"Menschen quälen ihre Seele viel zu lange"

Der Klassiker - die Couch: Jutta Menschik-Bendele an ihrem Arbeitsplatz in der St. Veiter Straße
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von Katja Auer

Was bedeutet Ihnen die Emeritierung am Donnerstag?
Ich gehe in den Ruhestand und muss nicht mehr lehren und forschen, aber ich darf. Es bedeutet eine große Freiheit für mich.

Das heißt, Sie gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge?
Das lachende Auge ist noch mehr Freiheit zu haben und das weinende Auge ist, dass ich 28 Jahre an dieser Universität war und habe viele Menschen kennengelernt. Es ist auch Schade jetzt nicht mehr daran teilhaben zu können.

Sind Sie froh jetzt, nach der vielen Berichterstattung rund um die Rektorensuche, auch ein wenig Abstand von der Universität zu gewinnen?
Sicher gibt es Erschütterungen, aber es gibt so viele konstruktive Kräfte, die das Schiff dann doch auf Kurs halten. Man muss sich da keine großen Sorgen machen. Die Berichterstattung ist eher nützlich als schädlich.

Sie haben stets ihre eigene Praxis gehabt und die Universitätsarbeit gemacht. Wie wichtig war Ihnen der Praxisteil in dem Bereich?
Ich finde es unablässig.Ich kann Inhalte nur glaubwürdig vermitteln, wenn ich ein tiefes Verständnis und eine lange Erfahrung von dem habe, was ich da erkläre. Das haben meine Studierenden auch immer geschätzt.

Promis im Outing-Zwang, Therapeuten als TV-Stars, Psychotherapien und Selbsthilfegruppen boomen weltweit. Warum gibt es derzeit einen Hype?
Die Psychotherapie an sich boomt nicht – es ist ein sensibles wissenschaftliches Verfahren. Was aber boomt ist der Wunsch nach schnellen Hilfen. Es soll schnell gehen, billig sein und enorm wirksam sein. Das ist ein falsches Versprechen, denn das gibt es nicht.

Hat das auch damit zu tun, dass Therapien auch in Hollywoodfilmen Raum finden? Zum Beispiel geht Meryl Streep in ihrem neuen Film mit ihrem Mann zur Eheberatung.
Die Filme zeigen ein Abbild des menschlichen Lebens – von der großen Liebe, über den Mord bis hin zur Trauer.

Häufig heißt es, dass Menschen nur Psychologie studieren, wenn sie selbst bei sich etwas therapieren möchten – was sagen Sie zu diesem Klischee?
Psychologie wird von Menschen studiert, die sich sehr für Menschen und sich selber interessieren. Das Psychologie-Studenten alle einen ,Knacks' haben, kann ich so nicht stehen lassen. Ich finde es ein faszinierendes Studium.

Sie haben auch Politologie studiert. Glauben Sie manche Politiker hätten, nach all den persönlichen Anfeindungen gegen ihre Person, auch eine Therapie notwendig?
Es gibt Krisen, die auch Menschen in Spitzenpositionen ergreifen und die innere Persönlichkeit erschüttert. Eine psychotherapeutische Unterstützung kann dabei sehr hilfreich sein. Ich hatte solche Fälle auch schon.

Ist man als Psychotherapeutin bei Problemen im eigenen Familienverband „machtlos“?
Ein gewisses Wissen hilft beispielsweise bei Trotzphasen der Kinder. Das hilft gelassener zu bleiben. Die Familie ist gefühlsmäßig viel näher und da macht es keinen Sinn zu Hause Psychotherapeut zu sein.

Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie geht davon aus, dass etwa fünfmal mehr Menschen Psychotherapie benötigen, als sie tatsächlich in Anspruch nehmen. Wie sehen Sie das?
Es ist wirklich beachtlich, wie lange sich Menschen sich rumquälen, bevor sie eine Fachkraft aufsuchen. Die Menschen quälen ihre Seele viel zu lange. Sie versuchen selbst von der Traurigkeit zu kurieren. So lange würde niemand Zahnweh aushalten, aber mit der Seele verbindet man den Mythos man müsse es selbst schaffen.

Sie beschäftigen sich auch mit dem Thema Glück. Die Menschen suchen nach dem Glück. Gibt es das ständige Glück überhaupt?
Es gibt Zustände, wo man mit Glückshormonen regelrecht überschwemmt wird, wenn man sich verliebt, eine Kind auf die Welt bringt oder ähnliches. Das sind Glücksmomente, aber ein Zustand in diesem „High“ kann nur künstlich erzeugt werden. Was man erreichen kann ist ein Zustand der Ausgeglichenheit oder Zufriedenheit.

Bleibt man ein ganzes Leben Wissenschaftler, wenn man es einmal ist?
Man bleibt das ganze Leben neugierig, wenn man einmal Blut geleckt hat.

Welche Zukunftspläne schmieden Sie?
Ich freue mich auf das was jetzt auf mich zukommt. Ich werde mehr Zeit mit meinem Mann verbringen und das heißt für uns mit Freunde etwas gemeinsam erleben.

Zur Person:
Name: Jutta Menschik-Bendele
Beruf: Psychologin und Psychoanalytikerin, Universitätsprofessorin
Familie: verheiratet mit Jochen Bendele, zwei Töchter
Hobbys: Gartenarbeit, lesen, reisen, tanzen

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