Little People: Leben auf halber Höhe

Ihrer besten Freundin Marlene kann Miriam auf gleicher Höhe in die Augen schauen.
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  • Ihrer besten Freundin Marlene kann Miriam auf gleicher Höhe in die Augen schauen.
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PEUERBACH (bic). Miriam Gfellner ist 129 cm groß. "Für eine Kleinwüchsige ist das aber eine stattliche Höhe!" schmunzelt sie. Was ihr an Körpergröße fehlt, macht sie mit Lebenslust und Humor wett. Ihr sonniges Wesen bescherte ihr während der Volks- und Hauptschulzeit immer gute Freundinnen, die ihr zur Seite standen. Nur als sie die HLW für Kommunikation und Mediendesign in Linz besuchte, musste sie zu Beginn einiges einstecken. "Ich wurde zwar nicht gemobbt, aber einfach ignoriert." Ihre Schulkolleginnen redeten anfangs nicht mit ihr und taten, als wäre sie nicht da. Und in der Öffentlichkeit war es manchen peinlich, mit ihr gesehen zu werden. "Doch nachdem die Mitschülerinnen mich als Person näher kennen gelernt haben, besserte sich die Situation, neue Freundschaften entstanden und der Schulalltag wurde gemeinsam gemeistert."

Klein, aber ...

Nun absolviert sie ein Studium an der Werbeakademie Wien mit dem Ziel, Werbetexterin zu werden. Sprüche wie "Klein, aber oho!" kann sie nicht mehr hören. "Ich finde sowieso, dass man Vieles auf Englisch viel treffender ausdrücken kann!" Diese Sprache spricht die 21-Jährige fließend, nicht zuletzt, weil sie nach der Matura als Aupairmädchen nach Irland ging. Dort wurde sie herzlich empfangen und bald zu einem Treffen der LPI, der "Little People of Ireland", eingeladen, wo sie viele Gleichgesinnte traf und Freundschaften fürs Leben schloss. "In Irland habe ich durch einen kleinwüchsigen Freund erfahren, wie einfach das Leben in einer Wohnung ist, die speziell für Kleinwüchsige eingerichtet ist." Der genormte Mensch findet es selbstverständlich, dass er an alle Regale herankommt oder in der Dusche keine Luftsprünge machen muss, um an den Brausekopf zu gelangen. Um ihr Leben zu meistern, entwickelte Miriam unkonventionelle Techniken. "Not macht eben erfinderisch!"

Dwarfism Awareness Month

Im Oktober gibt es - besonders in Amerika - viele Kampagnen, um in der Öffentlichkeit mehr Bewusstsein über Kleinwüchsigkeit zu schaffen und so den "little people" die Jobsuche oder den Alltag zu erleichtern. Viele Kleinwüchsige leiden an gesundheitlichen Problemen. Bandscheibenvorfälle oder Hüftprobleme kommen häufig vor. Schlimmer ist aber die soziale Diskriminierung. Auch Miriam erlebt immer wieder, dass neben ihr ein kleines Kind die Eltern fragt, warum sie denn so klein geraten wäre. "Dann verletzt es mich, wenn das Kind die Antwort bekommt, ich wäre eine Liliputanerin. Denn das ist ein erfundenes Volk, das in Gullivers Reisen vorkommt!"

Tägliche Herausforderungen

Der Alltag ist voller Herausforderungen. "Bei Unterhaltungen, besonders rund um einen Stehtisch, werde ich oft übersehen oder sehe nur Hinterteile um mich herum." Daher findet sie es schön, in Marlene eine gute Freundin gefunden zu haben. Weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben, verstehen sie einander oft ohne Worte. "Wir sind zwar klein, aber trotzdem ganz normale Frauen wie alle anderen auch!" Oder auf Englisch: "We are just small - that's all!"

Ihrer besten Freundin Marlene kann Miriam auf gleicher Höhe in die Augen schauen.
Miriam fährt ein normales Auto mit verlängerten Pedalen und erhöhtem Trittbrett.

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