Top-Investor warnt: Der Klimawandel ist für die Finanzmärkte eine Gefahr
- Gerald Hörhan: "Der Mensch verlernt durch die Digitalisierung das selbstständige Denken. Das ist gefährlich für die Demokratie. Am Ende entscheiden Algorithmen, wen wir wählen."
- Foto: Österreichische Hagelversicherung
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Worin besteht die größte Gefahr für die internationalen Börsen und damit für die Weltwirtschaft? "Im Klimawandel", sagt Gerald Hörhan." Erst im Vorjahr hat ein Hurrikan in der texanischen Metropole Houston Schäden in Höhe von 125 Milliarden Dollar angerichtet. Man könne sich ausmalen, so Hörhan, was geschen würde, wenn ein solcher Hurrikan Manhatten, das Zentrum der globalen Finanzwelt, lahmlege.
Gerald Hörhan ist der Investment-Punk
Der gebürtige Wiener Hörhan kennt sich aus in der globalen Finanzwelt. Er studierte an der Harvard University Mathematik und Wirtschaft. Danach war er Analyst bei der Großbank JPMorgan Chase in New York und Berater bei McKinsey in Frankfurt.
Seit 2003 ist er sein eigener Herr als Investor, Buchautor und Vortragender. Bei Auftritten, wie unlängst beim "Nachhaltigkeitsfrühstück" der Hagelversicherung in Wien, kleidet er sich alternativ, weshalb der Millionär Hörhan auch als "Investment-Punk" bezeichnet wird.
Immobilien sind noch immer top
Immobilienkäufern rät Hörhan, sich genau anzusehen, ob die Immobilie nicht in einer klimatisch exponierten Lage liege. Und warum? "In Houston sind die Immobilienpreise seit dem Hurrikan jedenfals um 35 Prozent gesunken. Das erklärt wohl alles." Freilich: Immobilien sind für Hörhan nach wie vor der beste Anlagetipp.
Wer aber gerne spekuliert, solle in Werte investieren, die gerade um 50 bis 60 Prozent gefallen sind. Zum Beispiel also Kryptowährungen, die nach unten gehen. Aber haben Kryptowährungen eine Zukunft? "Das wird die nächste Finanzkrise zeigen", so Hörhan zu den Regionalmedien Austria.
"Die Zukunft ist digital"
Eines ist für ihn aber klar: die Zukunft ist digital. Die Macht werde bei IT-Spezialisten und Data-Experten sowie bei den Besitzern der großen digitalen Konzerne liegen. Weshalb man laut Hörhan auch in digitale Werte investieren solle.
Doch Hörhan sieht auch Gefahren. "Der Mensch verlernt durch die Digitalisierung das selbstständige Denken. Das ist gefährlich für die Demokratie. Am Ende entscheiden Algorithmen, wen wir wählen."
"Bildung ist der Schlüssel"
Dieser Gefahr könne man nur durch Bildung begegnen. „Bildung und Digitalisierung sind Schlüsselfaktoren. Wer sich nicht für die digitale Ökonomie interessiert, wird auf das Abstellgleis kommen. Und für Staaten gilt: Wenn man Geld hat, kann man eine Schule bauen oder in Rüstung investieren. Leider geben viele Staaten der Rüstung den Vorzug. Sie sollen aber besser die jungen Leute auf die New Economy vorbereiten und Schulen bauen.“
Kurt Weinberger, Gastgeber und Chef der Hagelversicherung, sieht den Klimawandel ebenfalls als Gefahr für die Wirtschaft. "Die Wetterextreme der letzten Jahre und die dramatische Bodenversiegelung in Österreich führen uns deutlich vor Augen, dass wir mehr Kapital für das Klima aufwenden müssen."
Wirtschaftskrise durch Naturkatastrophe
Laut EU-Kommission, so Weinberger, müssen jährlich rund 180 Milliarden Euro zusätzlich und ökologisch investiert werden, wenn Europa seine für 2030 gesetzten Klimaziele erreichen wolle. Und wann kommt die nächste Finanzkrise, fragen wir Hörhan? "Das weiß ich nicht. Aber ausgelöst wird sie sehr wahrscheinlich durch eine Naturkatastrophe werden."
Redaktion: Wolfgang Unterhuber
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