25.09.2014, 14:15 Uhr

Bauchschmerzen durch Alkohol und Nikotin Warnsignal für eine unterschätzte Gefahr

Prim. Dr. Norbert Fritsch MPH, Gastroenterologe am LKH Freistadt. (Foto: gespag)
FREISTADT. Sie wiegt etwa 100 Gramm, ist zwischen 14 und 18 cm lang und befindet sich als querliegendes Organ zwischen dem Magen und der hinteren Bauchwand. Die Rede ist von der Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt. Kaum ein Mensch schenkt diesem Organ besonders große Aufmerksamkeit. Es sei denn, die zweitgrößte Drüse nach der Leber funktioniert nicht mehr einwandfrei. Besonders empfindlich reagiert die Bauchspeicheldrüse auf einen verstärkten und dauerhaften Alkohol- und Nikotinkonsum. Bauchspeicheldrüsenentzündungen oder sogar –krebs können die Folge sein. Gastroenterologe Prim. Dr. Norbert Fritsch MPH vom Landes-Krankenhaus Freistadt zeigt auf, worauf Sie achten sollen.

Die Bauchspeicheldrüse spielt eine sehr bedeutende Rolle in unserer Verdauung. „Täglich gibt sie ein bis zwei Liter Verdauungssekret in den Dünndarm ab“, weiß Prim. Dr. Norbert Fritsch MPH, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am LKH Freistadt, „dieses Sekret ist stark basisch, damit es den, mit Magensäure versetzten Speisebrei neutralisieren kann. Darin befindliche Enzyme zerlegen die Nahrungsbestandteile und können so schließlich über den Dünndarm in unser Blut aufgenommen werden.“ Aber auch an unserem Energiehaushalt ist das Pankreas wesentlich beteiligt. Als sogenannte endokrine Drüse produziert sie Hormone, wie beispielsweise Insulin und Glukagon, die den menschlichen Blutzucker senken bzw. steigern und somit im Gleichgewicht halten.

Hauptfeind des Pankreas – Alkohol und Nikotin
Ein langjähriger ungesunder Lebensstil, insbesondere Alkoholkonsum, Nikotin und schlechte Ernährungsgewohnheiten wirken sich allerdings überaus negativ auf die Bauchspeicheldrüse aus. „Durch die chronische Entzündung kommt es zu Kalkeinlagerungen und die Verdauungssäfte können deshalb nicht mehr ordentlich abfließen“, so Prim. Fritsch, „in Folge dessen greifen die Drüsensäfte das eigene Gewebe an, was zu weiterem Zelluntergang führt und in manchen Fällen auf lange Sicht sogar Bauchspeicheldrüsenkrebs auslöst.“ Auch auf den Hormonstoffwechsel wirkt sich Alkohol langfristig negativ aus und kann unbehandelt schließlich zu einer Diabetes mellitus führen.

Späte Beschwerden als große Herausforderung
Besonders heikel bei Pankreaserkrankungen ist die häufig zu späte Diagnose und verzögerte Behandlung. So erweist sich beispielsweise die Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs als ausgesprochen tückisch. „Ein Karzinom dieser Art entwickelt sich über Jahre und verursacht erst zu einem sehr späten Zeitpunkt Beschwerden, so dass die meisten Therapien kaum noch wirksam sind“, so der Experte. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Krebsart auf den ersten Blick keine spezifischen Beschwerden aufweist.

Aber auch die Bauchspeicheldrüsenentzündung wird oft zu spät erkannt. Bei der Diagnose muss zwischen akuten und chronischen Fällen unterschieden werden. Bei einer akuten Pankreatitis treten heftige kolikartige Schmerzen im Oberbauch auf, die in Rücken, Brust oder gürtelförmig in den Körper abstrahlen. Zudem kommt es häufig zu Übelkeit, Fieber und Verdauungsproblemen. Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung hingegen beginnt schleichend mit Verdauungsproblemen und Übelkeit. Die Schmerzen setzen eher schubweise ein und werden oft mit starken Gastritisbeschwerden oder Kreuzschmerzen verwechselt. Prim. Fritsch: „Betroffene werden oft sehr lange gegen Wirbelsäulenschmerzen behandelt und die Ursache Bauchspeicheldrüsenkrebs bleibt unerkannt.“

Gemeinsam haben akute und chronische Pankreatitis jedoch, dass sie auf jeden Fall einer ärztlichen Abklärung bedürfen. „Besonders in schweren Fällen geht die Entzündung mit Gewebsstörungen einher“, so der Spezialist, „das Gewebe zerstört sich durch Verdauung selbst. Unbehandelt kann das zu Blutvergiftung und sogar zu einem Multiorganversagen führen.“

Risikofaktoren minimieren
Die beste Methode, das kleine Organ Bauchspeicheldrüse optimal in seiner Doppelfunktion im Körper zu unterstützen, ist und bleibt jedoch die Vermeidung von übertriebenem Alkoholkonsum, Rauchen und ein konsequent gesunder Lebensstil. „Vor allem sollten Personen, die schon einmal Probleme mit ihrer Bauchspeicheldrüse hatten, fettes und zu ergiebiges Essen meiden, da das Auslöser für neue akute Entzündungsschübe sein kann“, sagt Prim. Dr. Norbert Fritsch MPH.
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