Kirche
Palmsonntag – der Marathon unseres Lebens

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Gedanken zum Palmsonntag von Pastoralassistentin Elfriede Neugschwandtner. Sie ist Pastoralassistentin in der Pfarre Baumgartenberg, Seelsorgerin im Seniorium Baumgartenberg und Dekanatsassistentin im Dekanat Perg.

BEZIRK PERG. "Palmsonntag. Linz-Marathon abgesagt. Tausende wären mitgelaufen, Tausende hätten die Sportler angefeuert! Doch die Straßen werden menschenleer sein. Genauso leer sind diesmal die Pfarrplätze und Kirchen. Die Palmprozessionen, die an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern, fallen aus. Wir laufen in diesen Tagen und Wochen einen besonderen Marathon, bei dem wir uns gegenseitig bestärken, durchzuhalten, das Ziel vor Augen: Es wird wieder gut, wir schaffen es. Für die Menschen zu Zeiten Jesu war es ähnlich. Die wirtschaftliche und politische Situation sowie religiöse Vorschriften belasteten viele. Jesus gab ihnen Kraft, richtete sie auf, hatte Worte der Zuversicht für sie, schenkte ihnen Würde. Er öffnete ihnen die Augen für das Wesentliche im Leben. „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“ – Jesus übersetzte diese Gottesworte durch heilsame Zuwendung, aber auch durch Konfrontation der Gesetzestreuen. Gesetze müssen dem Menschen dienen, sagte er.

Auf Hochtouren laufen

Nicht hoch zu Ross kam Jesus, sondern mit Blick auf die Kleinen und Schwachen. Der Marathon seines Lebens war ein Charity-Lauf, bei dem sich manche mit Begeisterung anschlossen. Manche buhten ihn aus, manche begannen zu zweifeln und wandten sich ab, andere wurden an ihm irre. In den Gestalten der Passion lesen wir davon: Judas verrät ihn, Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld, Petrus verleugnet ihn, die Masse der Gedankenlosen schreit mit.
Viele Menschen sind derzeit unermüdlich für andere unterwegs, sie laufen in der Pflege ihren Marathon für das Leben, um gute medizinische Versorgung zu gewährleisten und auch noch Trost zu spenden. In den Labors und in der Forschung surren Geräte und Gehirne, Regierungsmitglieder und Experten beraten stundenlang, um Entscheidungen zum Wohl der Menschen zu fällen. Eltern laufen, um Home-Office und Home-School auf die Reihe zu bringen und für ihre älteren Angehörigen Ansprechpartner und Essenslieferanten zu sein. Handelsangestellte laufen auf Hochtouren, um die Nahversorgung zu sichern.

Anderen Menschen zujubeln

Unabhängig von der derzeitigen Krise laufen Menschen ihren Lebens-Marathon, indem sie ihr Leid oft jahrelang mutig tragen, andere, indem sie sich für die Schwächeren in der Gesellschaft oder für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Und dann gibt es noch jene, die für andere beten und sie auf diese Weise mittragen. Ihnen allen wollen wir am Palmsonntag zujubeln, ihnen "Danke" sagen und sie im Gebet unterstützen.
Wofür laufen Sie? Was lässt Sie durchhalten? Als Christen glauben wir, dass Gott unsere Marathons mitläuft oder ganz gemächlich mitgeht, je nach dem Tempo, das uns möglich ist. Wir glauben an den Sieg des Lebens, der uns verheißen ist. Palmsonntag – binden Sie sich Ihren Palmbuschen, segnen Sie ihn mit Weihwasser und feiern Sie dankbar das Leben. Wir sind Gesegnete – der Zusammenhalt in diesen Tagen erzählt davon!"

Palmsonntag: Geschichte und Brauchtum

Seit 400 nach Christus wird berichtet, dass sich die Christen in Jerusalem auf dem Ölberg versammelten und einen Gottesdienst feierten. Anschließend begleiteten sie den Bischof in feierlicher Prozession in die Stadt, wobei die Kinder Palm- und Olivenzweige in den Händen trugen. Diese Tradition verbreitete sich nach Europa. Im Mittelalter wurde in der Prozession der biblische Einzug nach Jerusalem nachgespielt. Seit dem 8. Jahrhundert ist auch die Weihe der Palmzweige oder anderer grüner Zweige bezeugt.

