Gipfeltreffen in der Erzdiözese
Dornbacher Glockenspiele
- Emotionale Petitionsübergabe: Gabriele Prindl, Bischofsvikar Dariusz Schutzki, Roswitha Wilding-Meisel, Helga Kerschbaum (v.l.).
- Foto: Michael J. Payer
- hochgeladen von Michael Payer
1.376 Menschen haben für die Rückkehr der Glocke in die Thomas-Morus-Kirche unterschrieben.
HERNALS. Roswitha Wilding-Meisel ist die Enttäuschung anzumerken. Seit vielen Monaten kämpft die Hernalserin gemeinsam mit zahlreichen Unterstützern für die Rückführung der Siebenmärtyrerglocke von Dornbach auf den Schafberg. Bisher haben die Bemühungen zwar Beachtung gefunden, aber die Kirche will an der Situation nichts ändern.
Im September 2019 wurde die Schafbergglocke mit zwei neu geweihten Glocken in den Dornbacher Kirchturm befördert. Das Geläut besteht seither aus vier Glocken. Im Tausch dafür hat die Schafbergkirche eine kleine Zinnglocke bekommen. Die bz hat regelmäßig über die Diskussion berichtet, ebenso über die Petition, die am 5. März an Bischofsvikar Dariusz Schutzki übergeben wurde – die bz war exklusiv vor Ort.
Rechtlich korrekt
Beim Empfang in der Erzdiözese beharrte Schutzki auf dem Standpunkt, dass die Pfarre korrekt gehandelt habe und es keinen Grund gebe, die Entscheidung anzuzweifeln. Auch von den Kirchenrechtlern der Erzdiözese soll es keine Einwände gegeben haben. Nach einem teils emotionalen Gespräch gab es seitens der Erzdiözese das Versprechen einer Stellungnahme der hauseigenen Juristen. Getan hat sich jedoch bis Ostern nichts. "Ich habe per E-Mail noch einmal um einen Termin beziehungsweise um die Stellungnahme gebeten. Passiert ist wieder nichts. Mittlerweile fühle ich mich von der Kirche wirklich missachtet und gekränkt", sagt Wilding-Meisel. Der Vorschlag von Schutzki, am Schafberg doch eine Gemeinde zu gründen, konnte auch nach erneutem Nachfragen nicht in Verbindung mit der Glocke gebracht werden.
"Stimme der Kirche"
Welche Bedeutung Glocken für die Gläubigen haben, berichtet die Pfarre Dornbach in der Pfarrinformation "Dornbach Aktuell" (Sonderausgabe April 2020). Darin heißt es: "Lassen wir uns von den Glocken rufen! Sie sind die Stimme der Kirche. Ihr Klang bewegt die Menschen. Sie rufen die Gemeinde zum Gebet und zum Gottesdienst. Achten wir gerade jetzt auf ihr Geläut!" "Damit geben sich Pfarrer Kimmel und die Pfarre die Antwort auf unser monatelanges Bitten und Flehen selbst. Diese Bedeutung gilt offensichtlich nur für Dornbach und nicht für den Schafberg", meint Wilding-Meisel.
Kein Osterwunder
Auf ein Osterwunder durfte zwar gehofft werden, dennoch war es wohl kaum realistisch, dass sich die Siebenmärtyrerglocke nach ihrem Rückflug aus Rom in der Schafbergkirche wiederfinden würde. Dass Menschen wichtiger sind als eine Glocke, damit hat Bischofsvikar Dariusz Schutzki wohl recht. Dennoch fehlt es im Dornbacher Glockenstreit seit Beginn an Fingerspitzengefühl und ehrlicher Dialogbereitschaft. Pfarrvikar Wolfgang Kimmel schreibt in der Pfarrinformation, dass "man darauf vertrauen soll, dass Gott einen guten Plan für uns hat". Für die knapp 1.400 Unterstützer der Petition ist dieser Plan jedoch wohl unergründlich.
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