22.01.2018, 10:53 Uhr

Ein Spuk auf der Ruine Rabenstein

Diesen Monat geht es in der Sage gespenstisch zu: Von polternden Geistern und einem wertvollen Schatz.

PIELACHTAL (ag). Die Pielachtaler Sage dieses Monats handelt von einem Schatzspuk auf der Burgruine Rabenstein.

Pfarrer Hacker von Grafendorf schreibt um 1750: Das Volk sagte, die öde Burg Rabenstein sei eine Wohnung der Gespenster. Auch seien dort Schätze verborgen und Höllenhunde zu sehen. Die Sage von Schätzen dürfte kein leeres Gerede sein, denn die Alten erzählen: Vor fast 30 Jahren gruben drei Schatzgräber nach erhaltener Erlaubnis einige Tage lang an vielen Stellen des Schlosses , äfften die Aufseher mit der Verheißung großen Gewinnes und verschwanden dann plötzlich mit Hinterlegung des starken Verdachtes, dass ihre Mühe doch nicht ganz vergeblich gewesen sei.

Das jetzige Volk (1880) erzählt: In dem öden Schlosse Rabenstein ging es von Gebetläuten abends bis morgens um. Es tümmelte nachts darin und kam auch anderer Spuk vor. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war in der Ruine Rabenstein noch ein Gemach bewohnbar. Darin logierte die alte Liesel, die nimmer gehen konnte, aber spinnen. Die Bäuerinnen brachten ihr Essen und Haar und holten das Gespunst ab. Bei Nacht kamen die Geister der alten Schlossleute, jagten die Hühner der alten Liesel durcheinander und rumorten herum. Die Liesel meinte, es seien mutwillige Buben, und greinte. Da schnofelten die Geister. "Die alt Fiesel ist aber schon wieder granti!" Die Geister konnten nämlich das L nicht aussprechen.
Einmal beklagte sich die Liesel beim Jäger, der manchmal hinkam, über die bösen Buben. Der aber glaubte nicht, dass Buben zu der Alten hinaufgingen, und versteckte sich während einer Nacht in der Ruine, um die Störefriede kennenzulernen. Da hörte er die Geister rumoren und die Hühner durcheinander stampern, dann die Liesel greinen und die Geister schnifeln: "Die alt Fiesel is aber schon wieder granti!" Er sah aber nichts und erkannte daraus, dass es Geister seien.

Schlauer Tischer

Der Spuk brachte einen Rabensteiner Tischler auf die heimliche Idee, dass es dort oben einen Schatz geben musste. Unter dem Vorwand, dass er gerade ein Haus baue, durfte er Steine von der Ruine abtragen. Er hob Quader um Quader aus. Eines Tages verschwand er unter dem Vorwand in Baiern ein schöneres Haus zu bauen. Unter der Turmstiege der Ruine Rabenstein fand man später eine Höhlung, wo wahrscheinlich der Schatz steckte. Von dem Tischler hörte man nie wieder etwas.
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