04.04.2017, 16:27 Uhr

Spaß und Erfolg – die perfekte Kombination

Acht Sibiran Huskys spannt Rachbauer vor den Schlitten. Sie sind die Schnellsten der anerkannten Schlittenhundrassen. (Foto: Foto: pirvat)

Der Weltmeister im Hundeschlitten-Rennen spricht über Schwierigkeiten, Ziele und Motivation.

UTZENAICH (gasc). Karl Rachbauer ist Musher: Er fährt Hundeschlitten-Rennen. Mit seinem Team hat er im italienischen Trentino erneut den Weltmeister-Titel geholt.

Hundeschlittenfahren ist nicht der alltäglichste Sport. Wie kommt man darauf?
Ich habe früher viel Fußball gespielt, auch in Vereinen. Dann kam das Alter, in dem man mit dem Fußball aufhört. Damals hatte ich schon ein oder zwei Hunde. Ich wollte trotzdem sportlich bleiben und fing an zu züchten. Mittlerweile fahre ich seit 20 Jahren Hundeschlitten-Rennen, habe ein großes Hunde-Team und 2000 Quadratmeter Waldgrund, auf dem sind ihr Gehege und ihre Hütte.

Wie schafft man es, Training, Rennen und Berufstätigkeit zu vereinbaren?
Da muss man schon viele Opfer bringen. Aber das ist eine Lebenseinstellung, man lebt nur für das. Es muss einem liegen, dass man bei jedem Wetter nach der Arbeit noch Stunden mit den Hunden unterwegs ist, ihnen Suppe gibt, sie einspannt und trainiert. Von Oktober bis März kommen an Wochenenden noch die Rennen dazu.

Wer bringt die Leistung? Der Musher oder die Hunde?
Wir sind immer ein Team. Da gibt es nicht Hund oder Mensch, das muss zusammenspielen. Aber natürlich trainiere ich auch, wir legen bis zu 400 Höhenmeter zurück, da muss man fit sein. Der Schlitten erreicht bergab 30 km/h und ich stehe dabei auf vier Zentimeter breiten Kufen – da kostet das Lenken Kraft. Trotzdem ist und bleibt es ein Mannschaftssport. Es ist das Schönste, wenn man einen selbst gezüchteten Hund vor seinem Schlitten hat, der dann noch große Erfolge einfährt und Spaß dabei hat.

Wie motiviert ihr euch vor einem Rennen?
Einen Sibirian Husky muss man nicht motivieren. An Renn-Tagen spüren die schon bei der Hinfahrt, was los ist. Die sind automatisch top drauf. Der Musher nicht immer, aber spätestens beim Einspannen kommt die Motivation. Ich bin nach 20 Jahren immer noch nervös vor Rennen, aber das ist ein Adrenalinschub, den man braucht.

Welche Ziele bleiben nach zwei Weltmeistertiteln noch?
Vielleicht einmal ein großes Übersee-Rennen. Dort gibt es viele Langstreckenrennen und mich fasziniert die Ausdauer, die Leistung, die ein Hund da bringt. Wir sind zwar viel untergwegs, aber nur europaweit. Alles was man mit dem Auto erreicht. Aber es ist nach wie vor ein Traum. Wenn man Arbeiten geht, ist das nicht möglich. Man müsste sich dort erst einmal einen Monat akklimatisieren und Qualifikationsrennen fahren, das kostet viel Zeit. Und mit so vielen Hunden zu fliegen, ist auch finanziell ein großer Aufwand.

Ist Doping auch im Hundesport ein Thema?
Ja, ganz massiv. Ich hatte schon dreimal eine Dopingkontrolle. Das ist wie im Spitzensport. Es gibt Dopinglisten und Tierärzte, die Hunde auswählen und sie durchtesten. Auf diesen Listen stehen auch Kaffee, Parkemed oder falsches Zusatzfutter – die Hunde werden gefüttert wie Spitzensportler. Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, brauchen sie Elektrolyte. Wer dopt, wird für zwei Jahre gesperrt, auch von allen Verbänden. Und das ist richtig so. Denn ein Hund kann sich nicht wehren, wenn du ihm irgendetwas reinstopfst. Außerdem ist das Beste einfach gutes Futter, gutes Fleisch und viel Training.

Kann man für den Hundeschlitten zu alt werden?
Die besten Musher sind meist älter, weil sie erfahrener sind – auch in der Zucht. Solange ich gesund und fit bin, mache ich weiter. Spaß habe ich jetzt mit 53 sicher noch genug.
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