Rätsel um "Christstaude" am Rathausplatz gelöst
- Die Fichte ist kein Opfer eines Missgeschicks, sondern von Natur aus "oben ohne".
- Foto: Hicker
- hochgeladen von Michael Holzmann
NEULENGBACH (mh). Die Mär von der abgebrochenen Spitze des Christbaums am Rathausplatz verbreitete vergangene Woche die Tageszeitung "Österreich". "Alles nicht wahr", stellt nun Neulengbachs Bauhofleiter Josef Eckl klar. "Beim Aufstellen ist überhaupt nichts abgebrochen. Die Blaufichte ist schon so in dem Garten gestanden, in dem wir sie ausgegraben haben."
Spende eines Bürgers
Die Neulengbacher Christbäume seien Spenden von Bürgern, die sich so die Entsorgungskosten sparen und auch der Stadt keinen Cent kosten, so Eckl. "Bisher haben immer fünf oder sechs Leute angerufen. Da konnte ich mir die schöneren aussuchen. Heuer waren nur zwei Bäume zur Auswahl." Einer steht nun auf dem Egon-Schiele-Platz, der Wipfellose vor dem Alten Rathaus. "Wenn ich gewusst hätte, dass da so ein Tamtam gemacht wird, hätte ich den Bürgermeister gefragt, ob ich einen kaufen soll", ärgert sich der Bauhofleiter. Doch dazu besteht kein Grund. In einer spontanen Straßenbefragung nehmen es die meisten Neulengbacher mit Humor und sind stolz auf ihren "besonderen" Christbaum.
KOMMENTAR
Ein Loblied auf Schönheitsfehler
Während sich immer mehr Menschen beiderlei Geschlechts wegen zu großer Nasen, abstehender Ohren, zu kleiner oder zu großer Brüste oder anderer subjektiver Makel der plastischen Chirurgie anvertrauen, setzt die Stadt Neulengbach einen erfrischenden Schritt. Natürliches Wachstum ist wieder gefragt und soll realitätsferne Schönheitsideale ablösen. Nein, hier ist weder die Rede vom Schauberger-Areal noch vom Billa-Kreisverkehr. Es geht um den wunderbaren wipfellosen Christbaum auf dem Rathausplatz, der so gar nicht in die Norm passt. Viele Neulengbacher haben schmunzelnd die Einzigartigkeit der "Weihnachtsstaude" erkannt und geben der Blaufichte mit Schönheitsfehlern eine Chance. Sie macht schließlich auch die Stadt im Wienerwald ein wenig unverwechselbarer. Haben wir nicht alle genug vom begradigten und genormten Zeug?
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