Menschen im Gespräch
Walter Schuster: "Man kann aus der Geschichte lernen"

Walter Schuster ist Direktor des Archivs der Stadt Linz.
  • Walter Schuster ist Direktor des Archivs der Stadt Linz.
  • Foto: Archiv der Stadt Linz
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Wir haben mit dem Linzer Chef-Archivar über Digitalisierung, Schätze und das Wegwerfen gesprochen.

Sie sind seit 2004 Direktor des Archivs der Stadt LinzWas fasziniert Sie persönlich an Geschichte?
Walter Schuster: Geschichte ist wichtig für das heutige Verstehen von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Und: Man kann tatsächlich aus der Geschichte lernen und ist nicht dazu verdammt, Fehler immer wieder neu zu begehen.

Tun Sie sich privat schwer damit, etwas wegzuwerfen?
Eine der Hauptaufgaben des Archivs ist, das nicht Erhaltenswürdige auszuscheiden und zu vernichten. Insofern tue ich mich beruflich, aber auch privat nicht schwer, Dinge wegzuwerfen.

Wie entscheiden Sie, was archiviert wird und was nicht?
Das ist ein gut dokumentierter und nachvollziehbarer Prozess. Zu den Anforderungen jener, die uns Akten, Fotos oder anderes übergeben, kommt unsere eigene Bewertung, die die rechtliche und historische Bedeutung der Unterlagen bestimmt.

Hätten Sie gerne mehr Platz für das Archiv?
Ja, auf jeden Fall! Unser Archiv im Neuen Rathaus ist nach mehr als 30 Jahren an der Grenze der Kapazitäten angelangt.

Was wird außer Schriftstücken noch alles archiviert?
In unserem Archiv finden sich außer klassischen Papierakten auch Pläne, Plakate, Fotos, Tonträger bis hin zu modernen Datenträgern. Es ist nicht Aufgabe eines Archivs, Gegenstände zu sammeln – dafür sind die Museen zuständig. Trotzdem befinden sich in unserm Archiv auch dreidimensionale Archivalien wie etwa Siegel, aber auch die Gastgeschenke von Partnerstädten.

Wie viele Ihrer Archivbestände sind bereits digitalisiert?
In erster Linie haben wir die Digitalisierung der Urkunden, der Fotosammlung und der Pläne vorangetrieben. Hauptsächlich deswegen, weil diese Bestände unter der Benützung im Original stark gelitten haben. Auch die historischen Filme und Tonträger wurden digitalisiert, weil die Haltbarkeit sehr beschränkt ist und auch nicht mehr alle Abspielgeräte vorhanden waren.

Was sind die bedeutendsten Archivalien im Stadtarchiv?
Ein besonderer Schatz sind unsere mittelalterlichen und neuzeitlichen Urkunden, die allein schon durch das Material, die kunstvolle Ausfertigung und das Siegel einen eigenen Wert repräsentieren. Darunter stechen natürlich diejenigen hervor, in denen der Stadt besondere Privilegien verliehen werden, so etwa jene Urkunde aus dem Jahr 1490, in der Linz erstmals als Landeshauptstadt genannt ist.

Gibt es auch besonders skurrile Dinge in Ihrem Archiv?
Vielleicht nicht unbedingt skurril, aber besonders interessant sind die Bürgermeistergeschenke, also Gastgeschenke, die die Linzer Bürgermeister zum Beispiel von Partnerstädten erhalten haben. Da ist vom Pfeil und Bogen bis zum Schwert so manches dabei.

Was sind die ältesten Dokumente im Archiv?
Die ältesten Unterlagen stammen aus der Zeit um 1300, es handelt sich dabei um Urkunden. Die ersten Akten und Handschriften sind aus dem Spätmittelalter – 14. bis 15. Jahrhundert – überliefert.

Kann jeder einfach ins Archiv kommen und wertvolle Dokumente einsehen?
Prinzipiell kann jeder kommen und selbst forschen. Die wertvollsten Dokumente können allerdings nur in digitalisierter Form – und nicht im Original – benutzt werden. Vereinzelt zeigen wir Originale – unter strengen Auflagen – in Ausstellungen oder bei Archivführungen, für die man sich bei uns anmelden kann.

Ist das Gedenkjahr 2018 auch für das Stadtarchiv ein besonderes Jahr?
Das Gedenkjahr war für uns natürlich eine vielfältige Herausforderung: zwei Ausstellungen, ein Buch, viele neue Webseiten und eine große Anzahl an Anfragen. Dabei konnten wir auch wirklich neue Erkenntnisse präsentieren wie zum Beispiel eine Zeitzeugin, die den Brand der Synagoge 1938 im Inneren des Gebäudes miterlebt hatte.

Autor:

Christian Diabl aus Linz

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