1.400 Beschäftigte der Firma Engel zu Kampfmaßnahmen bereit

Der Vorsitzende des Arbeiterbetriebsrats Josef Lengauer bei seiner Rede vor den Beschäftigten
  • Der Vorsitzende des Arbeiterbetriebsrats Josef Lengauer bei seiner Rede vor den Beschäftigten
  • Foto: PRO-GE
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Kollektivvertrags-Verhandlungen der Metaller: Gewerkschaft droht mit Kampfmaßnahmen und will so Druck auf Industrie erhöhen.

SCHWERTBERG. "Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA djp wollen einen fairen Abschluss, der den Arbeitnehmern ihren Anteil am wirtschaftlichen Erfolg der Branche sichert", heißt es in einer Aussendung der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) von Donnerstag. Konkret bedeute das eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 5 Prozent beziehungsweise mindestens 100 Euro für jeden. Die Arbeitgeber würden sich aber, so die Gewerkschaft, wenig kompromissbereit zeigen. Daher wurden in der zweiten November-Woche österreichweit Betriebsversammlungen abgehalten.
 

Einstimmig Resolution beschlossen

Bei der Firma Engel in Schwertberg versammelten sich 1400 Arbeitnehmer. Einstimmig wurde von den Engel-Beschäftigten eine Resolution beschlossen, mit der sich die Arbeitnehmer bereit erklärt haben, wenn es notwendig ist, gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen zu ergreifen.

„Unsere Solidarität ist unsere Stärke. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben es sich verdient, dass ihre guten Leistungen honoriert werden. Und das werden wir gemeinsam mit euch durchsetzen", sagt PRO-GE Landessekretär Michael Seemayer.

"Blockadehaltung"

Engel-Zentralbetriebsratsvorsitzender Karl Kapplmüller und der Betriebsratsvorsitzende der Angestellten, Josef Scheuchenegger, berichteten aus dem Inneren der Verhandlungen mit dem Fachverband der Metalltechnischen Industrie. Sie kritisierten die "Blockadehaltung der Arbeitgeberseite" und bekräftigten, dass man nicht nachgeben werde, bis man einen ordentlichen Abschluss in der Tasche habe. Neben Gehaltershöhungen verlange man auch Wahlfreiheit zwischen Zeit und Geld und die Freiwilligkeit beim 12-Stunden-Tag müsse garantiert sein. Die Firma Engel sei ein Paradebeispiel dafür, welche Erfolge die Metallindustrie in den letzten Jahren erzielt habe. Im Jahr 2017 konnte sie eine Umsatzsteigerung von 8,6 Prozent vermelden. „Das ist nur gelungen, weil fleißige und fähige MitarbeiterInnen alles gegeben haben. Und deshalb sind die Forderungen mehr als berechtigt“, so die Betriebsräte.

Update 9. November

Industrie: "Fairer Vorschlag"

Bei den Kollektivvertrags-Verhandlungen am Donnerstag zwischen Industrie und Gewerkschaft gab es kein Ergebnis. In Betrieben der metalltechnischen Industrie finden ab Montag Warnstreiks statt. Welche Unternehmen betroffen sind, steht noch nicht fest.

Die Unternehmensführung der Firma Engel verweist auf eine Stellungnahme des Fachverbands der Metalltechnischen Industrie. "Da es sich um ein österreichweites Thema handelt, können einzelne Unternehmensstimmen die Lage der Industrie nicht widerspiegeln", sagt Engel-Sprecherin Susanne Zinckgraf. Christian Knill, Obmann des Fachverbandes, sagte nach der fünften Verhandlungsrunde: „Wir haben einen wirklich fairen Vorschlag vorgelegt und waren bereit, die Löhne und Gehälter in unserer Branche rückwirkend ab 1. November um 2,7 % zu erhöhen. Außerdem haben wir in intensiven, und aus unserer Sicht auch sehr konstruktiven, Gesprächen deutliche Verbesserungen im Rahmenrecht besprochen. Damit wäre das Gesamtangebot mehr als 3 Prozent wert gewesen. Die Gewerkschaften haben trotzdem das Gespräch unerwartet abgebrochen. Sie legen es offenbar ausschließlich darauf an, ihre geplante Kampagne öffentlichkeitswirksam umzusetzen. Dafür sind wir aber nicht zu haben.“  Die Gewerkschaften hätten seit Wochen Kampfmaßnahmen angekündigt. „Die Gewerkschaften spielen sich damit selbst ins Abseits. Sie haben es offenbar von Anfang an auf Eskalation angelegt. Der heutige Abbruch der Gewerkschaften schadet allen“, so Knill. Nehme man die realen Wirtschaftsdaten, dann liege das Angebot sachlich genau richtig und decke den gesamten Produktivitätsfortschritt ab.

Wirtschaftskammer kritisiert Gewerkschaft

Ähnlich kommentiert es Wirtschaftskammer-OÖ-Präsidentin Doris Hummer: „Die Gewerkschaften haben schon vor Verhandlungsbeginn klar signalisiert, dass sie heuer die Streikkeule auspacken werden. Das enorme Belastungspaket, das sie eingebracht haben und an dem bisher stur festgehalten wird, ist für unsere Betriebe unannehmbar. Die Erfüllung dieser Forderungen würde für einen klassischen Produktionsbetrieb eine Kostensteigerung von bis zu 20 Prozent bedeuten und innerhalb weniger Monate wären viele Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Vom Schaden für den Produktionsstandort ganz zu schweigen, denn Österreich wäre mit einem Schlag für Investitionen uninteressant."

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