neu zu beginnen."

"Geheimnisse, über die man sicht spricht": Vortrag von Psychotherapeut Arnold Mettnitzer, 10. November, Amthof Feldkirchen

Zur Person

Arnold Mettnitzer: Geboren 1952 in Gmünd
Studium der Theologie in Wien und Rom
1979 - 2001 Seelsorger in der Diözese Gurk-Klagenfurt
1991 - 1996 Lehranalyse bei Erwin Ringel und Ausbildung zum Psychotherapeuten (Individualpsychologie) in Wien
Seit 1996 Psychotherapeut in freier Praxis in Wien.
Als freier Mitarbeiter des ORF seit 14 Jahren Mitgestaltung der Sendung „Was ich glaube“ und seit 2014 Mitgestaltung der 14-tägigen Radio-Sendereihe „Lebenswege. Über Gott und die Welt mit Arnold Mettnitzer“ in Radio Kärnten.
2013 Verleihung des Berufstitels „Professor“ für Beiträge in Rundfunk und Fernsehen und seine Vortrags- und Seminartätigkeit im Rahmen der Erwachsenenbildung.
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