Ein Konzerttag in Grafenegg
Das European Union Youth Orchester
- hochgeladen von Johann Günther
Grafenegg – Der Konzerttag am Samstag 1. August 2026 war fest in der Hand junger talentierter Musiker und Musikerinnen. Das Programm wurde vom „European Union Youth Orchestra“ gestaltet und begann bereits um 18 Uhr mit einem Prélude, um dann zum Hauptteil, dem Konzert beim Wolkenturm um 20 Uhr zu führen. Für die jungen Musiker und Musikerinnen war der Tag um 23 Uhr noch nicht zu Ende und sie luden zu einer „Late Night Session“.
Das Konzert um 18 Uhr fand nicht – wie geplant – im Schlosshof statt. Dazu wäre es zu heiß gewesen. Man lud daher in den neuen und gekühlten Buchbinder-Saal, wo man entspannter und weniger schwitzend der Musik lauschen konnte. Die Mitglieder des European Union Youth Orchestra boten ein sehr individuelles Programm. Es begann mit einer Fanfare des französischen Komponisten Paul Dukas. Das Stück entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und hatte den Zweck mit der Musik das Publikum zur Aufmerksamkeit zu führen. Dem folgte Edward Elgars „Harmony Music“ mit einer interessanten Bläsergruppe mit Fagott, Querflöten und Klarinetten. Mit dem Requiem „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ von Johannes Brahms blieb man bei einem Bläserensemble. Ein Requiem, von dem Brahms sagte es sei das schlechtes Requiem, was nicht stimmt. Clara Schumann widersprach dieser Meinung schon sehr deutlich. Zum Abschluss dieses Nachmittagskonzerts dann ein Streicher-Oktett mit einem Scherzo von Mendelsohn Bartholdy.
Das schöne Sommerwetter war den Konzertbesuchern hold und man genoss am Wolkenturm das Konzert „Glühende Sehnsucht“. Glühend war neben der Musik noch die Temperatur. Glühend auch das Engagement der Künstler und Künstlerinnen. In großer Besetzung präsentierte sich das „European Union Youth Orchestra“ unter Leitung der Hongkonger Dirigentin Elim Chan. In der ersten Hälfte wurde das Konzert für Violine und Orchester in D-Dur op. 77 von Johannes Brahms gespielt. Die Solistin war die spanische Geigerin Maria Duenas. Sie wurde 2002 in eine Familie hineingeboren, die kein musikalisches Engagement hatte, aber Maria zum Studium motivierte. Seit 2016 studierte sie dann in Wien und spielt heute in vielen internationalen Orchestern. Mehrmals musste sie auf die Bühne, bis sie eine Zugabe gab.
Nach der Pause dann Sergej Rachmaninows Symphonie Nr. 2 in e-Moll. Elim Chan dirigierte souverän das junge Orchester. Die in Hongkong geborene Elim studierte in den USA. Von 2019 bis 2024 war sie Chefdirigentin des „Antwerp Symphony Orchestra“ und von 2018 bis 2023 erste Gastdirigentin des „Royal Scottish National Orchestra“. Ab 2027 wird sie Music Direktorin des „San Francisco Symphony Orchestra“.
Damit war der Konzerttag noch nicht zu Ende. Die Orchestermusiker schlossen mit Tanzeinlagen und Musik den Auftritt auf der Bühne, bevor es wieder zurück in den Buchbindersaal zum „Late Night Session“ ging. Die jungen MuskerInnen hatten eben noch ausreichend Energie, um ihren Grafenegger Auftritt abzuschließen. Viele Konzertbesucher sind speziell wegen diesem Orchester gekommen, zählt es doch heute zu einem der bedeutendsten Symphonieorchestern der Welt. Jährlich gibt es über 4000 Bewerbung für diesen Klangkörper mit 120 Mitgliedern. Sie kommen aus 27 EU-Ländern und müssen mindestens 16 und maximal 26 Jahre alt sein. Claudio Abbado war der Gründer. Der Sitz des Orchesters wurde 2018 von London nach Italien verlegt. 2022 übersiedelte das Orchester von Ferrara nach Grafenegg, von wo aus, es zu Tourneen aufbricht. Die jungen Musiker und Musiker versprühen viel Energie und Einsatz, dass es ein Vergnügen ist ihrer Musik zuzuhören.
Empfehlenswert ist es einen ganzen Tag in Etsdorf zu bleiben. Sich bereits am Vortag in einem Weingut oder einem Hotel in einem der Nachbardörfer einzuquartieren. Nächsten Tag dann – vielleicht war man am Abend noch beim Heurigen – ein spätes und ausführliches Frühstück. Eventuell direkt an der Donau in Krems, bevor es um 14 Uhr zu einer Schlossführung nach Grafenegg geht. Hier kann man nicht nur die Innenräume besichtigen, sondern bekommt in einer sachkundigen Führung auch viel Neues. Etwa, dass das Schloss auf eine Mühle ins frühe Mittelalter zurückgeht und dass die früheren Besitzer aus Holland kamen. Durch eine Adoptierung gelangte es in den Besitz der Familie Metternich Sandor. Auch die Verbindung zur heutigen Architektur, die aus dem 19. Jahrhundert stammt, wird klargestellt. Aus dem Fenster des ehemaligen Musikzimmers des Schlosses blickt man über den Park zum modernen Wolkenturm. Nach dem Rundgang erfrischt man sich bei einer Kaffeejause im Grafenegg-Restaurant bei Toni Mörwald, bevor man um 18 Uhr das erste Konzert – die Prélude besucht. Bis zum Abendkonzert um 20 Uhr bleibt dann noch Zeit für eine Abendjause im Park. Vielleicht ein Tipp für einen der nächsten Konzertbesuche in Grafenegg.
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