Blackface: Diskussion um schwarz bemalte Heilige Könige

Auf Werbefoldern sind schwarz geschminkte Könige verschwunden, in der Praxis nicht.
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KLOSTERNEUBURG (cog). Das Anmalen der Sternsinger ist ein heikles Thema – auch kirchenintern. Denn während es österreichweit die Vereinbarung gibt, auf Infobroschüren auf bemalte Gesichter zu verzichten, ziehen dieser Tage nach wie vor geschminkte Kinder durchs Land.

Verantwortliche lehnen Rassismus-Vorwürfe ab

"Wir stellen es den Kinder prinzipiell frei, ob sie geschminkt werden oder nicht", sagt Gertraud Höslinger von der Pfarre St. Leopold. Kritik daran habe es noch nie gegeben. "Es ist ein Ausdruck des Wunsches, die Könige authentisch darzustellen, wenn die Kinder feierliche Gewänder und Kronen tragen, und einer der drei Könige schwarz geschminkt ist. Ich weiß auch aus einer Pfarre, in der die Kinder, die den Stern tragen, gelb geschminkte Gesichter haben. Das ist, glaube ich, die Ebene, auf der man die Sache betrachten soll. Je mehr Probleme wir in etwas hineininterpretieren, desto mehr Schwierigkeiten haben wir am Ende damit."
Man frage nicht aktiv nach, erklärt Ronald Kremser, der die Sternsingeraktion der Pfarre St. Martin betreut, bemale die Gesichter jedoch auf Wunsch: "Ich sehe keine rassistischen Tendenzen. Mit Blackfacing, mit Unterhaltungsklamauk mit rassistischen Zügen, hat das nichts zu tun." Die drei Könige repräsentieren die gesamte Weltbevölkerung.

Kritik aus schwarzen Communities

Doch genau dem widersprechen VertreterInnen der schwarzen Communities – etwa Simon Inou, Herausgeber des Magazins "fresh. Black Austrian Lifestyle" und Geschäftsführer von M-MEDIA: "Ein schwarz bemaltes weißes Kind repräsentiert kein schwarzes Kind." Im Gegenteil, die Praxis verdeutliche nur die Ausgrenzung schwarzer Menschen. "Warum sollen wir Kinder schwarz anmalen, wenn es vielerorts möglich ist, schwarze Familien aktiv einzuladen?", fragt der Journalist. Inou erhebt regelmäßig seine Stimme, wenn es darum geht, rassistische Praxis aufzuzeigen. Auch schwarz bemalte Sternsinger gehören für ihn dazu: "Das wirklich Verletzende ist der nicht-partizipative Ansatz in einer Gesellschaft, wo alle von Integration und Zusammenleben reden."
"Wir wollen keinesfalls Menschen kränken", betont Kremser. Er will das Thema künftig mit anderen in der Pfarre reflektieren.

"Das könnte zu denken geben"

"Die Idee, dass die Heiligen Drei Könige verschiedene Hautfarben haben, taucht erst im 19. Jahrhundert auf, in der Zeit des Kolonialismus", erklärt Gerald Faschingeder, Leiter der Dreikönigsaktion in Wien. "Das Sternsingen selbst wird aber seit dem Mittelalter praktiziert, viele Jahrhunderte lang ohne Schminke. Das könnte uns zu denken geben."

NACHTRAG (7.1.2015)
Sensibilisiert durch das Nachfragen im Vorfeld berichtete Ronald Kremser von der Pfarre St. Martin im Nachhinein: "Eine Gruppe unter den fast 40 Kindern die in St. Martin aktiv waren, hat sich für die Schminkfarben interessiert. Da diese aber schon zu alt waren, konnten diese nicht verwendet werden und es haben sich alle Königinnen und Könige ungeschminkt ihren Aufgaben gestellt. Sensibilisiert durch das Nachfragen [Anm.: der Bezirksblätter] habe ich extra aufgepasst, wie die besuchten Menschen reagiert haben: Die meisten Menschen hatten kein Kommentar. Wenn sich der eine oder andere an seine eigene Jugend und Aktivität als Sternsinger erinnert fühlte und davon berichtet hat, ist vielleicht ein Kommentar zur Gesichtsbemalung gekommen. Aber niemand hat es eingefordert – zumindest bei den von mir besuchten Menschen."

KOMMENTAR ZUM BEITRAG

von Cornelia Grobner
... weil die Hautfarbe keine Verkleidung ist
Jedes Jahr bin ich als Kind mit den Sternsingern von Haus zu Haus gezogen. Nicht nur einmal mimte ich dabei "den Schwarzen". Damals im Nirgendwo des österreichischen Hinterlandes hatten wir keine Ahnung, dass dieses Gesichtanmalen eine rassistische Tradition reproduziert. Heute weiß ich: Schwarze Menschen empfinden "Blackface" (eine ursprünglich US-amerikanische rassistische Theatermaskerade) als ausgrenzende Handlung. "Aber das hat doch mit Rassismus nichts zu tun", schlagen nicht wenige die Hände über dem Kopf zusammen. Nein? Sinnigerweise obliegt es Weißen nicht zu definieren, was (nicht) rassistisch ist. Dass gerade VertreterInnen der Kirche, die für das Miteinander wirbt, krampfhaft an dieser verletzenden Praxis festhalten, ist mehr als unverständlich.

ZUM WEITERLESEN

Der Braune Mob über Blackface-Vorfälle
ISD Bund über Blackface-Vorfälle
Warum Blackface nicht lustig ist
Happy Blackface-Day

Auf Werbefoldern sind schwarz geschminkte Könige verschwunden, in der Praxis nicht.
"Das muss aufhören!" Nicht ignorieren, dass "Blackface" eine alte rassistische Tradition hat, appelliert der Wiener Journalist Simon Inou.
Autor:

Cornelia Grobner aus Klosterneuburg

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