Die Kaisersäule feiert Geburtstag

Das Gemälde von Carl Friedrich Hampe zeigt Fürst Lobkowitz im illustren Kreise der Honoratioren aus der Haller Saline. Thaurer werden wohl auch ein paar dabei gewesen sein.
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  • Das Gemälde von Carl Friedrich Hampe zeigt Fürst Lobkowitz im illustren Kreise der Honoratioren aus der Haller Saline. Thaurer werden wohl auch ein paar dabei gewesen sein.
  • Foto: Chronos
  • hochgeladen von Stefan Fügenschuh

Anlässlich des 200-Jahres-Jubiläums der Kaisersäule in Thaur hat sich Joe Bertsch, Obmann des Vereins Chronos mit der Geschichte des ungewöhnlichen Bauwerkes befasst.
Fast jeder kennt und liebt den Kaiserschmarrn. Andere wiederum stehen voll auf Kaiserbier. Und in manchem Wiener Beisl ertönt nicht selten auch der Kaisermühlen Blues. Doch nur wir in Thaur haben eine Pyramide, die wir zur Ehre eines Habsburgers Kaisersäule tauften.
Etwas eigenartig ist sie schon diese seltsame Namensgebung. Nun, in der zweiklassigen Thaurer Volksschule hat man damals das Fach Darstellende Geometrie wohl nur am Rande gestreift. Lag’s also an den schulischen Schwächen der Erbauer? Nein, ihnen kann man’s nicht in die Schuhe schieben, denn in den Anfangszeiten hieß dieses gemauerte Wahrzeichen korrekterweise noch Franzens-Pyramide. Erst viel später hat sich diese sonderbare Benennung eingeschlichen. Allerdings, wann genau und warum aus dieser Steinpyramide eine Kaisersäule wurde lässt sich angesichts der dürftigen Aktenlage heute nicht mehr ermitteln.
Doch um solche Kleinigkeiten soll es hier nicht gehen. Wir wollen uns vielmehr ihrer Entstehungsgeschichte widmen und natürlich auch der Tatsache, dass diese Säule – wir bleiben jetzt einfach dabei – heuer einen runden Geburtstag feiert.

Der Kaiser kommt nach Thaur

Seit stolzen 200 Jahren thront dieses Wahrzeichen auf dem markanten Aussichtspunkt hoch über unserem Dorf. Die Zeiten waren damals – im Jahre 1815 - nicht die besten. Die napoleonischen Kriege waren gerade vorbei und der kleingewachsene Korse endgültig auf St. Helena im Südatlantik entsorgt. Doch in den Jahren davor hatten die widerspenstigen Tiroler heftig gegen Bayern und Franzosen gekämpft. Im Hin und Her der Gefechte wurde zerstört und gebrandschatzt und das Land in bittere Not gestürzt.
Doch die Sparkasse des Landes war noch längst nicht versiegt. Das weiße Gold aus der Haller Saline wurde jetzt wichtiger denn je und die Solegewinnung im Salzberg lief auf Hochbetrieb. Im Juni 1815 war mit dem Wiener Kongress soeben die Neuordnung Europas abgeschlossen worden und so fand im Oktober dieses Jahres Kaiser Franz I. von Österreich gerade etwas Zeit, um seiner Tiroler „Sparkasse“ einen Besuch abzustatten.
Nach einem großen Empfang in der Stadt Hall und einem Besuch der Saline ging’s am 21. Oktober auch noch hinauf ins Salzbergwerk. Nach gebührender Rast lotste man den Kaiser samt Entourage weiter bergan und hinaus zu einem der schönsten Aussichtspunkte oberhalb von Thaur. Hier bot sich ihm ein prachtvoller Blick hinüber auf die andere Talseite, wo seine heldenhaften Tiroler sich zwischen Volderer Brücke und Berg Isel den bayrischen Truppen entgegen gestellt hatten. Die zahlreichen Brandruinen einstiger Bauernhöfe wird er wohl auch registriert haben. Nun, der Kaiser wird gnädig genickt und sich vielleicht auch daran erinnert haben, das er seine Tiroler im Jahre 1805 im Vertrag von Pressburg schnöde an die Bayern abgetreten hatte. Danach wird er wohl zum Abendmahl in die Herrenhäuser zurückgekehrt sein.

Zuerst wurde es eine hölzerne Pyramide

Es war im Folgejahr, dass eine Gruppe von Bergern beauftragt wurde, zur hohen Ehre des kaiserlichen Besuchs dort oben aus Balken und Brettern eine hölzerne Pyramide zu zimmern. Vermutlich wurde sie schon damals weiß gekalkt und mit einer würdigen Inschrift versehen. Nun, das Holz wird mit der Zeit wohl morsch geworden sein. Doch da wurde plötzlich neuerlich hoher Besuch angekündigt.
Fürst August Longinus von Lobkowitz, Präsident der kaiserlichen Hofkammer für Münz- und Bergwesen, kam 1839 nach Hall, um hier den Grundstein für das nach ihm benannte und noch heute erhaltene Sudhaus zu legen. So wie den Kaiser zog es auch ihn hinauf zum Salzberg und weiter zur Kaiserpyramide. Selbige war gerade fertiggestellt worden – diesmal aus Stein – und wurde nun von Fürst Lobkowitz am 20. September 1939 feierlich eingeweiht.
Fotografen gab‘s damals noch nicht, aber einen Maler aus dem fernen Berlin war mit der hochlöblichen Gesellschaft mitgereist. Und so hat Carl Friedrich Hampe, Schüler der Preußischen Akademie der Künste, diese romantische Szene in einem farbenfrohen Gemälde festgehalten. Das Bild hing früher in der Salinendirektion in Hall, kam dann in die Generaldirektion der Saline nach Bad Ischl und befindet sich seit kurzer Zeit im Besitz der Stadt Hall, zu besichtigen im Fürstenzimmer in der Burg Hasegg.
In späterer Zeit war die Kaisersäule dann immer wieder beliebtes Motiv für Fotografen und findet sich auf einer ganzen Reihe von Ansichtskarten im Archiv von Chronos. Früher war sie offensichtlich weiß gekalkt und wurde immer wieder auch ausgebessert. Weil eine solche Ausbesserung wieder einmal ansteht, wird sich erfreulicherweise im Sommer der Wintersportverein dieser Aufgabe widmen.
Doch bei der oberflächlichen Sanierung soll’s nicht bleiben. Schließlich gilt es heuer ja ein rundes Jubiläum zu feiern und ein sonniger Sonntag bei herbstlicher Stimmung wäre geradezu ideal dafür. Chronos und der Wintersportverein sind übereingekommen den runden Geburtstag der Kaisersäule am 6. September im Rahmen der heurigen Gipfelmesse zu feiern. Beginn der Bergmesse ist um 12:00 Uhr. Eine Bläsergruppe der Musikkapelle Thaur wird begleiten. Für das weitere musikalische Programm auf der Thaurer Alm ist gesorgt!

Das Gemälde von Carl Friedrich Hampe zeigt Fürst Lobkowitz im illustren Kreise der Honoratioren aus der Haller Saline. Thaurer werden wohl auch ein paar dabei gewesen sein.
Die Kaisersäule heute

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