05.12.2017, 08:00 Uhr

Integration mit Herz und Verstand

Begegnung auf Augenhöhe: Abdiwuli, Brigitte Brandmüller, Schwester Margret, Gudrun Wallner, Adam, Elisabeth Zumtobel, Elisabeth Muffat

Die in Hermagor lebenden Asylwerber erfahren durch ein starkes Frauen-Netzwerk gelebte Nächstenliebe.

HERMAGOR (jost) In der Hermagorer Selbstversorger-Unterkunft von Burgi Berger leben zur Zeit zehn junge Männer aus Afghanistan, Syrien, Somalia und aus dem Sudan und im katholischen Pfarrhaus wohnt eine Jungfamilie aus Afghanistan. In beiden Quartieren finden die Asylwerber beste Wohnbedingungen und gerade im Winter warme Räume für ihr Dasein. Doch für die Wärme in ihren Herzen engagieren sich fünf Frauen mit ihrem selbstlosen Bemühen für mehr Menschlichkeit und Integration.


Religion kennt keine Grenzen

„Wir wollen Begegnungen zwischen Einheimischen und Asylsuchenden schaffen und ein Kennenlernen ermöglichen, um die Ängste auf beiden Seiten abzubauen“ sagt Ordensschwester Margret, die der afghanischen Familie mit drei kleinen Kindern als „Ersatz-Oma“ hilft, den Alltag in der fremden Umgebung zu meistern. „Wir Christen können gerade in der Weihnachtszeit unsere Herzen öffnen und Zuneigung schenken“ schildert die Ordensfrau und freut sich schon auf die gemeinsame Feier am 11. Dezember im Pfarrhof, bei der die vorwiegend muslimischen Flüchtlinge unsere Religion mit ihrer Kultur und den Bräuchen kennenlernen können“.


Sprache gibt Sicherheit

Elisabeth Zumtobel und Gudrun Wallner wissen, dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist und geben den jungen Männern neben gemeinsamer, sinnvoller Freizeitgestaltung kostenlosen Deutsch-Unterricht. „Das ist nicht immer einfach“ weiss Gudrun und ergänzt: „Aber mit dem gemeinsamen Singen gelingt uns das leichter und deshalb haben wir bereits Weihnachtslieder einstudiert“. Brigitte Brandmüller beweist seit über zehn Jahren mit ihrer Hilfe für Tansania ihr soziales, selbstloses Engagement und setzt sich nun auch dafür ein, dass die in ihrer Heimat lebenden Flüchtlinge durch einen geregelten Tagesablauf Sicherheit und Selbstvertrauen erfahren. „Um ihnen die Neuorientierung in der fremden Umgebung zu erleichtern, ist ein offenens Miteinander der beste Weg, um Konflikte zu vermeiden und den gesellschaftlichen Frieden und Zusammenhalt zu sichern“ erklärt Brandmüller.

Kreative Beschäftigung

Einen wesentlichen Beitrag zur Nächstenliebe leistet Elisabeth Muffat. Die Keramikkünstlern will, dass sich die jungen Männer nach den schrecklichen Erlebnissen von Mord, Krieg und Flucht in unserem für sie fremden Land angenommen fühlen. Um ihnen den often tristen, angespannten Alltag zu erleichtern, hat Muffat mit den Asylanten kleine Kunstwerke getöpfert und erklärt: „Der künstlerische Prozess aktiviert die inneren Selbstheilungskräft und hilft bei der Verarbeitung des Erlebten“. Unter der fachkundigen Anleitung wurden mit Hingabe aus rotem Ton Lichtobjekte, Skulpturen, Schlüsselanhänger oder Adventschalen gefertigt. Auch Timur lässt Herz und Hand gleichzeitig arbeiten, ist stolz auf seine getöpferte Skulptur und freut sich: „Die Madonna mit dem Kind ist mir auf Anhieb gut gelungen“. Die Kunstwerke werden die Asylwerber beim „Advent im Schloss“ am 14. Dezember anbieten und freuen sich über den Erlös, mit dem sie ihr Taschengeld aufbessern dürfen.
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