Serie "100 Jahre Republik"
Schicksalstage im Bezirk Gmünd

Johann Hofbauer, Landtagsabgeordneter außer Dienst mit Teilen des Eisernen Vorhangs vor dem Grenzübergang in Gmünd.
  • Johann Hofbauer, Landtagsabgeordneter außer Dienst mit Teilen des Eisernen Vorhangs vor dem Grenzübergang in Gmünd.
  • hochgeladen von Bettina Talkner

Diese Ereignisse haben den Bezirk Gmünd geprägt.

BEZIRK GMÜND. 100 Jahre ist es her, dass die Republik Österreich ausgerufen wurde. Die Bezirksblätter haben sich angesehen, was den Bezirk Gmünd über diese Jahre hinweg besonders geprägt hat.
Im Jahr 1920 verlor der Bezirk mit dem Friedensvertrag von Saint-Germain 13 seiner Gemeinden an die damalige Tschechoslowakei. "Das war ein Moment, der den Bezirk drastisch verkleinert hat, aber 1920 war das gar nicht so dramatisch, weil die Leute weiterhin Deutsch gesprochen haben", so Johann Hofbauer aus Thaures, Obmann der EUREGIO. Während des Zweiten Weltkrieges kam das abgetretene Gebiet noch einmal nach Österreich zurück. Ein Schicksalstag sondergleichen war schließlich der 23. März 1945. Der amerikanische Bombenangriff auf Gmünd, bei dem 5.500 Bomben fielen, richtete schwere Verwüstungen an und forderte 336 Menschenleben. Zwei Monate später wurden die Staatsgrenzen nach dem Friedensvertrag von St. Germain wieder hergestellt. "Dramatisch wurde es erst 1945", fährt Hofbauer fort, "als die deutschsprachige Bevölkerung aus der Grenzregion vertrieben wurde." Innerhalb weniger Stunden mussten die Menschen Haus und Hof verlassen. "Das war ein schweres Schicksal für die Betroffenen, und für den Bezirk Gmünd war es eine große Herausforderung, die Leute aufzunehmen."

Ein Gefühl purer Freiheit

Abgerissen wurde der 1945 errichtete Stacheldrahtzaun erst im Dezember 1989. "Am ersten Samstag nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war der Stadtplatz in Gmünd voll mit tschechischen Leuten. Ich kann mich erinnern, ein Passant fragte mich in gebrochenem Deutsch drei Mal ‚Bin ich wirklich in Österreich?‘. Das war unfassbar für sie", erinnert sich der frühere Landtagsabgeordnete Johann Hofbauer, der als junger Mann wenig später auch selbst mit Freunden nach České Velenice spazierte. "Es war unglaublich, dass man plötzlich ohne Visum dort hinübergehen konnte, von wo man über Jahrzehnte nur Schüsse gehört hatte."

Vorbildliche Zusammenarbeit

Die heutige Tschechische Republik entstand am 1. Januar 1993 mit der friedlichen Teilung der Tschechoslowakei. 1994 wurde der Freiheit und Zusammenarbeit mit dem ersten grenzüberschreitenden Wirtschaftspark Europas, dem "ACCESS Industrial Park", Rechnung getragen.

Jahrhunderthochwasser

Beim Gedanken an den August 2002 läuft vielen Menschen nach wie vor ein kalter Schauer über den Rücken. Über den Bezirk Gmünd brach eine Flut herein, die in der schlimmsten Hochwasser-Katastrophe seit Beginn der Aufzeichnungen vor 150 Jahren endete. Hunderte Familien standen innerhalb weniger Tage vor dem Nichts. Die Wassermassen rissen alles mit, was sich ihnen in die Quere stellte. Der entstandene Schaden wurde mit 26,9 Millionen Euro beziffert. Doch so schlimm diese Tage waren, die Bevölkerung wurde dadurch vor allem eines: zusammengeschweißt.

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