1. Speakers' Corner
Frauen erhoben am Perger Hauptplatz ihre Stimme

Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim 1. Speakers' Corner der Frauenberatung Perg am Donnerstag der Vorwoche beim Brunnen am Hauptplatz in Perg. | Foto: MeinBezirk Perg/Köck
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  • Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim 1. Speakers' Corner der Frauenberatung Perg am Donnerstag der Vorwoche beim Brunnen am Hauptplatz in Perg.
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Die Frauenberatung Perg hatte anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März zur Veranstaltung gebeten.

PERG. "Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen. Sie bekommen nichts." Dieses bekannte Zitat der Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir war auf einem Schild zu lesen. Die Frauenberatung Perg hatte am Donnerstag der Vorwoche zum 1. Speakers' Corner geladen. Es ging darum, öffentlich die Stimme zu erheben. Rund 40 Frauen kamen zur Veranstaltung am Hauptplatz.

"Vieles hat sich nicht so entwickelt"

 "Vor 20 Jahren wurde die Frauenberatung Perg gegründet. Und viele Dinge haben sich nicht so entwickelt, wie wir es gerne hätten. Damals waren Gewalt in Partnerschaften und finanzielle Sorgen vorrangig. Daran hat sich nicht wirklich etwas geändert", sagte Gertraud Jahn, Vorsitzende der Frauenberatung Perg. Das könne sich nur ändern, wenn Frauen finanziell unabhängig vom Partner werden. Sie brachte drei Forderungen: 1. Ausreichend Kinderbildungseinrichtungen, 2. "Halbe/Halbe" - also gerechte Aufteilung unbezahlter Arbeit, 3. Verkürzungen der Arbeitszeiten. Zum letzten Punkt merkte sie an: "Das wäre für die Gleichberechtigung der Frauen der entscheidende Punkt."

Frauen und die Arbeitswelt

Barbara Spreitzer, Leiterin des Frauenberufszentrums Perg, meinte: "Wir haben viel erreicht, sind aber noch nicht bei der Gleichberechtigung." Was es brauche: Kinderbetreuungseinrichtungen, die zu den Lebenskonzepten passen. Neue, flexible Arbeitszeitmodelle, etwa Job-Sharing, Arbeitszeitverkürzung, ortsunabhängiges Arbeiten. Teilzeitarbeit werde oft als Lifestyle dargestellt, es sei aber oft ein Kompromiss, wegen Familie, Betreuungspflichten. Und das auf Kosten der finanziellen Absicherung, die für sie aber zum Wohlbefinden gehöre. Wichtig sei, dass der Beruf Freude mache und realistisch umsetzbar sei. Ein großer Faktor im Berufsleben seien Kompetenzen und Digitalisierung. Die KI werde die "Berufswelt vollkommen ändern". Frauen sollten über ihre Stärken Bescheid wissen und diese authentisch zeigen. Auch Netzwerke und Austausch mit anderen Frauen sei wichtig.

Nachdenkliche Wortmeldungen

Gabriele Schauer, Heidi Wabro und Barbara Kaiselgruber von der Frauenberatung Perg trugen Aussagen von Frauen vor, die sie immer wieder hören und die nachdenklich stimmten. Es ging dabei um finanzielle Probleme und Belastungen in Beziehungen. Die Grünen Lokalpolitikerinnen Helga Davy und Martina Eigner lasen den Text einer jungen Frau vor, in dem es um bestehende Missstände in der Gesellschaft und Forderungen ging. Die Rede war unter anderem davon, "das Tabu des Schweigens zu brechen".

Poetry-Slam gegen das Patriarchat

Marie-Luise Streifert meldete sich mit einem Poetry-Slam-Beitrag zu Wort. Sie schreibt Texte über Gleichberechtigung und Feminismus. Sie sprach unter anderem von Netzwerken sowie Mut und fragte sich, wann Männer gegen das Patriarchat aufstehen. Außerdem wies sie auf die Bedeutung des Gewaltpräventionsprojekt "StoP" hin.

Hoffen auf Fortsetzung von Projekt

Die Initiative gegen häusliche Gewalt läuft seit 2022 im Bezirk Perg, Koordinatorin ist Elisabeth Glawitsch. Auch Landtagsabgeordnete Dagmar Engl von den Grünen äußerte sich kritisch, dass für das im Mai auslaufende Projekt noch die Finanzierung für eine Fortsetzung fehle. In welcher Form "StoP" fortgeführt wird, steht also noch nicht fest. Derzeit wird auf politischer Ebene verhandelt. Positiv merkte sie an, dass es in Linz "endlich eine Gewaltambulanz" gibt.

