Ur europäisch: Weit gereiste Teigtascherl

Europa-Expertin Katharina Moser macht sich für die bz - Wiener Bezirkszeitung regelmäßig auf die Spuren europäischer Länder in Wien. | Foto: Andreas Edler
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Ihre Mutter hat immer gesagt: "Lieber ein Gramm Glück als ein Kilo Hirn." Wanda Piotrowski hält es da schon verbindlicher: Im Leben brauche man beides.
Seit den 1980ern ist sie eine von heute 54.000 Polen in Österreich. Mit viel Hirn und vielleicht ein wenig Glück hat sich die Chemikerin hier einen kleinen Laden aufgebaut, der heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert. Ihre Liebe zu Wien unterstreicht sie mit einem breiten Lächeln: "Meine Heimat ist dort, mein Zuhause ist hier."

In dieses Zuhause hat sie ein spezielles Kulturgut mitgebracht: Pierogi. Die halbmondförmigen Teigtaschen bereitet sie in Handarbeit nach dem Rezept der Großmutter zu: mit einer Füllung aus Kartoffeln, Zwiebeln und Topfen, kurz aufgekocht und serviert mit Sauerrahm und Kräutern. Im Sortiment führt sie auch Varianten mit Spinat oder Mozzarella bis hin zu süßen Nuss- oder Mohnfüllungen. Eingefärbt in Rote-Rüben-Saft auch gerne mal in Pink.

So extravagant waren die Anfänge der polnischen Nationalspezialität wohl nicht. Diese stammt tatsächlich aus China und fand von dort ihren Weg in unterschiedliche Regionen. So reagiert Piotrows-ki alles andere als pikiert, wenn man ein Déjà-vu eingesteht. Ja, im Grunde seien Pierogi dasselbe wie Kärntner Kaasnudeln, Tiroler Schlutzkrapfen oder italienische Ravioli – mit anderer Füllung. Völkerverständigung scheint durch den Magen zu gehen. Wie bei dem Paar, das zu ihren Stammkunden gehört. Die beiden Amerikaner haben einen Favoriten im Sortiment: Pierogi russischer Art.

Ihre Mutter kann stolz sein: Bei Wanda Piotrowski gibt es gleich ein paar Gramm Glück, in Form von leckeren Teigtaschen. Und nicht stattdessen, sondern obendrauf mindestens ein Kilo Herz.

Nachgefragt

Einzigartiges Wien:
"Wien hat so einen Respekt für Altes, aber steht gleichzeitig immer mit einem Fuß in der Moderne."

Ur weanarisch:
"Gemma ham! – Damit wusste ich am Anfang gar nichts anzufangen."

Heimweh:
"Polen schmeckt anders. Es ist ein Bioland. Man benützt nicht so viel Düngemittel. Da schmeckt die Gurke oder die Tomate natürlicher. Wie damals. Ich bin immer auf der Suche nach diesem ursprünglichen Geschmack."

Fürs Vokabelheft:
Smacznego = Guten Appetit!

Europa-Expertin Katharina Moser macht sich für die bz - Wiener Bezirkszeitung regelmäßig auf die Spuren europäischer Länder in Wien. | Foto: Andreas Edler
Experimentierfreudig: Wanda Piotrowski führt bei "Piotrowski Brötchen & Pierogi" (1., Schwertgasse 2) Pierogi in allen Variationen. | Foto: Piotrowski
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