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Man steht auf der Terrasse, die Sonne scheint, und immer wieder fliegen kleine Wesen aus einer Öffnung im Holz aus und ein. Was zunächst harmlos wirkt, wird für Johann Grubner aus Kirchberg an der Pielach plötzlich zum Albtraum. Ein kurzer Griff nach einem Stück Holz genügt – und zwei Wespen stürzen sich auf den Pielachtaler.
PIELACHTAL/LILIENFELD. Was Grubner zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Er ist allergisch auf die Stiche der kleinen Tiere. Anfangs denkt er sich nichts dabei. Lediglich die Einstichstelle am Fuß ist etwas geschwollen. Doch sein Schwager erkennt schnell, dass etwas nicht stimmt. Eine rot marmorierte Verfärbung zieht sich bereits bis hinauf ins Gesicht, gleichzeitig beginnt der ganze Körper zu jucken.
Sofort wird der Notruf alarmiert. Simon und Manfred Falkensteiner vom ASBÖ Rabenstein machen sich auf den Weg. Als die beiden eintreffen, wirkt Johann Grubner zunächst noch relativ stabil. „Ich habe bemerkt, dass sie sehr schnell arbeiten. Ich bekam einen Venenzugang und plötzlich wurde mir schwindlig und ich bin weggekippt. Bis dahin war mir der Ernst der Lage eigentlich gar nicht bewusst“, erzählt Grubner.
Gerade noch gut ausgegangen
Auch für die Einsatzkräfte zeigt sich schnell, wie ernst die Situation ist. „Der Patient war kaltschweißig, hatte einen hohen Puls und einen niedrigen Blutdruck. Wir legten einen Venenzugang und verabreichten Notfallmedikamente. Er hat gerade noch die Kurve bekommen“, schildert Sanitäter Simon Falkensteiner.
Landesklinikum Lilienfeld
Grubner wurde anschließend ins Landesklinikum Lilienfeld gebracht, wo er noch mehrere Stunden zur Beobachtung bleiben musste. Doch damit war die Geschichte noch nicht vorbei: Nur eine Woche später kam es erneut zu einem Wespenstich. Diesmal war Grubner vorbereitet. Mit einem sogenannten Epipen – einem Adrenalin-Autoinjektor – und seinen Notfallmedikamenten konnte er sofort reagieren. Kurz darauf rückte erneut der ASBÖ Rabenstein aus und brachte ihn zur Kontrolle ins Krankenhaus.
„Nach der Verabreichung eines Epipens ist es immer notwendig, sich ärztlich kontrollieren zu lassen. Auch wenn es zunächst besser wird, kann es erneut zu einer Reaktion kommen. Der Epipen überbrückt nur die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte“, erklärt Simon Falkensteiner.
Für Johann Grubner war der Vorfall eine eindringliche Erfahrung: Ein kleiner Stich kann innerhalb weniger Minuten zu einer lebensbedrohlichen Situation werden. Dass weiss auch Andreas Mitterer vom ASBÖ Rabenstein: "Allergische Reaktionen gehören zu den gefährlichsten Notfällen im Alltag. Sie können durch Insektenstiche, Lebensmittel oder Medikamente ausgelöst werden und entwickeln sich oft rasch."
Allergische Reaktion erkennen
Für Ersthelfer ist es entscheidend, typische Warnzeichen zu erkennen und sofort zu handeln.
Woran man eine anaphylaktische Reaktion erkennt:
Haut: Juckreiz, Rötungen, Quaddeln
Atmung: Atemnot, pfeifende Atmung, Engegefühl im Hals
Allergen entfernen, wenn möglich (z. B. Bienenstachel vorsichtig abstreifen)
EpiPen anwenden, wenn vorhanden
Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage
Bei Atemstillstand: Herz-Lungen-Wiederbelebung
Darf ein Ersthelfer einen EpiPen anwenden?
Ja. Wenn die betroffene Person ein eigenes Adrenalin-Autoinjektor‑Set bei sich hat und eine schwere allergische Reaktion zeigt, ist die Anwendung durch Ersthelfer ausdrücklich erlaubt.
Wichtig ist:
Der Pen gehört der betroffenen Person.
Die Symptome sprechen klar für eine schwere allergische Reaktion.
Der Pen wird in den äußeren Oberschenkel gedrückt und dort einige Sekunden gehalten.
Die Anwendung eines vorhandenen Autoinjektors gilt als Unterstützung der Selbstmedikation, nicht als Medikamentengabe durch den Ersthelfer.
Warum schnelles Handeln so wichtig ist
"Adrenalin ist das Mittel, das die lebensbedrohlichen Symptome am effektivsten bekämpfen kann. Je früher es verabreicht wird, desto größer die Chance, schwere Verläufe zu verhindern. Auch nach der Anwendung eines EpiPens ist eine ärztliche Kontrolle zwingend notwendig, da die Reaktion erneut auftreten kann," erklärt Mitterer.
Tipp
Besuchen Sie einen Erste-Hilfe-Kurs, damit Sie im Fall des Falles die richtigen und möglicherweise lebensrettenden Handgriffe erlernen können.
Wir fragen bei der Feuerwehr St. Pölten nach. Karin Wittmann erklärt: „Liegt Gefahr im Verzug vor – etwa wenn Wespen ihr Nest in einem Kindergarten, einer Schule oder auf einem Spielplatz bauen oder wenn in einem Haushalt ein schwerer Wespenallergiker lebt –, rückt die Feuerwehr aus. In allen anderen Fällen stehen Wespen unter Naturschutz. Eine Entfernung oder Umsiedlung der Nester darf dann nur von professionellen Schädlingsbekämpfern durchgeführt werden. Ein Eingreifen der Feuerwehr wäre in diesen Fällen auch ein Eingriff in deren Gewerbebereich.“
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