Mehr zum Projekt:

"Ziel ist es, dass das Dunkelfeld kleiner wird"

Spanien als Vorbild

Michaela Traxler, Vizebürgermeisterin in St. Georgen an der Gusen, schilderte die Eindrücke einer Reise nach Barcelona im Zuge eines Erasmus+ Projekts. Diese habe gezeigt, "wie konsequent Spanien gegen Männergewalt vorgeht". Unter anderem gebe es Gerichte für geschlechtsspezifische Gewalt, viele unterstützende Organisationen und niederschwellige Anlaufstellen, sichere Gehwege und mehr. Die zentrale Erkenntnis: "Gewalt an Frauen ist keine Privatsache, es braucht staatliche Strukturen. Veränderung ist möglich, wenn der politische Wille da ist."

Siehe dazu:

Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen

Nicht aufhören zu kämpfen

Die Perger ÖGB-Frauenvorsitzende Gaby Auinger meinte: "Wir leben in einem Land, in dem Femizide kein schockierender Ausnahmefall mehr sind, sondern ein wiederkehrendes, tödliches Muster. Jede getötete Frau ist ein politisches Versagen und ein Mahnmal dafür, dass Gewalt gegen Frauen nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart ist." Sie sprach auch über Pionierinnen wie Adelheid Popp und Maria Tusch. Man stehe auf den Schultern jener Frauen, die den Mut hatten, aufzustehen. "Wir hören nicht auf, bis Gleichberechtigung nicht mehr erkämpft werden muss, sondern endlich Realität ist", sagte sie zum Schluss.

Siehe auch - mehr zum Thema:

"Transparenz ist der Schlüssel zu fairer Bezahlung"

"Bewusstes Kleinhalten der Frauen"

Sieglinde Luger aus Bad Kreuzen betonte: Frauen seien Mutmacherinnen und Gestalterinnen. Der Lohn sei Erschöpfung, Gewalt und geringe Löhne. Sie sieht eine strukturelle Ungerechtigkeit und vermutet "ein bewusstes Kleinhalten der Frauen". Gleichstellung passiere nicht von selbst. Sie brauche politische Entscheidungen, die Frauen stärken, finanzielle Unabhängigkeit absichern und Ungerechtigkeit sichtbar machen und beenden. Sie verweist auf die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie, den Unterstützungsfonds für Alleinerziehende und Schwerpunkt auf Frauengesundheit.

Tanz und Musik

Seine Gedanken zur Verhinderung der Altersarmut präsentierte am Ende Sozialrechtsexperte Gerald Reiter. Er ging darauf ein, was man selber tun könne und was es von der Politik und von Unternehmen brauche. Den Auftakt hatte das Lied "Brot und Rosen" aus dem Jahr 1912 gebildet. Es drückt die Forderung nach gerechtem Lohn (Brot) und menschenwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen (Rosen) aus. Zwischendurch animierte die Tanzlehrerin  Liliana Sánchez Vallejos zum Mittanzen. Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgte Beate Pammer.

Im Freien Radio Freistadt kann der Speakers' Corner nachgehört werden:
frf.at/erster-speakers-corner-der-frauenberatung-perg


Siehe auch:

Frauenhaus "Unteres Mühlviertel" schließt Lücke im Gewaltschutz

Wenn Sie von Partnergewalt betroffen sind:

Versuchen Sie, laut zu sein, dass ihre Nachbarn sie hören können.
Rufen Sie die Polizei 133 an.
Rufen Sie die Frauenhelpline 0800/222 555 an.
Packen Sie einen Notfallkoffer mit den wichtigen Sachen (Dokumente, Bankkarte, Kleidung, Medikamente und so weiter)
Reden Sie darüber - Gewalt ist niemals die Schuld des Opfers
Kontaktieren Sie die Frauenberatung Perg, Dr.-Schoberstraße 23, 4320 Perg, Tel. 07262/54484 oder 0699/11331019, office@frauenberatung-perg.at

Was können Nachbarinnen und Nachbarn tun:

Polizei 133 anrufen
Frauenhelpline 0800/222 555 anrufen
Frauenberatung Perg oder StoP Perg (perg@stop-partnergewalt.at) kontaktieren

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