Pionierprojekt in Hernals
Wohnhäuser in der Geblergasse erhalten Klima-Staatspreis
- Das Wohnprojekt "Smart Block Geblergasse" wurde mit einem Preis des Klimaschutzministeriums ausgezeichnet.
- Foto: Lisi Zeininger
- hochgeladen von Tobias Schmitzberger
Eigentlich waren die Häuser in der Geblergasse 11 und 13 abbruchreif, dann wurden sie auf eine besonders innovative Art generalsaniert. Jetzt sind sie ein echtes Vorzeigeprojekt.
WIEN/HERNALS. Die Geblergasse 11 und 13 sind kaum hundert Meter vom Gürtel entfernt. Es sind alte Gründerzeithäuser, sie stammen aus dem 19. Jahrhundert. Im Dezember erhielten sie nun eine beachtenswerte Auszeichnung: Den Staatspreis "Architektur und Nachhaltigkeit", der vom Klimaschutzministerium vergeben wird. Es war nur einer von mehreren Preisen, den der sogenannte "Smart Block Geblergasse" einheimste.
- Ein ausgeklügeltes Geothermie-System sorgt dafür, dass die Wohnungen im Sommer kühl und im Winter warm bleiben.
- Foto: Lisi Zeininger
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"Wir wollten versuchen zu zeigen, wie gutes Leben am Beginn des 21. Jahrhunderts aussehen kann", sagt Johannes Zeininger, er ist Architekt und Entwickler des Projekts. Wien und andere Großstädte stünden vor einer großen Herausforderung. Wien will bis 2040 klimaneutral werden, doch da ist viel zu tun. "Schon jetzt leben deutlich mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten", sagt er: "Künftig werden das noch mehr, auch bei uns."
Der Weg zur "dichten Stadt"
Darauf muss man sich vorbereiten. Denn all diese Menschen brauchen Wohnungen, Schulen, Geschäfte und Krankenhäuser. Gleichzeitig wird aber das Grünland knapper und der Klimaschutz wichtiger. "Was wir daher anstreben, ist unter anderem eine sanfte Nachverdichtung der bestehenden Stadt", so Zeininger.
Das heißt: anstatt neue Gebäude zu bauen, sollen die schon bestehenden Häuser besser genutzt werden. "In Hernals gibt es viele Gründerzeithäuser mit nur zwei bis drei Stockwerken. Dabei darf man hier noch etwas höher bauen", sagt Zeininger. Deshalb wurden etwa die Gebäude vom Smart Block Geblergasse um einen Stock und ein Dachgeschoss erweitert: "Vorher hatte das Haus zehn Wohnungen, jetzt sind es 16."
Die Erde als Batterie
Das ist aber nicht die größte Besonderheit. Zusätzlich ist es der erste Gründerzeitbaublock, in dem Geothermie zum Einsatz kommt. "Dabei wird die Erde als große Massen-Batterie genutzt", erklärt Zeininger. Der Erde wird Wärme entnommen, aber auch wieder zugeführt.
Unter dem Grundstück befinden sich dafür 18 Bohrungen, die 110 Meter in die Tiefe gehen. Im Sommer wird die Solarenergie über Kollektoren in Wärme und Strom umgewandelt und die Wärme in den Geothermiespeicher eingelagert. Gas wird nicht mehr gebraucht. Im Winter wird die Erdwärme mit Wärmepumpen zum Heizen der Häuser verwendet. Alte Geothermie-Systeme heizen nur mit Erdwärme.
"Wenn man da aber zu viel rausnimmt, wird die Erdemasse irgendwann kalt", sagt Zeininger. Deshalb spricht er von Geothermie 2.0. "Wir laden im Sommer Warmwasser durch die Leitungen der Bohrungen in den Boden und entnehmen die Energie dann im Winter. Übers Jahr wird so ein ausgeglichener Energieaushalt erzielt."
- Auf den Balkonen der Geblergasse lässt es sich aushalten.
- Foto: Lisi Zeininger
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Wie in einer Kathedrale
Angenehmer Nebeneffekt: im Sommer kommt beim Rücklauf aus der Tiefe des Bodens zirka 20 Grad kühles Wasser zurück, sozusagen als Nebenprodukt. Dieses wird verwendet, um die Wohnungen über die Fußbodenheizung oder aber auch über nachträglich montierte Deckenpanele in Altbauräumen angenehm kühl zu halten. "Eine Bewohnerin sagte mir einmal, das ist wie wenn man im Hochsommer in eine Kathedrale mit Steinboden geht", so Zeininger: "Total angenehm.
Der Smart Block Geblergasse scheint also für die Zukunft gerüstet. Und er wird wohl nicht das einzige Gebäude seiner Art in Wien bleiben - schon gar nicht, wenn es nach Zeininger geht.
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