Die Stadt von gestern
Die verschwundene Rotunde im Prater

Die Rotunde im Prater wurde 1873 anlässlich der Weltausstellung eröffnet.
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  • Die Rotunde im Prater wurde 1873 anlässlich der Weltausstellung eröffnet.
  • Foto: Hofmann/Beyerl
  • hochgeladen von Maria-Theresia Klenner

Das neue Buch "Die Stadt von gestern" lädt zu einer Entdeckungstour durch das Wien von gestern.

LEOPOLDSTADT. Zwar nehmen die Autoren Thomas Hofmann und Beppo Beyerl die Leser ihres Buches zu einer Zeitreise durch Wien mit, doch als Nostalgiewerk wollen sie "Die Stadt von gestern" nicht sehen. "Wir reden nicht von der guten, alten Zeit, sondern wollen aufzeigen, wie verdichtet und angereichert mit menschlichen Geschichten diese Stadt ist", erklärt Hofmann.

"Es war uns wichtig, die verschütteten Identitäten der Stadt wieder an die Oberfläche zu holen", so Beyerl, der gemeinsam mit Hofmann an die Skipiste im Nordwestbahnhof ebenso erinnert wie an die Rutschbahn im Meidlinger Tivoli und die Rotunde im Prater.

Größte Kuppel der Welt

"Da ich lange in der Leopoldstadt gewohnt habe, habe ich eine Affinität zu den verschwundenen Orten im zweiten Bezirk", so Hofmann. "Die Rotunde im Prater ist aber deshalb interessant, weil sie die weltgrößte Kuppel hatte. St Paul's Cathedral hätte ebenso drinnen Platz gefunden wie der Petersdom."

Anlässlich der Weltausstellung 1873 vom Architekten Carl Hasenauer nach der Vorlage des Schiffsbauingenieurs Scott Russel errichtet, wurde die riesige Kuppel am Boden montiert. "Am 8. Juni 1872 wurde die Kuppel im Takt einer Militärkapelle in die Höhe gezogen – wie das Takttrommeln auf einer Sklavengaleere", erzählt Hofmann. "Im Inneren der Rotunde befanden sich drei Eichen, die man nicht fällen wollte und deshalb das Gebäude darüberbaute. Kurz vor der Eröffnung wurden sie dann doch gefällt."

Bienen und Elefanten

Die eiserne Rotunde wurde nach der Ausstellungszeit nicht abgetragen, sondern diente weiterhin als erste Adresse für Großausstellungen. So fanden Zirkusvorstellungen und ein Radrennen unter der Kuppel statt, Carl Hagenbeck war mit seiner Tier- und Völkerschau zu Gast und am 10. Mai 1891 dirigierte Johann Strauß Sohn im Rahmen eines "Monstre-Concertes" in der Rotunde seinen Donauwalzer. Zuletzt befand sich im "Guglhupf", wie die Wiener den Bau nannten, das größte Bienenzuchtmuseum Europas, das den Flammen des 17. Septembers 1937 zum Opfer fiel.

"Die Rotunde brannte zu Mittag ab, der größte Kuppelbau der Welt lag plötzlich in Schutt und Asche." 250 Feuerwehrmänner kämpften mit 88 Fahrzeugen vergeblich gegen das Feuer; die Kuppel stürzte knapp eine Stunde nach Entdeckung des Brandes ein. "Der Schock war groß, doch die Wiener trösteten sich mit der neuen Reichsbrücke, die drei Wochen später eingeweiht wurde", weiß Hofmann. "Zwar wurde von einem Wiederaufbau geredet, doch 1938 war die Welt eine andere. Ein letzer Rest des Rotundenareals befindet sich übrigens mit den schönbrunnergelben Staatsateliers heute noch beim Zugang zur Trabrennbahn."

Zur Sache

"Die Stadt von gestern" von Thomas Hofmann und Beppo Beyerl ist im Styria Verlag erschienen, hat 240 Seiten und kostet 27 Euro.
ISBN 978-3-222-13610-8

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