Helllichte Nächte in der Stadt

Auch nachts hell erleuchtet: Ein Blick Richtung Lentos-Museum zeigt das Ausmaß der Lichtverschmutzung.
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  • Auch nachts hell erleuchtet: Ein Blick Richtung Lentos-Museum zeigt das Ausmaß der Lichtverschmutzung.
  • hochgeladen von Andreas Baumgartner

Seit mehr als zwanzig Jahren ist die Milchstraße von keinem Punkt in der Stadt aus mehr sichtbar. Vollmond- oder Neumondnächte sind in Linz kaum mehr voneinander unterscheidbar. Wenn in Linz die Nacht zum Tag wird, spricht man von Lichtverschmutzung. Energiesparende weiße LED-Lampen haben das Problem in den letzten Jahren sogar verschärft. Das blau-weiße Licht der Leuchtdioden strahlt besonders stark in die Umgebung ab. "Straßenlaternen sind die größten Lichtverschmutzer in der Stadt – sie strahlen in alle Richtungen", sagt Günther Martello, Obmann der Johannes Kepler Sternwarte. Am Linzer Freinberg wird der zunehmend hellere Nachthimmel seit Jahren genau beobachtet.

Sicherheitsfaktor Licht

Das Licht in der Nacht trägt wohl auch zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl der Stadtbewohner bei. Dabei besteht hier nicht unbedingt ein Zusammenhang, wie das Beispiel Südafrika zeigt: "Kapstadt gilt als eine der hellsten Städte der Welt und hat gleichzeitig eine der höchsten Kriminalitätsraten", so Heribert Kaineder, Abteilung Umweltschutz vom Amt der OÖ Landesregierung. Einbrüche werden etwa durch Alarmanlagen oder sichtbare Überwachungskameras besser abgeschreckt als durch dauernd brennendes Kunstlicht.
"Betriebsgebäude und Parkplätze die ganze Nacht über zu beleuchten, macht wenig Sinn. Wenn jemand nachts mit dem Lkw vorfährt, denken sich Passanten wohl eher: ,Aha, da ist noch jemand fleißig.' Eine Taschenlampe in einem abgedunkelten Verkaufsraum erregt viel mehr Aufsehen", sieht Kaineder hier einen Denkfehler. Die unnatürliche Beleuchtung wirkt sich auch auf den Menschen aus. Das hellweiße Licht hemmt die Produktion des Hormons Melatonin. Dadurch wird der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus gestört. Umgekehrt bekommen die Linzer tagsüber im Gebäudeinneren zu wenig Licht ab. Zudem irritiert das nächtliche Licht Umwelt und Tiere. Die Beleuchtung zieht nachtaktive Insekten wie Nachtfalter an. Geschätzt fallen jeder Straßenlaterne pro Nacht in etwa 150 Insekten zum Opfer. Vögel reagieren auf die längeren Lichtphasen mit veränderten Brutzeiten.

Lichtüberflutung steigt weltweit

Weltweit steigt die Lichtverschmutzung um zwei bis vier Prozent im Jahr. Derzeit sind wir schon froh, wenn sie im Zentralraum nicht zunimmt", sagt Kaineder. Land und Bund wollen den Entwicklungen gegensteuern. In Oberösterreich wird das Ausmaß der Lichtüberflutung seit 2014 an 23 Messstationen dokumentiert. Der erarbeitete Leitfaden "Licht, das mehr nützt als stört" soll Planern und Entscheidungsträgern in Gemeinden bei der Umrüstung der Aussenbeleuchtung helfen. Das oft verbaute blau-weiße Licht der LED-Straßenlampen strahlt besonders stark. "Im Wohnbereich sind mittlerweile fast nur mehr warm-weiße LED-Lampen zu kaufen. Diesen Trend wünschen wir uns auch für die Außenbeleuchtung", sagt Kaineder. Die Lichtkegel sollen Richtung Boden abgeschirmt werden. 

Bessere Beleuchtung in der smarten Stadt

"Licht nur da, wo es unbedingt benötigt wird", so der Leitgedanke bei der Eindämmung der Lichtverschmutzung. Die "Smart City", die vernetzte und intelligente Stadt, könnte helfen, diesem Ziel schon bald näher zu kommen. In naher Zukunft könnten intelligente Bewegungssensoren und vernetzte Straßenlaternen das Kunstlicht weiter eindämmen. Die Stadt Linz hat gemeinsam mit dem IT-Technologieunternehmen Cisco und dem Leuchtenhersteller Tvilight 2017 ein Pilotprojekt gestartet. Bewegungssensoren passen die Straßenbeleuchtung an, wenn Fußgänger, Radfahrer oder Autos sich nähern. Umgekehrt wird das Licht gedimmt, wenn sich keine Verkehrsteilnehmer in der Umgebung aufhalten. Auch eine Anpassung an die Wetterlage ist geplant. Möglich werden soll das durch "Big Data". Dazu müssen zahlreiche Sensoren in der Stadt verteilt werden. Die Messdaten laufen in einem Kontrollzentrum zusammen. Von dort aus erfolgt das Verkehrs- und Lichtmanagement in Echtzeit. Der effektivere Einsatz der Ressource Licht kann zu weniger Lichtverschmutzung beitragen. Zudem wird Energie eingespart. Im Stadtteil "Grüne Mitte" ist ein solches sensorgesteuertes Beleuchtungskonzept von Straßen, Wegen und Parks bereits in Betrieb.

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