Palmbuschen, Palmbesen

Die Palmen wurden bereits im Altertum als heilige Bäume verehrt, im Orient ehrte man siegreiche Personen damit. In Mittel- und Nordeuropa werden die Palmzweige durch Palmkätzchen, Ahorn-, Buchen-, Birken-, Weide-, Haselnuss-, Stachelbeer- und Wacholderzweige ersetzt. Buchsbaum und Weide galten bereits bei den alten Römern als heilkräftige Pflanzen. Bei uns werden Palmkätzchen mit Buchsbaum und anderen grünen Zweigen zu Buschen gebunden.
Die gesegneten Palmbuschen sollen ein Zeichen des Lebens und der Erinnerung an Christus sein und werden daher auch in den Wohnungen und auf den Feldern aufgestellt.
Der Palmbuschen, der in der Kirche verbleibt, wird zur Asche für den Aschermittwochsgottesdienst im kommenden Jahr verbrannt. Aus ihm besteht die Asche, mit der den Menschen das Aschenkreuz auf die Stirne gezeichnet wird.

Mehr Informationen zu Hintergrund und Brauchtum: https://www.dioezese-linz.at/palmsonntag

Palmsonntag 2020 im Wohnzimmer feiern

Der Palmsonntag ist normalerweise einer der am besten besuchten Gottesdienste im Jahr, was sich auch mit dem ausdrucksstarken Brauchtum an diesem Tag erklären lässt. Aufgrund der Corona-Pandemie sind heuer keine gemeinsamen Gottesdienste und keine Palmprozessionen möglich.
Die Osterfeiern 2020 müssen „unter Pandemie-Bedingungen“ stattfinden. Was dies bedeutet, haben die österreichischen Bischöfe in einer Rahmenordnung für alle Feiern vom Palmsonntag bis zur Osternacht dargelegt. Die gegenwärtige Ausnahmesituation erfordert es, die Osterliturgien in kleinster Besetzung und unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu feiern. Das Gros der Katholikinnen und Katholiken soll die Kar- und Ostertage zuhause unter Nutzung von Medien und Internet oder aber als „Hauskirche“ feiernd mitvollziehen. Auch die Segnung der Palmbuschen kann „medial“ erfolgen, denn, so die österreichische Bischofskonferenz: „Das medial zugesprochene Wort Gottes, das Gebet, der Lobpreis sowie der Schutz und die Hilfe Gottes sind auch über die Grenzen der physisch versammelten Gemeinschaft hinaus wirksam.“

TV-Gottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer

In Oberösterreich überträgt der Fernsehsender LT1 am Palmsonntag, 5. April, um 10 Uhr den Gottesdienst mit Bischof Manfred aus der Linzer Priesterseminarkirche. Neben der TV-Übertragung wird der Gottesdienst zusätzlich über die Website der Diözese Linz (www.dioezese-linz.at) sowie von LT1 und nachrichten.at im Internet gestreamt.

Weitere TV-Gottesdienste auf LT1 mit Bischof Manfred Scheuer:

  • Gründonnerstag, 9. April: 19.00 Uhr
  • Karfreitag, 10. April: 15.00 Uhr
  • Karsamstag/Osternacht, 11. April: 20.00 Uhr
  • Ostersonntag, 12. April: 10.00 Uhr
  • Ostermontag, 13. April: 10.00 Uhr

Feier als „Hauskirche“

Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen verbringen die Menschen viel Zeit zu Hause und in ihren Familien. Das bietet die Möglichkeit, als „Hauskirche“ den Glauben gemeinsam zu feiern. Dazu sind ChristInnen auch an den Kar- und Ostertagen besonders eingeladen. Vom Österreichischen Liturgischen Institut wurden gemeinsam mit den diözesanen Liturgiereferaten Unterlagen und Anregungen erstellt, wie der Palmsonntag gefeiert und die Palmbuschen zu Hause gesegnet werden können. Zu finden sind alle Unterlagen auf der Website des Liturgiereferats der Diözese Linz. Feiertexte für Erwachsene stehen ebenso zur Verfügung wie Feiervorschläge mit Kindern und biblische Impulse: www.dioezese-linz.at/ostern2020/hauskirche


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