Mission Monte-Carlo 26
Im 100 Jahre alten Auto geht's von Brunn bis Monaco
- Ende August geht's los: Mit dem 100 Jahre alten Avis Type 3 fährt Robert Krickl bis Monte Carlo.
- Foto: Hirss
- hochgeladen von Rainer Hirss
Ende August begibt sich der Brunner Robert Krickl mit einem 100 Jahre alten Avis Type 3 auf die weite Fahrt bis Monte-Carlo.
BEZIRK MÖDLING. Alles begann damit, dass Robert Krickl, in Brunn am Gebirge stark verwurzelter (und historisch interessierter) Erdwissenschafter und seit jeher auch motorbegeistert, sich intensiv mit der Geschichte der Avis Flugzeug- und Autowerke beschäftigte, die einst in Brunn ihren Sitz hatten: "Es hat mir in der Seele weh getan, wie sehr sowohl die erste Flugzeugfabrik Österreichs, die wichtige Pionierarbeit in der Technik geleistet hat, als auch dieses Automodell in Vergessenheit geraten sind", erzählt Krickl.
So machte er sich auf die Suche nach dem Avis Type 3, der einst als erster leistbarer Wagen für das Volk galt, das Straßenbild in der Zwischenkriegszeit prägte und auch ein Symbol für die Demokratisierung des Automobils war. Krickl ging dabei auch vielen Hinweisen nach, die sich als falsch erwiesen, bis es schließlich so weit war: "Als ich dann tatsächlich in einer Scheune in den Schweizer Alpen, dieses mit Spinnweben überzogene Modell, ein rostiges Gerippe, gefunden habe, war das der Moment meines Lebens. Mir war klar, dass ich dieses Modell retten muss."
- Die Stresstests hat der Avis problemlos bestanden, die 100 Jahre alte Technik hält.
- Foto: Hirss
- hochgeladen von Rainer Hirss
Gesagt, getan: In mühsamer Detailarbeit (Krickl: "Hier stecken auch alle meine Ersparnisse drin") wiederhergestellt, steht das Fahrzeug Baujahr 1926, an dem auch nach aufwendiger Restaurierung rund 80 Prozent tatsächlich 100 Jahre alt sind, fahrbereit in einer Garage im Brunner Gewerbegebiet und wartet auf seine große Fahrt: Ende August geht es von hier bis nach Monte-Carlo.
"Besser spät, als nie"
Die geplante Fahrt ist aber kein simpler Ausflug, sondern hat sowohl eine Vorgeschichte als auch eine Mission dahinter: "Im Zuge meiner Recherchen bin ich auch auf die Geschichte gestoßen, wie im Jänner 1926 die Avis Werke erstmalig ein österreichisches Werksteam zur Rallye Monte-Carlo entsenden wollten. Damals scheiterte man wegen höherer Gewalt, Schneemassen in Italien machten eine Weiterfahrt unmöglich", erzählt Krickl. Der Versuch wurde nie wiederholt - bis jetzt.
- Enger Arbeitsplatz: Bei Schlechtwetter wird aus Sicherheitsgründen pausiert.
- Foto: Hirss
- hochgeladen von Rainer Hirss
Am 25. August geht es zunächst im Rahmen einer Verabschiedungsfahrt über St. Pölten nach Wien, tags darauf dann Richtung Süden. In Tagesetappen von rund 200 km soll der Avis über Gloggnitz, Villach, durch Italien und ab Genua die Küste entlang bis Monaco kommen, wo man frühestens am 4. September eintreffen könnte: "Mehr als 50 km/h werden wir nicht fahren, bei Schlechtwetter bleibt das Auto aus Sicherheitsgründen stehen", erzählt Krickl. Deswegen und auch für mögliche technische Defekte habe man auch einen Puffer eingeplant, und wenn alles gut geht, wird der Avis im Zuge eines offiziellen Empfangs am 9. September in Monte-Carlo feierlich begrüßt werden.
- Einzelstück: Beim Type 3 handelt es sich wenig überraschend um die erste Zulassung eines Avis in diesem Jahrhundert.
- Foto: Hirss
- hochgeladen von Rainer Hirss
Auf der Fahrt gilt aber auch das Motto "Der Weg ist das Ziel": Unterwegs möchte man möglichst viele Menschen treffen und für das Projekt begeistern, und dabei auch auf die Geschichte des Avis und der vergessenen Werke aufmerksam machen. "Wir haben vor, immer eine Stunde zu fahren und dann eine Stunde zu stehen", so Krickl, für den das Auto in den kommenden Wochen auch eine Art mobiles Pop-Up-Museum ist: "Meine Hauptmotivation ist, das Auto bekannt zu machen. Die ganze Geschichte der Werke und des Modells ist so inspirierend, auch für die Jugend, der man sagen kann: Vor 100 Jahren haben eure Vorfahren in einer alles andere als einfachen Zeit Großartiges geschaffen. Man muss nicht immer nach Übersee schauen, um Vorbilder in Sachen Technik zu finden".
Die Fahrt, die im Zuge eines Crowdfundings auch in Form von Kilometerpatenschaften (Infos auf https://avis-werke.at/) unterstützt werden kann, wird auch genau dokumentiert, zudem fungiert der Avis auch als 100-jähriges Postamt, werden doch Briefe nach Italien, Frankreich und Monaco mitgenommen. Auch will man unterwegs Tondokumente sammeln und Begegnungen mit den Menschen aufnahmen und in einem Audiotagebuch für die Nachwelt dokumentieren: "Am besten aus jedem Ort, an dem wir Halt machen, eine Botschaft", hofft Krickl unterwegs auf viele Interessierte.
Auto ist startklar
Der Avis ist einstweilen startklar für seine große Mission, auf der 2026 unter Beweis gestellt werden soll, was auch 1926 schon möglich gewesen wäre: "Wir haben auch während der extremen Hitze vergangene Woche eine Testfahrt gemacht und sind eine Stunde gefahren, und haben dabei auch die Temperatur genau überwacht, die uns grundsätzlich die größten Sorgen machen würde, da es im Auto keinerlei Pumpen gibt. Der Stresstest hat uns aber in keinen Bereich gebracht, der uns Sorgen bereiten müsste", berichtet Krickl.
Alle Infos zum Projekt und die Möglichkeit, die Fahrt im Blog zu verfolgen gibt es unter
https://avis-werke.at/mission-monte-carlo-26
Das könnte dich ebenfalls interessieren:
Aktuelle Nachrichten aus Niederösterreich auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.