Handel: Die Mariahilfer Straße im Umbruch

Die Mariahilfer Straße ist im Umbruch. Shops ziehen aus, andere folgen nach.
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  • hochgeladen von Sabine Ivankovits

MARIAHILF/NEUBAU. Vor allem das leer stehende Gebäude von Forever 21 fällt auf. Immerhin wurde hier auf drei Stockwerken Mode für Junge und Junggebliebene verkauft. Betten Reiter ist in den Stafa Tower gezogen und macht demnächst die Filiale beim Gerngross dicht. Der Abverkauf läuft. Auch das Damenmodengeschäft Promod hat seinen Standort in der Einkaufsstraße geschlossen. Aus wirtschaftlichen Gründen, wie von einer Mitarbeiterin zu erfahren ist. Es ist anzunehmen, dass die Schließung mit der Insolvenz von Promod in Deutschland zu tun hat.

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Seit Herbst hat das ehemalige Generali Center unter dem neuen Namen "Mahü77" wieder eröffnet. Was nicht alle freut: Anstatt vieler kleiner Shops gibt es nur noch drei große – das Schuhgeschäft CCC, das Modegeschäft TK Maxx sowie den Supermarkt Eurospar. Und auch das Haus, in dem einst Slama untergebracht war, wird renoviert. Es gehört der Ärztekammer Wien. Wer einzieht, wird noch nicht verraten. "Ein Teil der Fläche ist bereits vergeben. Allerdings haben wir noch Stillschweigen vereinbart", so Franz Hirtzi, Finanzdirektor der Ärztekammer.

Zu hohe Mieten?

Es wird spekuliert, dass hohe Mietpreise Schuld am Auszug großer Ketten tragen könnten. Die Mieten in der inneren Mariahilfer Straße betragen zwischen 40 und 120 Euro pro Quadratmeter im Monat. So müssen zukünftige Mieter im ehemaligen Slama-Gebäude für 4.250 Quadratmeter insgesamt 282.358 Euro Miete bezahlen. Das ergibt einen Mietpreis von etwa 66,5 Euro pro Quadratmeter – und liegt damit im Durchschnitt. Am Kohlmarkt gibt es die höchsten Mietpreise in Wien, diese bewegen sich in einer Höhe von 210 bis 400 Euro pro Quadratmeter. Ein weiteres Beispiel: Für ein Geschäftslokal in der Neubaugasse werden 20 bis 65 Euro pro Quadratmeter fällig. In anderen europäischen Hauptstädten liegen die Mietpreise oft höher als in Wien.

Neubaus Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger (Grüne) nimmt an, dass zum Teil tatsächlich die hohen Mieten an den Shop-Schließungen schuld sind. "Allerdings kommen die Geschäfte in der Mariahilfer Straße zu 70 Prozent aus der Bekleidungsbranche, da ist modebedingt immer ein Wandel. Bei Forever 21 war absehbar, dass er schließt, hat doch erst vor etwa einem Jahr in München eine Filiale geschlossen", so Blimlinger.

Oft wird auch der Umbau der Mariahilfer Straße zur Begegnungszone als Grund für das Abwandern von Geschäften genannt. Als ein Negativbeispiel für den Handel sieht Hans Arsenovic, Landessprecher der Grünen Wirtschaft sowie Vizepräsident der Wirtschaftskammer Wien, die Mariahilfer Straße nicht. "Man soll nicht immer alles schlechtreden."

Umbruch im Handel

"Es gibt einen generellen Umbruch im Wiener Handel, davon ist nicht nur die Mariahilfer Straße betroffen. Die schlechteren Umsatzergebnisse haben viel mit dem Onlinehandel zu tun und nicht damit, dass man nun nicht mehr mit dem Auto kommen kann. Obwohl es ja genug Parkgaragen gibt. Das Zielpublikum von Forever 21 waren junge Leute, die sind sowieso nicht mit dem Auto gekommen, das hat nichts mit der Fußgängerzone zu tun", so Arsenovic.

Umfragen haben laut Arsenovic ergeben, dass die Zufriedenheit der Passanten und Anrainer hoch ist. "Es ist ein toller Boulevard, wo man gerne spazieren geht. Auch die Geschäftsleute sind hier zufriedener als im Rest von Wien. Ich wäre glücklich, wenn ich hier eine Filiale meiner Sonnenstudios eröffnen könnte. Aber man muss sich natürlich Strategien überlegen und neue Ideen finden, vor allem was die Erdgeschoß-Zonen betrifft, wenn sie leer sind", so Arsenovic. Beispiele dafür gibt es auch bereits in der Mariahilfer Straße. So mietete sich im vergangenen Jahr ein Caritas-Geschenkeshop in der Mariahilfer Straße ein. Erhältlich sind dort Geschenke mit sozialem Mehrwert. Geplant war dessen Öffnung eigentlich bis Ende Jänner, der Shop geht nun aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wegen des großen Erfolgs in die Verlängerung.

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