Zahnmedizin um 1900
Die Zeit, in der wohl keiner zum Zahnarzt wollte

So sah etwa um 1938 eine Zahnarztpraxis aus.
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  • So sah etwa um 1938 eine Zahnarztpraxis aus.
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LINZ. Heutzutage ist es ziemlich einfach: Wenn einmal ein Zahn schmerzt, ist innerhalb weniger Minuten ein Zahnarzttermin vereinbart. Nach ein bisschen Zwicken und Ziehen im Mund ist alles oft wieder in Ordnung – kein Vergleich zu früheren Zeiten. Um 1700 etwa wurden schlechte Zähne in aller Öffentlichkeit einfach nur herausgehebelt, eine wirkliche Behandlung hat es nicht gegeben. "Die damaligen Zahnärzte waren Bader und wurden im Jargon ‚Zahnbrecher‘ genannt", erklärt Gottfried Bachner, langjähriger Verkäufer von Zahnapparaturen und Mitglied jenes Vereins, der das Linzer Zahnmuseum betreibt.

Hauptaufgabe Prothetik

 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Zahnmedizin schon etwas weiter fortgeschritten, trotzdem: "Es gab 1900 noch keinen Strom und der Zahntechniker musste noch echte Handarbeit leisten. Die Prothetik, also die Herstellung von Zahnprothesen, zählte damals zu den Hauptaufgaben", so Bachner. Früher hat man sich Zahnprothesen mit einem oder zwei Goldzähnen machen lassen. Einerseits wollte man damit seinen Mitmenschen vorgaukeln, man hätte noch seine echten Zähne. Andererseits wollte man allen zeigen, dass man sich eine Zahnbehandlung auch leisten konnte. Die ersten elektrischen Lampen und Bohrmaschinen tauchten ebenfalls schon um 1900 auf, allerdings vor allem in Wiener Nobel-Praxen, erzählt Bacher: "Damals war es noch eine Maschine mit Tretpedal, die heuer 141 Jahre alt wird." Ende der 50er-Jahre kam dann die Turbine, die man heute als „Zahnarztbohrer“ kennt. Erst damit war das druckfreie Beschleifen der Zähne möglich. Mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm Conrad Röntgen 1895, tauchten auch vermehrt Röntgengeräte in den Zahnarztpraxen auf. "Damals war man sich der Auswirkung der Strahlung nicht bewusst und der Zahnarzt hatte die Apparatur direkt bei dem Behandlungsstuhl griffbereit und setzte sich unwissentlich, tagtäglich der gefährlichen Strahlung aus." Auch wenn viele Menschen noch heute Angst vor dem Zahnarztbesuch haben, ein kurzer Blick in die Geschichte hat heilende Wirkung, wie Bacher immer wieder feststellt: "Fast jeder, der im Zahnmuseum zu Besuch war, sagt, er sei froh, nicht in der damaligen Zeit gelebt zu haben."

Das Linzer Zahnmuseum hat Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Führungen ab acht Personen können kostenlos individuell bei Gottfried Bachner unter gottfried.bachner@liwest.at vereinbart werden.

So sah etwa um 1938 eine Zahnarztpraxis aus.
Im Linzer Zahnmuseum in der Pfarrgasse, hängt diese Vitrine voll mit Zähnen mit wirren Wurzeln.
Autor:

Sophia Jelinek aus Linz

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