Ur europäisch: Mit Prinzen und Poetry Slammern Sprache feiern

Europa-Expertin Katharina Moser macht sich für die bz - Wiener Bezirkszeitung regelmäßig auf die Spuren europäischer Länder in Wien.
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  • Europa-Expertin Katharina Moser macht sich für die bz - Wiener Bezirkszeitung regelmäßig auf die Spuren europäischer Länder in Wien.
  • hochgeladen von Christoph Schwarz

Kennen Sie Worte, die nur in einer Sprache existieren? "Torschlusspanik" zum Beispiel oder "Nuance". Wussten Sie, dass weltweit 6.000 bis 7.000 Sprachen gesprochen werden, aber nur drei Prozent davon in Europa? Oder dass in Wien mehr als 100 Sprachen zu Hause sind?

Der EU ist die Vielfalt an Sprachen wichtig. Darum wird am 26. September der "Europäische Tag der Sprachen" gefeiert. Im Haus der EU gibt es bis dahin eine Ausstellung zu einem der meistübersetzten Bücher der Welt: dem "Kleinen Prinzen" von Antoine de Saint-Exupéry. "Es gibt ihn in 250 Übersetzungen", sagt Achim Braun, Sprachenbeauftragter der EU-Kommission in Wien, "darunter sogar Kölsch oder Niederösterreichisch". Sprachen faszinieren ihn, denn sie ermöglichen einem, "in eine andere Welt einzutauchen, eine zweite Haut anzunehmen".

Diese Faszination teilt er mit Henrik Szanto und Jonas Scheiner, für die die deutsche Sprache Arbeit und Leidenschaft geworden ist. Mit bundesdeutschem Zungenschlag sind die beiden eines der bekanntesten Duos der Wiener Poetry-Slam-Szene. Ihr Kulturkollektiv FOMP bietet jenen eine Bühne, die als Dichter in Wettstreit treten wollen. Bei Poetry Slams ist es keine Seltenheit, dass an einem Abend drei, vier Sprachen zu hören sind oder Texte synchron übersetzt werden.

Ein Bier in sechs Sprachen

Selbst sprechen die beiden – gemeinsam – fünfeinviertel Sprachen. "Das Viertel ist Französisch, das sitzt noch nicht perfekt." Dafür kann Henrik in sechs Sprachen Bier bestellen und Jonas auf Türkisch, Griechisch und Russisch schimpfen. Henrik ist als Sohn eines Ungarn und einer Finnin in Deutschland dreisprachig aufgewachsen und entdeckt durch Sprache sogar neue Seiten an sich selbst – er wird ruhiger, wenn er Ungarisch spricht. Jonas weiß als Deutsch-Österreicher, mit Unterschieden in derselben Sprache umzugehen und erklärt deutschen Freunden oft, warum es nicht "schnell" bedeutet, wenn man sich in Wien etwas "fix" ausmacht.

Letztlich lohnt es bei all den Wirrungen zum Thema Sprache, doch noch einmal den "Kleinen Prinzen" zu lesen. Denn der weiß: "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Und das ist, wie Achim Braun es versteht, Beruhigung und Aufforderung zugleich: "Denn eine Sprache, die wir alle verstehen, ist die des Herzens."

Hintergrund:

Am 26. September lädt das Haus der EU (1., Wipplingerstraße 35) ab 16 Uhr zu Kinderprogramm und Lesung: "Der kleine Prinz – Eine Reise durch Europas Sprachenvielfalt". Die Ausstellung läuft bereits jetzt.

Am 6. Oktober findet ab 20 Uhr die Lesebühne "Bilder _Bücher_Bühne" in der Drahtwarenhandlung (7., Neustiftgasse 57–59) statt.

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