24.10.2017, 14:40 Uhr

Bezirk Korneuburg: Der Weg nach oben

Heid-Gelände: Vom Weltmachtführer ist wenig übrig. (Foto: privat)

Beim ersten Urlaub merkte man: Mit dem Auto ist der Weg nach Krakau fast kürzer als nach Innsbruck.

BEZIRK KORNEUBURG. Wo 1989 in Korneuburg noch Schiffe gebaut wurden, ringt man heute um die geeigneten Nachnutzung, wo früher in Spitzenzeiten über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt waren, liegt nun in Stockerau ein sogenanntes "Brown Field" teilweise brach. Wie das ganze Bundesland, hat sich auch der Bezirk Korneuburg seit dem Fall des Eisernen Vorhangs entwickelt. Die Bezirksblätter auf den Spuren der Veränderung.

Die Grenzen öffnen sich

Was auf den ersten Blick erschreckend wirkt, war jedoch nur ein kleiner Wimpernschlag dessen, was der Fall des Eisernen Vorhanges mit sich brachte. Im Kern der Sache kann man sich nur Stockeraus Alt-Bürgermeister Leopold Richentzky anschließen, der von einer "Fehlleitung der Politik" spricht. Er selbst hat den Fall des Eisernen Vorhanges damals hautnah miterlebt: "Wir waren damals gerade auf dem Weg nach Weißrußland, in unsere Partnerstadt Baranowitschi. Am Bahnhof von Warschau mussten wir sieben Stunden warten. Das waren chaotische Zustände, als die Soldaten abzogen."
Und schon damals in diesen Stunden, war die Veränderung spürbar. "Oft standen Händler auf den Bahnsteigen und boten den jungen Soldaten zum Beispiel Uhren an", erinnert sich Richentzky.

So viele Autos

Und auf einmal waren sie da, die tschechischen und ungarischen Auto samt deren Fahrer, die etwa in Stockerau vor allen Geschäften standen, um Dinge des Alltags, wie etwa Kühlschränke und Kochtöpfe zu kaufen. "Der Handel blühte so richtig auf. Auf einmal stieg die Kommunalsteuer, weil die Geschäftsleute neue Mitarbeiter einstellen mussten, um die Flut an Kunden bewältigen zu können", erzählt Stockeraus Stadtamtsdirektorin Maria-Andrea Riedler.

Eine Region entwickelt sich

Der Bau des Kraftwerks Greifenstein, die Fertigstellung der Donauufer-Autobahn, der Ausbau des Stockerauer Erholungszentrums – nur einige der Dinge, die nach dem Fall der Region zugute kamen. "Auf einmal stiegen die Grundstückspreise, man war ja nicht mehr genau vor dem Eisernen Vorhang und auf jedem Feuerwehr- und Volksfest spielten tschechische Kapellen auf", erzählt Riedler, selbst geprüfte Fremdenführerin und historisch sehr interessiert.

Große Betriebe schließen

Der Fall des Eisernen Vorhanges hatte jedoch nicht nur positive Auswirkungen auf den Bezirk Korneuburg. So brachen für zwei große Betriebe des Bezirks – die Korneuburger Werft und Heid in Stockerau – plötzlich Aufträge und Kunden weg. Die Folge: Mitarbeiter wurden entlassen, die Betriebe nach und nach verkleinert, zerschlagen und schließlich, wie im Falle der Werft, ganz geschlossen.

Die Welt wird kleiner

"Auf einmal war die Welt um so viel kleiner und die Verkehrswege verbesserten sich", erzählt Riedler. Und der Eindruck beim ersten Urlaub jenseits des "Vorhanges": "Prag war eine riesige Baustelle."

3 Fragen an…Leopold Richentzky, Bürgermeister von Stockerau von 1979 bis 2006:
Der Eiserne Vorhang war für mich?
Eine Fehlleitung der Politik. Kein politisches System hat das Recht, Menschen einzusperren.
Wie haben Sie den Fall des Eisernen Vorhang miterlebt?
Hautnah. An diesem Tag war ich unterwegs zu unserer Partnerstadt Baranowitschi. Wir standen 7 Stunden am Bahnhof von Warschau, als gerade die Soldaten abzogen.
Welche Veränderungen gab es danach?
Sehr starken Autoverkehr. Jeder, der einen fahrbaren Untersatz bekam, versuchte in den Westen zu kommen.
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