09.10.2017, 08:53 Uhr

Steine der Erinnerung: Niemals vergessen am Neubau

Victor Kormes lebte in dem Haus, in dem heute Thomas Kreuz wohnt. Kormes wurde im kroatischen KZ Jasenovac ermordet. (Foto: Daniel Klingler)

Für die von den Nazis aus der Westbahnstraße deportierten und ermordeten Juden wurden "Steine der Erinnerung" gesetzt.

NEUBAU. Eigentlich seien es "unscheinbare Steine im Boden, aber wenn sie einmal aufgefallen sind, dann regen sie zum Nachdenken an", ist sich Thomas Kreuz sicher. Er ist der Initiator hinter den 30 neu gesetzten "Steinen der Erinnerung" am Neubau. 42 Namen von Menschen, die während des Nationalsozialismus aus der Westbahnstraße deportiert wurden, kann man seit vergangener Woche vor 14 Häusern lesen. Und diese Namen sind wichtig: "Wir wissen, dass sechs Millionen Juden in Europa von den Nazis getötet wurden. Aber das ist eine anonyme Zahl", so Kreuz. Geschichte mit Geschichten verbinden, das sei ein zentraler Gedanke seiner Recherchen gewesen.

Angefangen hat er in dem Haus, in dem er selbst wohnt und auch sein Geschäft Wauwau Pfeffermühlen betreibt. "Ich wollte wissen, ob es hier im Haus Opfer gegeben hat." Einerseits aus historischem Interesse, andererseits auch aus aktuellem Anlass: "Viele Menschen wählen aus Protest rechte Parteien. Man muss im Auge behalten, was sich da entwickelt." Und eine Möglichkeit, zu thematisieren, wohin das Vertrauen in jene, die Nationalismus und Ausgrenzung schüren, führen kann, sei eben, mithilfe der Steine an die Vergangenheit zu erinnern. Ganz einfach habe sich die Recherche nicht gestaltet, erzählt Kreuz.

Recherche nicht abgeschlossen

Eine wichtige Quelle sei die Datenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) gewesen, aber auch der Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus und der "Lehmann" (Wiener Adressbücher von 1859 bis 1942, Anm.). Und auch, wenn dabei 42 Namen von Jüdinnen und Juden, die bis zu ihrer Deportation in der Westbahnstraße gewohnt haben, herausgefunden werden konnten – "die Recherche ist nicht abgeschlossen". Deshalb seien die Steine auch ein bisschen als Aufruf für weiterführende Nachforschungen gedacht. Aber auch als Anreiz für andere, selbst zu recherchieren und Steine zu setzen, wobei der Verein "Steine der Erinnerung" unter die Arme greift.

Unterstützt hat Kreuz auch der Bezirk Neubau, der neben dem Nationalfonds und dem Zukunftsfonds ein Drittel der Kosten übernommen hat. Kein Wunder, war der Neubau nach der Leopoldstadt vor dem Zweiten Weltkrieg doch jener Bezirk mit dem höchsten Anteil jüdischer Bewohner – deren Geschichte niemals vergessen werden darf.
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