09.09.2014, 11:29 Uhr

In Stockerau leben 980 Muslime

Eine starke Gemeinde. In der Manhartstraße 2 kann man sich von der Friedfertigkeit der Moslems direkt überzeugen.

Das Wort "Dschihad" wird oft mit Heiliger Krieg übersetzt. Es gibt im Islam keine Grundlage dafür.

Die Verhaftung eines islamistischen Gotteskriegers im Bezirk Gmünd zeigt: Der internationale Terror reicht bis Niederösterreich. In Folge steigt das Misstrauen gegenüber muslimischen Einrichtungen. Wer sind die rund 100.000 Muslime in unserem Bundesland? Die Bezirksblätter Korneuburg haben Kulturverein und Gebetshaus besucht und mit den Betroffenen über ihr Weltbild, Mitglieder und Vorurteile geredet.
Erkol Turgut ist der Ansprechpartner des Islamischen Kulturvereines Stockerau, der ganz offen seine Freude darüber zeigt, dass er zu den negativen Schlagzeilen, welche Islam, Terror und Dschihadisten meist in einen Topf werfen, seine Meinung als gläubiger Mensch sagen soll.

Der Koran fordert Frieden


"Das Wort Dschihad wird missbraucht", erklärt Turgut. "Die Übersetzung Heiliger Krieg ist nicht korrekt. Denn Dschihad bedeutet nichts anderes als "sich abmühen", sich Mühe geben sich selbst gegen das Böse zu stemmen und Gutes zu tun für die Gesellschaft." Und so sehen Erkol Turgut und Ali Öktem auch das Gebetshaus beziehungsweise den Islamischen Kulturverein in Stockerau als Brücke zu einer Insel der Besinnung für alle Gläubigen. "Wir unterhalten auch gute Beziehungen zu den Repräsentanten der Katholischen und Evangelischen Kirche in Stockerau", betont Öktem. "Unser Haus in der Manhartstraße 2 ist nicht nur Moslems geöffnet, wer an einen Gott glaubt und in Frieden kommt ist an den Wochenenden herzlich willkommen uns bei türkisch Kaffee oder türkisch Tee besser kennen zu lernen", ladet Turgut ein.


Friedenshort Familie


Für manche Mitglieder der Türkischen Gemeinde ist der, von gewissen Medien unverantwortlich hochgespielte, Trend der österreichischen und islamischen Jugend zu Gewalt und Terror auch im Werteverlust der Familie begründet. "Tatsache ist, dass gläubige Muslime den Wert der Familie ganz hoch ansetzen. Dazu gehört auch die bestmögliche Ausbildung unserer Kinder. Das Problem ist eher, dass allen Jugendlichen positive Zukunftsperspektiven genommen wurden", meint Öktem. "Und an dieser Ziellosigkeit zerbrechen viele Familien. Aber intakte Familien waren immer und sind ein Hort des Friedens."

Terror ist politisch


Der IS-Terror hat nichts mit dem Glauben zu tun. Erklären jedenfalls die Stockerauer Muslime. Da geht es ihrer Meinung nach ausschließlich um Politik und Machtstreben. "Der Koran verbietet ausdrücklich Angriffskrieg", wird betont. "Wir leben mit unseren Familien seit Jahrzehnten in Frieden in Österreich. Und so soll es bleiben", wünschen sich die über 60 Mitgliedsfamilien des Islamischen Kulturvereines.
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