Pfarrverband Hernals
Die Glocke bleibt in Dornbach

Pfarrer Karl Engelmann beim Interview mit der bz. | Foto: Michael J. Payer
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Zur Gründung des Pfarrverbandes Hernals hat die bz Pfarrer Karl Engelmann zum Gespräch gebeten.

Was waren die Gründe für die Schaffung des Pfarrverbandes Hernals?
KARL ENGELMANN: Das geht auf den eingeleiteten Reformprozess zurück. Bis 2022 sollen 80 Prozent aller Pfarren in zumindest einem Pfarrverband vertreten sein.

Warum braucht es einen Reformprozess?
Zum einen geht das auf den Gläubigenmangel zurück. Der Pfarrverband hat heute so viele Mitglieder wie der Kalvarienberg früher alleine hatte. Auf der anderen Seite gibt es in Wien viele Priester, aber dennoch einen Pfarrermangel.

Was muss ein Priester mitbringen, um als Pfarrer eine Gemeinde zu leiten?
Das sind zum einen die Leitungskompetenz und die Sicht auf die Stärken und Schwächen einer Gemeinde. Man muss die Fähigkeit haben, die Stärken zu wecken und den Menschen auch genügend Freiraum zu lassen.

Worin liegt die Herausforderung, einzelne Pfarren unter einem gemeinsamen Dach zusammenzuführen?
Die Herausforderung liegt darin, hinaus zu den Menschen zu gehen. Die Leute kommen nicht von alleine. Die Kirche muss zu den Menschen gehen und missionieren, aber nicht im klassischen Sinne. Die Kirche wird einfach offensiver und sagt: "Wir spielen auch noch mit!"

In Zeiten von steigenden Kirchenaustritten (2019 plus 14,9 Prozent in Österreich) keine leichte Aufgabe. Warum wenden sich die Menschen ab? Was sind Ihre Erfahrungen?
In den vergangenen 10 bis 15 Jahren hat es eine Entfremdung von der Kirche gegeben. Die Missbrauchsthematik hat für große Enttäuschung gesorgt. Wenn mir ein Verein, das sage ich bewusst, nichts mehr gibt, warum soll ich dann weiter zahlen?

Haben die Menschen heute einen anderen Zugang zum Glauben?
Vor allem junge Menschen haben ein anderes Bild vom Glauben. Sie können mit verstaubt wirkenden Elementen nichts anfangen. Bis zu einem gewissen Grad kann man diese auch entstauben. Damit meine ich nicht die klassischen Strukturen, sondern dass die Kirche heute mehr experimentiert und sich traut, sich mehr zu öffnen.

Österreich hat mit der ÖVP und den Grünen eine neue Regierung. Sehen Sie christliche Werte besser aufgehoben?
Das ist mir lieber als Türkis-Blau. Ich messe Regierungen an ihrer sozialen Kompetenz. Man kann noch nicht viel sagen, aber die Grünen könnten für den nötigen Ausgleich sorgen.

Ein Thema, das besonders die Pfarre Dornbach bewegt, ist der Glockentausch mit der Thomas-Morus-Kirche am Schafberg. Ist hier das letzte Wort bereits gesprochen?
Darüber will ich gar nicht viele Worte verlieren. Die Sache ist abgeschlossen.

Ist ein Rücktausch von Dornbach rauf auf den Schafberg denkbar?
Nein. Die Glocken sind getauscht und damit ist die Sache erledigt.

Gibt es Pläne für die Thomas-Morus-Kirche? Wird sie gar stillgelegt?
Von Stilllegen ist keine Rede. Es gibt noch keine konkreten Pläne dazu. Wenn die Menschen, welche die Petition unterschrieben haben, mit einem Konzept kommen, dann können wir über alles reden.

War der Glockentausch trotz des Widerstandes aus der Bevölkerung in der Umsetzung für Sie in Ordnung?
Aus rechtlicher Sicht war alles in Ordnung. Man hätte das vielleicht etwas besser kommunizieren müssen. Das ist alles.

Interview: Michael J. Payer

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