Ottakring
Künstlerin Martina Gasser spielt mit dem Vertrauten
- Die Künstleri Martina Gasser in ihrem Atelier.
- Foto: Ipirotis/MeinBezirk
- hochgeladen von Lukas Ipirotis
In ihrem Atelier in der Neulerchenfelder Straße 56 schafft die Künstlerin Martina Gasser Werke, die von der Fotografie inspiriert sind. Ihre Gemälde versuchen jedoch, das uns Vertraute, humorvoll auf den Kopf zu stellen.
WIEN/OTTAKRING. Wie viele bunte Punkte sich auf der ehemals weißen Wand befinden, ist schwer auszumachen. Was die Farbkleckse in Martina Gassers Atelier in der Neulerchenfelder Straße 56 jedoch beweisen, sind Jahre des künstlerischen Schaffens.
Die gebürtige Innsbruckerin lebt seit 1995 in Wien. Zunächst als ausgebildete Fotografin tätig, hat sie an der Akademie für bildende Künste ihre Liebe zur Malerei entdeckt. Doch noch heute sind ihre Werke geprägt von ihrer ursprünglichen Ausbildung. "Man sieht, dass Fotos als Vorlagen für die Bilder dienen, die ich male und gewisse fotografische Perspektiven, in die gemalten Bilder miteinfließen", weiß die Künstlerin.
Aufgebrochener Realismus
In ihren Gemälden lassen sich fotografische Kniffe wie Linsentechniken und Experimente mit der Tiefe finden, die Kameraeinstellungen imitieren sollen. Der Künstlerin sei es aber dennoch wichtig, den Realismus durch Momente der Absurdität aufzubrechen. Also "fast fotorealistische Porträts, die aber immer so ein gewisses Schmunzeln oder einen Humor oder absurde Elemente mit drinnen haben."
- Die Gemälde sind von einem Realismus angehaucht, der an Kameraeinstellungen erinnert. Doch humoristische Momente sollen diese "Echtheit" aufbrechen.
- Foto: Ipirotis/MeinBezirk
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Etwa das Bildnis eines alten Mannes, der aus dem letzten Jahrhundert zu stammen scheint, dann aber einen Damen-BH auf dem Kopf trägt. Dieser Ansatz soll das Vertraute dekonstruieren. "Verfremdungen in den Bildern, die sozusagen eine gewisse Atmosphäre schaffen, die dem Bild dann eigen sind", so die Künstlerin. In Ottakring ist die erfolgreiche Malerin schon seit dem Jahr 2002 tätig.
So auch im Kunstschaufenster Denis in der Brunnengasse 45, das sie seit 2012 mit ihrem Lebensgefährten Franz Schuster betreibt. Für das spannende Ausstellungsprojekt erhielten die beiden Künstler zuletzt den Ottakringer Kunstpreis 2023 für den 1. Platz. Noch heute befindet sich Martina Gassers Atelier im Bezirk.
Ottakring für immer
Und der Bezirk hat seine Spure hinterlassen, wie die Malerin weiß. Zum einen, weil Ottakring über eine große Künstler-Community verfügt, die sich gegenseitig hilft und unterstützt. Andererseits, weil die Künstlerin die Einflüsse vom Brunnenmarkt und dessen Umgebung sehr zu schätzen wisse, "weil es einfach offener macht für andere Kulturen."
- Die Farbkleckse im Hintergrund erzählen eine Geschichte. Hier im Atelier fanden Jahre des Schaffens statt.
- Foto: Ipirotis/MeinBezirk
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Die Stimmung erzeuge ein Lebensgefühl, dass die Innsbruckerin lange in Österreich gesucht habe und erst im Bezirk finden konnte. "Meine Auswanderungspläne wurden dadurch zunichtegemacht", gibt die Künstlerin lachend zu. Heute denkt sie nicht mehr daran, das Land zu verlassen. Das beweisen auch die zahlreichen Pinselstriche an der Atelierswand, auf der sie ihre Gemälde malt. Denn jeder Punkt steht für das Abwischen des Pinsels, um neue Farbe aufzutragen. Und Martina Gasser hat noch sehr viel Farbe übrig.
Martina Gassers Werk "Portrait meiner Urgroßmutter Rose Krenn (2021-22)" ist noch bis zum 11. Dezember im Schaufenster Denis in der Brunnengasse 45 zu sehen.
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