26.10.2017, 19:13 Uhr

Schiltern: Von neuen Steinzeitfunden und prähistorischem Geld

Gruppenbild mit Rugus-Mitgliedern, Gästen und Unterstützern.

Schiltern wird mehr und mehr zu einem archäologischen Hotspot. Das wurde auf der Informationsversammlung des Instituts für Regionalraumkultur und Geschichte (Rugus) am 25. Oktober 2017 im Glashaus der Kittenberger Erlebnisgärten deutlich.

LANGENLOIS (mk) Nach der Präsentation der Kreisgrabenanlage aus der Jungsteinzeit im vergangenen Jahr hatte Rugus in diesem Jahr wieder zu einer heimatgeschichtlichen und prähistorischen Informationsveranstaltung geladen. Mehr als hundert interessierte Besucherinnen und Besucher waren gekommen und ließen sich in insgesamt sechs Verträgen über neue Erkenntnisse informieren - unter ihnen auch der Langenloiser Bürgermeister Hubert Meisl. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von der Gruppe Fagus.

Dank an Rugus

Rugus-Obmann Alois P. Huber dankte den Publikum für das große Interesse, der Gemeinde und den Grundbesitzern für Unterstützung und Verständnis sowie den Rugus-Mitgliedern und den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für ihr Engagement. Diesem Dank schloss sich Kulturstadträtin Brigitte Reiter an und betonte, dass Rugus eine Schnittstelle sei zwischen der geschichtsinteressierten Bevölkerung und der Wissenschaft. Ortsvorsteher Harald Groll wies in seinem Grußwort auf die Bedeutung der Beschäftigung mit der Geschichte hin: Nur wer seine Vergangenheit kenne, könne in der Gegenwart gut leben, unterstrich er.

Sechs Vorträge aus Geschichte, Vorgeschichte und Botanik

Auf dem Informationsprogramm standen sechs Vorträge: Heimatforscher Johann Ennser gab unter dem Titel „Von der Monarchie zur Republik“ Einblicke in das Schiltern zur Zeit des 1. Weltkriegs und beleuchtete mit einer Reihe von Beispielen das Leben in dieser Zeit. Der Biologe Robert Hehenberger beschrieb „botanische Kleinode“ in und um Schiltern: besonders seltene Pflanzen, die zum Teil vom Aussterben bedroht sind – wie die kleine Salzschuppenmiere, die Trollblume oder das Sumpfblutauge. Der Archäologe Norbert Buchinger berichtete von den drei bis sieben Meter tiefen Bohrungen etwa im Kreisgraben, die sensationelle Befunde nahelegen. Offenbar sind die Wissenschaftler auf eine „prähistorische Kulturschicht“ gestoßen, die belegt, dass Schiltern schon in der Altsteinzeit besiedelt war. Die letzte Sicherheit für diese These wird von der Radiokarbon-Analyse erwartet, die augenblicklich vorgenommen wird. Über „geologische Entdeckungen in und um Schiltern“ informierte der Geologe Andreas Thinschmidt, der sich damit wieder neueren Zeiten zuwendete. Er erzählte von der spannenden und schließlich erfolgreichen Suche nach Kalköfen aus vergangenen Jahrhunderten, mit denen die Marmore der Region in Baumaterial umgewandelt wurden. Vor allem um Frauendarstellungen in der Steinzeit ging es Dr. Christine Neugebauer-Maresch von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die Forschungsergebnisse rund um die Venus von Willendorf und andere Statuetten präsentierte und Funde aus Schiltern entsprechend einordnete. Universitätsprofessor Dr. Gerhard Trnka vom Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie, erläuterte schließlich die Bedeutung von sogenannten „Ösenhalsringen“ und „Gusskuchen“ aus Kupfer, die er aufgrund von Forschungsergebnissen als eine Art „prähistorisches Geld“ bezeichnete.

Nächstes Jahr wieder!

Alles in allem ein spannender Abend für die Zuhörerinnen und Zuhörer. Für sie und für weitere Interessierte gibt es eine gute Nachricht von Rugus-Schriftführer Hans Böhm: Auch 2018 wird es wieder eine solche Informationsveranstaltung geben – und wieder am 25. Oktober.

Nachgegraben:

Schauraum schauen!

von Manfred Kellner

Im Schloss Schiltern, Obere Straße 45, befindet sich der Schauraum von Rugus – ein (noch) kleines, aber feines und weitgefasstes heimatgeschichtliches Museum. Darin geht es um das Schloss Schiltern, die Burgruine Kronsegg, den urgeschichtlichen Burgstalls zu Kronsegg sowie, als Highlight, um die neolithischen Kreisgrabenanlage Schiltern und weitere prähistorische Funde. Dazu kommen Informationen zu Flora und Fauna im Ort und in der Umgebung. Das alles zusammen ergibt einen hochinteressanten Blick in die Geschichte von Schiltern – und darüber hinaus. Der Besuch lohnt sich!
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